St Atmos

Autor: Frank Rausch

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st-atmos

St Atmos
ist die brandneue, superfette Schrift von Sascha Timplan alias Stereotypes. Als verträumte und ungewöhnliche, schaumige Displayschrift kommt sie ganz unverklemmt daher und grinst den Betrachter schelmisch an.

St Atmos erinnert ein wenig an Bubble-Schriften – Schöpfer Sascha besteht jedoch darauf, nie aktiver Graffiti-Künstler gewesen zu sein.
Tatsächlich ist gut zu erkennen, dass Saschas Beschäftigung mit Buchstabenformen weit über den typografischen Horizont des Sprayer-Genres hinaus geht: St Atmos zeigt zwar einen entspannten Einfluss von Street-Art, schafft es aber durch angemessene Würdigung typografischer Traditionen, Besinnung auf eine lesbare Grundkonstruktion und überzeugende technische Qualität, sich deutlich aus dem Fundus ähnlicher Schriften hervorzuheben.

st-atmos-musik

Die handwerklichen Fähigkeiten des Gestalters stammen aus der Schule von Prof. Andreas Hogan von der FH Trier. Das Gespür für Rhythmus und Arrangement bringt Sascha wohl aus seiner früheren Laufbahn als professioneller DJ mit – daher der Foundry-Name Stereotypes.

Ungewöhnliche Schlitze geben der St Atmos eine fast dreidimensionale Anmutung, obwohl Räumlichkeit anfangs weder präsent noch geplant war. In den ursprünglichen Entwürfen sollten die Buchstaben ganz ohne Punzen auskommen und lediglich durch extreme Einkerbungen strukturiert werden. Vielleicht wirkt die Schlauchbootigkeit des Endprodukts auch deshalb nicht aufdringlich; sie ist kein Effekt, der über fertige Buchstaben gelegt wurde, sondern ein konstruktives Merkmal jedes einzelnen Zeichens. Der bekannte Schriftgestalter Nick Shinn verglich die St Atmos im Forum Typophile.com mit den »großen, weichen Werken von Oldenburg«, einem Künstler, der reale aufgeblasene Buchstaben produzierte.

Sascha hat sich stark von seinem Gespür leiten lassen, um Konsistenz und Spontanität unter einen Hut zu bekommen.
Viele Buchstaben der St Atmos sind kopflastig und haben serifenartige Auswüchse, viele davon einseitig. Das S ist in der Mitte dünn und kniet auf einem massiven Unterschenkel, während das g sein spitzes Knie zum nächsten Buchstaben zu heben scheint. Das y ist ein u mit verlängertem – aber nicht gebogenen – Abstrich.

Wofür die Schrift hervorragend geeignet ist, zeigt Sascha Timplan in seinen Schriftproben auf MyFonts.com: Musikplakate, Plattencover, Headlines. Gedacht hat er allerdings nach eigener Aussage oft an Currywurstbudenschilder. Und vielleicht finden wir die St Atmos irgendwann einmal bei einem qualitätsbewussten Wurstbräter im Kiez – die Tabellenziffern für übersichtliche Preislisten werden jetzt schon mitgeliefert.

st-atmos-currybude

Überhaupt ist die St Atmos erstaunlich umfassend ausgebaut für eine Headline-Schrift. Der alleinstehende Schnitt ist mit über 650 Zeichen hervorragend gerüstet für Gastspiele osteuropäischer oder isländischer Bands – beziehungsweise für Beschilderungen an Döner- und Köttbullar-Imbissen. Eine Vielzahl lustiger Ligaturen und Schwungbuchstaben sorgt für ein abwechslungsreiches Schriftbild. Sogar Kapitälchen sind enthalten, die so eigenständig wirken, dass sie quasi ein kostenloser zweiter Displayschnitt sind.

st-atmos-diacritics

In näherer Zukunft will Sascha eine waschechte Graffiti-Schrift mit allerhand technischen Raffinessen und einwandfreier »Street Credibility« gestalten. Wenn es ihm dabei ebenso gut gelingt, wilde Formensprache in ein typografisch und handwerklich einwandfreies Gewand zu kleiden, wird wohl auch die nächste Schrift ein Hit.

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