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Aeronaut & Ivory

Diese Schrift testen …

Aeronaut (Schneeglöckchen) & Ivory (Weißröckchen)

Georg Herold-Wildfellner und Marcus Sterz von schriftbuero/FaceType lassen mit Aeronaut und Ivory gleich zwei historische Schmuckalphabete neu aufleben. Gemeinsam ist beiden Fonts die Möglichkeit zur einfachen und schnellen Komposition zweifarbiger Schriftzüge. Über die Herkunft der Schriften und die Handhabung von chromatischen Fonts haben wir mit einem der beiden Designer gesprochen.

Georg, wie kommst Du auf Ideen zu Schriften wie Aeronaut oder Ivory?

Der Plakatdruck galt Ende des 19. Jahrhunderts als eine eigene Kunstform. Dementsprechend fantastisch und einzigartig sind für mich die damals entworfenen Schriften. Die Plakate und Schriftmusterbücher aus der Zeit um 1900 dienen mir als Inspiration. Trotz der Tonnen an Schriften, die Designern heute zur Verfügung stehen, gibt es eine Fülle an unentdecktem »Typomaterial«. Mit Glück lassen sich Schriften mit starkem individuellen Charakter entdecken, mit etwas mehr Glück sind diese Schriften relativ komplett.

Kirchengothische Schrift aus ›Vorlegeblätter für Firmenschreiber‹ (1879) – die Inspiration zur Aeronaut

Wie war das bei der Aeronaut? Ist das ein originalgetreues Revival, oder habt ihr vorgefundene Lettern frei interpretiert?

Die Idee zur Schrift entstammt dem Buch Vorlegeblätter für Firmenschreiber von 1879. Das Alphabet ist darin fast vollständig abgedruckt, ergänzt werden musste trotzdem einiges, so z.B. sämtliche diakritischen Zeichen, Interpunktion, Ziffern und Währungssymbole … Wir haben uns bei der Digitalisierung viel Raum für eigene Interpretation gelassen und die Schrift um einige Ligaturen erweitert. Schriftzeichen wurden einerseits aus ästhetischen Gründen überarbeitet, oder auch dann, wenn eine klare Erkennbarkeit der Zeichen nicht gegeben war.

Vergleich Originalvorlage und Aeronaut: L, C, G

Vorlage in grau, Aeronaut in schwarz: Während manche Buchstaben wie z.B. das L (links) aus rein ästhetischen Motiven uminterpretiert wurden, war bei anderen wie C (Mitte) und G (rechts) die mangelnde Lesbarkeit der Grund für eine vom Original abweichende Neugestaltung.

Vergleich Originalvorlage und Aeronaut: x, y, z

Die gotischen Kleinbuchstaben x, y, z sind für Ungeübte nur schwer zu entziffern. Die Gestalter entschieden sich bei der Aeronaut gegen historische Authentizität und für Formen, die heute eher eine internationale Einsetzbarkeit gewährleisten.

Aeronaut in Anwendung: Initialen

Aeronaut und Ivory sind Bi-Color-Schriften. Was muss man bei der Anwendung solcher chromatischer Fonts beachten?

Die Aeronaut ist eine Display-Schrift. Die dekorativen Elemente der Versalien, die Schnörkel, die wir Fallschirme nennen und die kleinen gebogenen Pfeile nehmen der neogotischen Schrift die typische Strenge und unterstützen ihren spielerischen Charakter.
Das zusätzliche Feature der Zweifarbigkeit hat bereits bei der Ivory den Nerv der Zeit getroffen. Auch bei der Aeronaut hat es sich aufgedrängt: wir haben die Verzierungen von den Buchstaben getrennt und diese in einen eigenen Font gepackt. Aeronaut Base ist somit die ›entkleidete Variante‹ (wie MyFonts.com treffend formuliert), Aeronaut Parachute bzw. Aeronaut Balloon enthalten die passenden Verzierungen dazu. Base und Parachute (bzw. Balloon) übereinander gelegt und unterschiedlich eingefärbt ergeben den zweifarbigen Schriftsatz.

Aeronaut Regular

In der Aeronaut Regular sind die ›Fallschirme‹ bereits eingebaut. Mit dieser Version kann man vorab prüfen, wie groß der gesamte Schriftzug inkl. Schnörkel am Ende ausfallen wird.

Aeronaut Base

Um die Zeile aber in zwei unterschiedlichen Farben einfärben zu können, wählt man zunächst die Aeronaut Base. Bei diesem Font sind die Schnörkel und i-Punkte ausgespart.

Aeronaut Parachute

Nun wird die Ebene dupliziert – oder der Textrahmen kopiert und an genau der selben Stelle wieder eingefügt. Für die zweite Komponente wählt man die Aeronaut Parachute (bzw. alternativ die Aeronaut Balloon, diese hat etwas längere Schnörkel).

Aeronaut in chromatischer Anwendung

Buchstaben und Schnörkel stehen nun passgenau übereinander. Beide Textrahmen nach Belieben einfärben – fertig!

Die andere von Dir gestaltete Schrift heißt Ivory. Das ist eine Versalschrift, sie hat also nur Großbuchstaben. Woher kommt sie?

Die Vorlage zur Ivory: ein Pomologie-Kompendium von 1882

Die Initiative zur Ivory kam von Marcus Sterz. Ebenso stammt die Vorlage von ihm, er fand sie in einem alten Kompendium über Pomologie (Obstbaumkunde). Die Zeichen waren recht klein und das Alphabet unvollständig, aber gemeinsam gelang es uns, die Schrift wiederzubeleben. Wir fanden die Zierschwünge allein sehr elegant und beschlossen, sie von den Lettern zu trennen, um einerseits zweifarbige Initialen zu ermöglichen und andererseits den Zierrat als dekoratives Element verwenden zu können.

Derzeit geht dies nur über den Umweg mit duplizierten Ebenen in Programmen wie InDesign. Überraschenderweise tat diese kleine Hürde dem Erfolg keinen Abbruch, im Gegenteil: Ivory entwickelte sich zu unserem eigenen Erstaunen zu einem Blockbuster, der sich seit Monaten in MyFonts’ Bestseller-Liste hält.

Ivory Headline

Die Ivory Headline ist für eine Bi-Color-Anwendung ungeeignet. Hier sind Buchstaben und Zierrat nämlich fest miteinander verbunden.

Ivory NoSwashes

Um den chromatischen Effekt zu nutzen, setzt man die Zeile(n) daher zunächst in der Ivory NoSwashes – reine Buchstaben, ohne Schmuck – und bestimmt Größe, Laufweite, Farbe etc.

Ivory Swashes

Im nächsten Schritt wird die Zeile kopiert und exakt auf der selben Stelle wieder eingefügt (alternativ: Ebene duplizieren). Im Schriftmenü Ivory Swashes auswählen und eine zweite Farbe zuweisen.

Ivory mit Zweifarbeffekt

Das Ergebnis: festlich geschmückte Lettern in zwei Farbtönen, ideal für Initialen und besondere Anlässe.

Georg, was dürfen wir von schriftbuero/FaceType im neuen Jahr erwarten?

Ivorys Zeichensatz ist eigentlich stark eingeschränkt, daher halten wir eine Weiterentwicklung in Richtung einer Pro-Version für sinnvoll. Wir hoffen, bald Zeit für eine Erweiterung der Glyphentabelle und Verbesserung einiger Features zu finden.
Zwei weitere Schriften sind bereits in Arbeit, eine besteht beinahe ausschließlich aus Verzierungen. Beide sind erneut mit chromatischen Features ausgestattet. Aus dem Bi-Color-Double wird also bald ein Bi-Color-Quartett.

Das klingt vielversprechend, 2010 wird also ein farbenfrohes Jahr werden. Vielen Dank!

~

FaceType und schriftbuero

Hinter dem Namen FaceType verbergen sich die Schriftprojekte von Andrej Waldegg und Marcus Sterz. Seit Ende 2008 haben die beiden Wiener bereits 25 Schriftfamilien veröffentlicht, darunter einige Hot New Fonts und Bestseller wie Blitzplakat, Strangelove, Ivory und Aeronaut.

Stilistisch zeigt sich FaceType vielfältig – im Portfolio finden sich Pixelfonts (Mouse Pro), handgezeichnete (Scrap Outline) und geometrisch-konstruierte Schriften (Slug, ebenfalls 2-farbig!), Digitalisierungen alter Vorlagen wie der Bastard-Remix Letterpress oder ironische Hommagen an Ikonen wie Pablo Ferro (Strangelove).

Während Andrej Waldegg vorwiegend Grafikprojekte vorantreibt, hat sich Marcus Sterz inzwischen ganz dem Schriftdesign verschrieben. Zwei Schriften im Stile des Art Deco befinden sich in der finalen Testphase und werden voraussichtlich im Januar veröffentlicht.

Georg Herold-Wildfellner ist Grafik-Designer (buerofliegenpilz) und Schriftgestalter (schriftbuero) und arbeitet gemeinsam mit seiner Frau Heike Weiss in Wien. Schriftgestaltung bedeutet für die beiden eine oft monatelange Auseinandersetzung mit einem Projekt und ist somit die perfekte Ergänzung zur terminorientierten Arbeit im Grafik-Design. Mit Marcus Sterz verbindet Georg eine langjährige Freundschaft. So kommt es, dass nun auch die von schriftbuero gestalteten Schriften bei FaceType publiziert werden.

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