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Lapidaria

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Lapidaria: Specimen

Die jüngste Veröffentlichung von Andreas Stötzner hat es in sich: Lapidaria ist die wohl erste ›dreihäusige‹ Serifenlose – eine Schriftfamilie mit integrierter Unziale. Stötzner charakterisiert die Lapidaria als »geometrisch mit humanem Antlitz«; es ist eine kühle Schrift mit geometrischer Anmutung, die jedoch nicht konstruktivistisch daherkommt.

Eigentlich wollte Stötzner keine Endstrichlose entwerfen. Als er aber vor einigen Jahren an der HGB Leipzig einen Kurs im Schriftzeichnen gab, benötigte er dazu ein simples Muster der klassischen Capitalis. In Büchern wurde er nicht fündig, also zeichnete er die Vorlage kurzerhand selbst: in Illustrator entstanden Skelett-Lettern auf einem quadratischen 4×4-Raster. Mit Hilfe der Kontur-Nachzeichnen-Funktion ließen sie sich im Handumdrehen zu Outline-Glyphen umwandeln – so lag die Idee nahe, diese zu einem vollständigen Font auszuarbeiten. Mehrere Jahre vergingen, der Rohentwurf ging Stötzner jedoch nicht mehr aus dem Sinn. »Mache die Schrift!«, hörte er eine innere Stimme flüstern. Doch welche Formen könnten die Großbuchstaben ergänzen? Kapitälchen böten sich an, doch wäre die Schrift damit noch stets recht versallastig.

Der Blick auf ein anderes Projekt, die Antiqua-Großfamilie Andron, brachte den entscheidenden Impuls. Für Andron hatte Andreas Stötzner ein System entwickelt, das er ›trikamerales‹ oder ›dreihäusiges‹ Alphabet nennt: neben den Klein- und Großbuchstaben umfasst es eine dritte Größe; Mittelbuchstaben. Anders als Kapitälchen – verkleinerte Versalien – besitzt diese Zwischenstufe ganz eigenständige Formen. Sie leiten sich von der Unziale ab, einer Buchschrift, die ebenfalls römischen Ursprungs ist, aber mehrere Jahrhunderte nach der Capitalis entstand. Die Unziale weist bereits einige Unter- und Oberlängen auf und stellt schrifthistorisch die Übergangsform zur Minuskel dar. Das war die Lösung, nun nahm die Lapidaria Form an.

Lapidaria: Terzett

Für Freunde schnörkelloser Schriften wie Gill Sans oder Futura bietet die Lapidaria eine willkommene Alternative. In längeren Texten ergibt sie ein offenes, ruhiges Satzbild, ihre besondere Stärke bringt sie aber wohl eher im Akzidenz- und Auszeichnungssatz zur Geltung. Das schmale E und das breite M, das kreisrund wirkende O und das Q mit dem weit ausladenden Schweif, das aus zwei übereinandergeschobenen V zusammengesetzte W – in vielen Details wird die römische Herkunft offenbar. Zu den klassischen Versalien und den auf Form und Proportion der Renaissance-Antiqua basierenden Gemeinen gesellt sich die Unzialform, die in ihrer monolinearen, nicht vom Duktus der Breitfeder bestimmten Spielart wohl einzigartig ist. Harmonisch fügt sie sich in das System ein und komplettiert die Schriftfamilie zu einem vielseitig verwendbaren, zeitgenössischen Terzett. So eröffnen sich ganz neue, reizvolle Möglichkeiten für Titelgestaltung und Firmierungen.

Lapidaria: Anwendungen

Alle Schnitte enthalten die nötigen Zeichen für sämtliche europäischen, mit dem lateinischen Alphabet geschriebenen Sprachen; zusätzlich wird Griechisch unterstützt.
Lapidaria: Alternativformen

Lapidaria kann mit einer Reihe von Sonderzeichen und Alternativformen aufwarten. So gibt es beispielsweise Ligaturen für das im Niederländischen vorkommende ij/IJ. Auch an ein langes s inkl. entsprechender Ligaturen ist gedacht. Wenig überraschend ist die Existenz eines versalen Eszetts – war Andreas Stötzner doch, zusammen mit seiner Frau Uta, die treibende Kraft hinter der Aufnahme dieses Zeichens in den Unicode-Standard.

Lapidaria: Ornamente

10 stilistisch abgestimmte Ornamente erweitern die Palette der Lapidaria.

Die Familie besteht aus neun Fonts: drei Varianten (Maior, Medior, Minor – also Groß-, Mittel- und Kleinbuchstaben), jeweils in drei Strichstärken. Eine Kursive ist zunächst nicht geplant. Auch eine kräftigere, über die Semibold hinausgehende Strichstärke kann sich Stötzner nur schwerlich vorstellen – übermäßig fette Lettern gefallen dem Schriftgestalter nicht besonders.

Lapidaria: Stile

Drei mal drei macht neun: Lapidaria Maior (mit Kapitälchen), Medior (mit Unziale) und Minor (mit konventionellen Kleinbuchstaben), in Light, Regular und Semibold

Trotzdem gibt es bereits Ideen für einen möglichen Ausbau der Familie: eine zwischen der Regular und der Semibold angesiedelte Medium oder eine feine Thin könnten sinnvolle Erweiterungen darstellen. Am meisten angetan ist Stötzner aber von einer ganz anderen Richtung: zur Zeit lotet er das Potential von verzierten Initialen und Schwungvarianten aus.

Lapidaria: Initiale

Zukunftsmusik: Andreas Stötzner gewährt einen Einblick in seine Ornament-Studien.

Bis Ende Juni 2010 ist die Lapidaria zu einem um 10% ermäßigten Einführungspreis erhältlich. Um die Schrift ausprobieren zu können, steht mit der Medior Light ein Schnitt zum freien Download bereit.

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