MyFonts.de

Menü Twitter

MyFonts.de ist die deutschsprachige Dependence von MyFonts.com, der weltgrößten Bibliothek digitaler Schriften.

Schriften kaufen →

Matryoshka

Diese Schrift testen …


Eine der jüngsten Eruptionen der Karlsruher Volcano-Fontschmiede bringt uns die Matryoshka. Wie die gleichnamigen russischen Holzpuppen hat es dieses Schriftpaket in sich. Matryoshka besteht aus 7 Strichstärken, von XXS (mager­süchtig) bis XXL (adipös), die zu typografischen Verschachtelungen einladen. Dazu kommt ein Multi-Line-Stil, der in den Proportionen der XXL entspricht. Diese Variante heißt Matryoshka Pregnant – also schwanger; sie trägt alle anderen in sich. Stapelt man die 7 Strichstärken abwechselnd schwarz und weiß übereinander, wäre das Ergebnis identisch mit der Pregnant.


Die Pregnant gibt es als kostenlosen Probefont zum Ausprobieren. Ihre vielen konzentrischen Linien addieren sich zu einem schwindelerregenden Op-Art-Effekt. Manche Glyphen erinnern an Carrera-Rennbahnen. Auch Trikot­nummern, Lakritzschnecken oder das Logo der Olympischen Spiele in Mexiko von 1968 kommen einem in den Sinn. Einzelzeichen wie das Ÿ könnten in ihrer Abstraktheit als eines jener unfreiwillig komischen Piktogramm-Desaster durchgehen.


Prinzipiell lassen sich die Garnituren auch solo verwenden, insbesondere die feineren. Allerdings müssen dann Laufweite und Kerning kräftig angepasst werden. Denn die Zurichtung ist für alle Stile gleich – logisch, sonst würde das Baukastensystem nicht funktionieren. Während sich die fetten Lettern der XXL berühren, steht die spindeldürre XXS äußerst löchrig da.


Richtig Spaß macht die Matryoshka aber natürlich erst, wenn die verschiedenen Stärken kombiniert werden. Am einfachsten geht das, indem man zunächst einen Text in einem der fetteren Stile setzt. Dann wird der Text kopiert (⌘C) und an der selben Stelle eingefügt, so dass er passgenau darüber zu liegen kommt. In InDesign heißt dieser Befehl An Originalposition einfügen (⌥⇧⌘V), in Illustrator Davor einfügen (⌘F). Im zweiten Schritt wird dann der Kopie ein magererer Stil und eine andere Farbe zugewiesen. Für komplexere Kompositionen empfiehlt es sich, mit Ebenen zu arbeiten. In beiden Programmen lassen sich übrigens alle Objekte einer Ebene durch Klick mit der alt-Taste (⌥) auf den Ebenennamen auswählen, um etwa schnelle Farbänderungen vorzunehmen.


Der Zeichensatz umfasst keine Kleinbuchstaben. Auf deren Positionen finden sich Alternativformen, die runder (z.B. A, K, M, Y) oder schmaler (z.B. H, T, V, X, Z) gezeichnet sind, auf Kopfserifen verzichten (I, J) oder längere Ausläufe bzw. Querbalken aufweisen (z.B. E, F, G, L, S). Anstelle der mathematischen Größer-/Kleiner-Zeichen finden sich Pfeile – für diese Art von Displayschrift sicher die brauchbarere Wahl. Desweiteren ist von Akzentbuchstaben über diverse Satzzeichen bis hin zu Währungssymbolen alles Nötige enthalten. Etwas enttäuschend fällt das @-Zeichen aus: Es besteht einfach aus einem a neben einem t.


›Vater‹ der Matryoshka ist Peter Brugger, dessen erste Veröffentlichung bereits recht ausgefallen war: Gringo ist eine wilde Sippe bestehend aus Sans, Slab und Toscanienne, gepfeffert mit einem Satz Cowboy-Dingbats.

Wem das Spiel mit bunt-geschichteten Schriften gefällt, findet mit einer Suche nach dem Stichwort chromaticchroma ist das griechische Wort für Farbe – noch viele weitere mehrfarbige Font-Systeme; darunter schattierte Flieger-Versalien, verzierte Gotisch, geometrische Steckbau-Grotesk, gepinselte Filmposter-Skript und pompöse Zirkuslettern.

Verwandte Artikel

Archiv →
Show Tweets