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Ademo

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Innerhalb der bunten Berlin-Brandenburger Schriftszene zählt der Cottbuser Andreas Seidel nicht unbedingt zu den bekanntesten oder lautesten Figuren. Seine durchgehend hochklassigen Veröffentlichungen sprechen jedoch für sich. Im Programm seiner 1-Mann-Foundry ASType findet man sowohl sorgsam ausgearbeitete Revivals und Interpretationen historischer Vorlagen – wie etwa Toshna und Adana – als auch zeitgenössische Originalentwürfe, darunter die imposante Secca-Familie. Bei MyFonts waren insbesondere die Ornaments Accolades erfolgreich, eine ausgetüftelte Serie kalligrafischer Zierschwünge. Gemeinsam mit seinem Kollegen Ingo Preuß betreibt Seidel obendrein die German Type Foundry. Diese fungiert als Dienstleister für die Anfertigung bzw. Anpassung von Unternehmensschriften und ist zudem alleiniger Vertrieb für die Pro-Versionen der Brotschriften der beiden.

Anstelle von Kleinbuchstaben besitzt die Ademo einen zweiten Satz Versalien, die kleiner und etwas breiter gezeichnet sind. Auch Akzentbuchstaben, Ziffern, Interpunktions- und Währungszeichen sind enthalten.

Die jüngste Veröffentlichung aus dem Hause ASType ist eine versale Titelschrift namens Ademo. Dieses Set umfasst eine Reihe von Fonts, die dafür gemacht sind, mehrfarbig in Ebenen kombiniert zu werden. An einer solchen geschichteten Schrift hat sich Seidel schon zuvor versucht: Anfang letzten Jahres erschien Secca Saloon, eine gewitzte Variation seiner Grotesk im Zirkus-Stil. Ademo dagegen ist keine Weiterentwicklung eines eigenen Entwurfs, diesmal nahm sich Seidel einer historischen Vorlage an. »Die Originalschrift stammt von Carl Albert Fahrenwaldt, dem Schöpfer der Minister-Antiqua«, erläutert Seidel. »Die Schriftguß AG Dresden brachte zwei Displayschriften heraus, die auf der Minister aufbauten: zum einen die Symbol (1933), ein Satz waagrecht schraffierter Initialien, zum anderen die Prominent (1936), ein Alphabet gefüllter lichter Versalien. Die Schriften sind ja so gut wie unbekannt – die Schwierigkeit bestand darin, an ein vollständiges Muster der Schrift zu kommen. Da konnte mir Herr Reichardt vom Klingspor-Museum weiterhelfen. Ich habe die Schriften dann etwas modernisiert, ausgebaut und das Konzept weitergeführt.«

Die Ademo-Versalien sind mit Innenlinien und Schraffuren aufgehellt (daher auch der Sammelbegriff der »lichten« Schriften). Diese Technik der Ausschmückung geht auf den Kupferstich zurück und ist vereinzelt auch bei von Hand geschnittenen Bleisatzschriften zu finden. Die bekannteste überlebende Titelschrift dieser Art ist wohl die Chevalier, von der gleich mehrere digitale Versionen vorliegen. »Chevalier und Co. basieren aber auf Bodoni bzw. Didot«, so Seidel. »Es muss doch Alternativen zu solchen klassizistischen Schriften geben. Auf einer Mediäval-Antiqua aufbauende Karten- oder Displayschriften gibt es kaum als digitale Fonts.«

Drei Beispiele für die zahllosen Möglichkeiten: oben eine Komposition aus fünf einzeln eingefärbten Teilfonts, unten zwei Paarungen mit je 2 Farben/Ebenen

Was die Nachempfindung althergebrachter Ziertechniken anbelangt, lässt sich Ademo nicht lumpen: Sie bietet vier miteinander kompatible Füllungen, die über den Grundschnitt (»Black«) gelegt werden können. Zudem hält sie sechs weitere Füllstile bereit, welche Kombinationen aus zwei oder drei der Einzelfüllungen darstellen. Wird die richtige Reihenfolge eingehalten, lässt sich jeder Buchstabe in zwei, drei, vier oder gar fünf verschiedenen Tönen einfärben.

Das Prinzip der geschichteten Füllungen lässt an Erik van Bloklands Federal denken. Doch obwohl das System ähnlich ist, erzeugen die beiden Schriften völlig verschiedene Stimmungen. Die Federal, die lose auf den Lettern der Dollarnoten beruht, ist strukturell eine bodoniartige Plakatschrift. Mit ihren unregelmäßigen Schraffen wirkt sie spielerisch, ungeschliffen und ein wenig despektierlich: Fast könnte sie als Parodie auf Schriftstile des 19. Jahrhunderts durchgehen. Ademo ist da reiner. Man kann sie sich gut in Situationen vorstellen, die nach einem gewissen feierlichen Ernst verlangen. Wer mit ihr spielt, wird trotzdem seine helle Freude haben.

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