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Vtg Stencil US No.4 & Wood Bonnet Antique No.7

Diese Schrift testen …

Über Andreas Seidel hatten wir erst im Februar berichtet, als er seine Ademo vorstellte. Nun hat der jüngst nach Berlin gezogene Schriftgestalter nachgelegt, und zwar gleich doppelt: Auf seinem Label ASType veröffentlichte er zwei neue Display-Schriften. Die Wood Bonnet Antique No.7 ist eine schmale Egyptienne, die Vtg Stencil US No.4 eine fette serifenbetonte Schablonenschrift. Beiden gemein ist, dass sie auf historische Modelle aus dem 19. Jahrhundert zurückgehen.

Vorlage zur Vtg Stencil US No.4 ist eine Messing-Drehscheibe mit ausgesparten Zeichen, wie sie 1868 von Eugene L. Tarbox erfunden und patentiert wurde. Solche Scheiben waren in den USA um die Jahrhundertwende weit verbreitet. Sie wurden in großen Mengen gefertigt waren bis etwa 1920 im Handel.

Andreas Seidel übernahm die Zeichen direkt von einer alten Originalschablone der New York Stencil Works. Der Grundschnitt mit glatten, sauberen Konturen hält 297 Glyphen bereit: Versalien (inkl. Akzente), Ziffern, Satz- und Währungszeichen sowie eine Handvoll Ornamente. Der Paint-Schnitt mit seinen ausfransenden Kanten und der unregelmäßigen, wie gepinselt wirkenden Struktur umfasst dagegen nur jene Figuren, die tatsächlich auf der Scheibe zu finden sind. Dafür unterscheiden sich hier die über die Klein- und Großbuchstaben aufrufbaren Formen: Seidel hat zwei Schablonier-Ergebnisse digitalisiert, die wegen des zufälligen Farbauftrags in den Details leicht voneinander abweichen.

Wer genau hinschaut, sieht die feinen Unterschiede, die für ein glaubwürdig handgemachtes Schriftbild sorgen: Das jeweils erste und zweite ›A‹ in American bzw. ›I‹ in Industrial sind nicht identisch.

Authentizität ist Seidel äußerst wichtig: »Wer den historischen Zeitgeist – das Temporalkolorit – genau treffen will, sollte entweder echte Schablonen nehmen, oder aber diese digitalen Fonts. Sie haben eine stärkere grafische Präsenz als die meisten anderen der heute erhältlichen, oft schlecht nachgeahmten Stencilschriften.« Der Typedesigner hat eine ansehnliche Sammlung historischer Schablonen zusammengetragen. Er plant, davon noch die ein oder andere zu digitalisieren. Nach und nach will er eine ganze Stencil-Serie herauszubringen: industriell gefertigte und handgemachte Schablonen, französische, englische und amerikanische, Serifen- und Groteskstile …

Der Wood Bonnet Antique No.7 liegen die Holzlettern einer alten Schweizer Plakatschrift zugrunde. Dank einer Prägemarke lässt sie sich der Firma Ch. Bonnet & Co. zuordnen, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Genf aktiv war. Damals hatten Schriften noch keine speziellen Markennamen, sie hießen einfach »Roman« oder »Antique«. Wenn es mehrere gab, wurden sie durch Nummern unterschieden. Als Referenz an diese Konvention hat Seidel seiner Schrift die Nummer 7 mitgegeben – weil die Kegelhöhe etwa 7 cm beträgt.

Obwohl eine solche schmale Egyptienne recht typisch für die Zeit ist, fällt die Wood Bonnet Antique No.7 doch durch ihre eigentümlichen Details auf – man beachte die unterschiedlich geformten tropfenförmigen Abschlüsse oder die altmodischen Ziffern.

»Um die Formen der Holzbuchstaben in einen digitalen Font zu überführen und dabei den warmen Vintage-Charme zu erhalten, habe ich von Hand eine ganze Reihe von Abzügen angefertigt«, erzählt Seidel. »Diese Drucke wurden dann digitalisiert – wobei ich darauf achten musste, die Zahl der Punkte gering zu halten. Zu komplexe Outlines würden auch auf neuen Computern den Bildaufbau verlangsamen.«

Wood Bonnet Antique No.7 enthält für alle Buchstaben des lateinischen Alphabets bis zu fünf Varianten mit je leicht abweichendem Bild. So kann der ungleichmäßige Farbauftrag des Buchdrucks mit seinen zufälligen Abweichungen täuschend echt simuliert werden. Eine OpenType-Funktion sorgt dafür, dass die Wahlformen automatisch durchgewechselt werden. In der oben gezeigten Zeile gibt es gerade mal eine Glyphe, die doppelt vorkommt.

Andreas Seidel hat der Schrift diverse Ornamente hinzugefügt, so dass der Font insgesamt über 850 Einzelzeichen umfasst.

Auch kombiniert machen die Holzschrift Wood Bonnet Antique No.7 und die Schablonenschrift Vtg Stencil US No.4 eine gute Figur.

Bis 22. Juli sind die beiden Vintage-Schriften auf MyFonts zu einem vergünstigten Einführungspreis erhältlich. Übrigens, es gibt nicht nur neue Fonts zu vermelden, auch die Foundry-Website von Andreas Seidel wurde gerade runderneuert: astype.de erscheint jetzt in gepflegten Grautönen:

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