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Modular – mehr als die Summe ihrer Teile

Diese Schrift testen …

Modular Sans, Slab, Slab Bold

Letterwerk ist seit 2009 auf MyFonts dabei. Hinter dem in Berlin und Zürich beheimateten Designstudio stecken Fabian Widmer und Dominique Bößner. Nach einer DIN-artigen Stencilschrift mit abgerundeten Ecken und einer Groteskfamilie im Stil von 30er-Jahre-Beschriftungen hat Letterwerk jetzt eine neue Schrift veröffentlicht – einen typografischen Baukasten namens Modular.

Modular: Grundstile

Modular hat drei grundlegende Stile, Sans Roman (ohne Serifen), Slab Roman (mit Balkenserifen) und Slab Bold (fett). Jede dieser Unterfamilien besteht aus sieben Fonts, durchnummeriert von 0 bis 7.

Modular: Einzelstile

Das große und das kleine A in den sieben Stilen der Modular Sans Roman

Die eigentlichen Buchstaben sind in Stil 0 zu finden. Stil 1 fasst runde Formen in eckige Rahmungen ein. Die Dreiecke von Stil 2 akzentuieren alle Diagonalen. Mit Stil 3 können die Buchstabenzwischenräume – genauer gesagt die Vor- und Nachbreiten – gefärbt werden. Die Rechteckmuster der Stile 4 und 5 vervollständigen die Fläche des virtuellen Kegels in den Bereichen ohne Bild. Stil 6 schließlich füllt runde Innenformen mit Viertel-, Halb- und Vollkreisen.

Schichtet man die Stile 1 bis 6 übereinander, so bedecken sie in Summe die gleiche Fläche wie Stil 0 alleine – nur eben mit der Möglichkeit, einzeln eingefärbt zu werden.

Modular kombiniert

Weil das System so komplex und vielteilig ist, liefert Letterwerk gleich Automatisierungs-Makros mit, die das Setzen erleichtern: Das Modular-Paket (komplett aktuell für 75 Dollar bzw. rund 57 Euro) enthält neben den 3×7 Fonts auch Skripte für InDesign bzw. Aktionen für Illustrator (jeweils für Mac und Windows, kompatibel mit den Programmversionen CS3 bis einschließlich CS6).

Nachdem man den gewünschten Text in Stil 0 gesetzt hat, wird das Skript gestartet. Es erstellt 6 exakt übereinander positionierte Kopien des Textrahmens, weist jeweils einen der Einzelstile zu und vergibt unterschiedliche Farben. Der Ausgangsrahmen mit Stil 0 wird gelöscht, da er nicht mehr benötigt wird. Nun kann man kreativ werden und die Farbwerte variieren oder mit Transparenzen und Überlagerungseffekten spielen.

In diesem Film wird erklärt, wie man die Modular in Adobe InDesign verwendet. Auf letterwerk.ch gibt es weitere Video-Anleitungen für Illustrator und After Effects.

Fabian Widmer von Letterwerk hat uns ein paar Fragen beantwortet.

Fabian, die Modular ist ja ein aberwitziges Fontsystem! Wie bist Du denn darauf gekommen?

Mein Ziel war es, eine Layer-Schrift zu produzieren, die bei der Anwendung ein farbiges Muster entstehen lässt. Beim Experimentieren mit verschiedensten Formen kam mir die Idee, den Raum zwischen den Buchstaben zu füllen und die eigentlichen Buchstaben ausgespart zu lassen. Da ich zuvor noch nie eine solche »inverse« Layer-Schrift gesehen hatte, wollte ich wissen, ob das überhaupt funktionieren kann. Ich gestaltete Buchstabe um Buchstabe und merkte bald, dass sich die Schrift gut für farbige Muster eignet und auch als Headline-Schrift funktionieren würde. Entworfen habe ich übrigens zunächst in Illustrator, weil ich dort anders als in FontLab die Farb- und Formvielfalt sehen und steuern konnte.

Modular-Specimen 1

Mustertext: Die Summe der einzelnen Teile (Kante)

Die Grundbuchstaben der Sans erscheinen mit ihrer strengen Konstruktion wie eine dogmatische Futura – mit eine paar Gill-Sans-Einsprengseln bei ›M‹ oder ›g‹. Die Slab lässt an die Lubalin Graph denken.

Sicher, die Modular ist streng geometrisch. Mein Ausgangspunkt war das kleine ›o‹. Die gewählte Strichstärke und die kreisrunde Innenform des Buchstabens ließen bei der Anordnung der Elemente keinen großen Spielraum zu. Ich wollte mit möglichst wenigen geometrischen Grundformen ein lesbares und harmonisches Schriftbild schaffen. Bei den Slab-Schnitten kam ich mit nur 5 verschiedene Formen aus. Anfangs versuchte ich es auch mit nur einer Dreiecksart, einem rechtwinkligen Dreieck. Allerdings wären dann das ›A‹ oder das ›V‹ viel zu breit geworden. Beim Sans-Schnitt musste ich noch mehr variieren, um die gewünschte Harmonie im Schriftbild zu erreichen.

Modular-Specimen 2

Mustertext: Die Ebenen werden nicht vermischt (Einstürzende Neubauten)

Die Modular bietet schier endlose Kombinationsmöglichkeiten. Ist das nicht zu kompliziert in der Handhabung?

Nein, dafür haben wir ja extra die Skripte beigelegt, damit ist Stapeln und Einfärben kinderleicht. Es stimmt, die Besonderheit einer Layer-Schrift ist die immense Gestaltungsvielfalt. Bei der Modular kann der Anwender bereits innerhalb des Buchstabens gestalten, indem er die einzelnen Ebenen verschieden stark gewichtet (durch Deckkraft, Farbe und Helligkeit). Es werden also nicht »nur« die Größe und die Position der Zeichen zueinander ins Verhältnis gebracht, sondern auch die Gewichtung der einzelnen Formen/Ebenen untereinander. So kann zum Beispiel durch Betonung der Dreiecke eine spitzige Charakteristik oder durch Hervorhebung der Kreise eine runde Charakteristik erzielt werden.

Fabian, herzlichen Dank und alles Gute!

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