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FF Hertz

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Der Berliner Designer Jens Kutílek ist seit bald einem Jahrzehnt als Font-Engineer mitverantwortlich für die hohe Qualität der FontFonts. Letztes Jahr veröffentlichte er nun seinen ersten eigenen Schriftentwurf unter dem berühmten Label mit dem Doppel-F. Die laufweitengleiche Familie heißt FF Hertz. Im Namen steckt nicht nur der Entdecker der elektromagnetischen Wellen, sondern auch eine kleine Anspielung auf Hermann Zapf (HZ). Denn die rund-eckigen Buchstaben verweisen sichtlich auf dessen Melior (1952). Zudem flossen Erfahrungen aus einer Probedigitalisierung der vergessenen Zapf-Schrift Mergenthaler Antiqua (1954) ein, die zur klassizistischen Unterkategorie der Zeitungsschriften zählt. Weitere Einflüsse stammen von einer Kursivschrift für Landkarten und einer alten Schreibmaschinenschrift, die bei den eigenwilligen Mediävalziffern Pate stand.

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Schriftmuster Melior 10pt, aus Melior, D. Stempel AG

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Schriftmuster Mergenthaler Antiqua 9pt, aus Linotype-Schriften, 1969. Zu diesen und weiteren Einflüssen siehe auch David Sudweeks’ Interview mit Jens Kutílek für FontShop.

Die FF Hertz verleiht Texten in Lesegraden einen überaus gleichmäßigen Grauwert, bedingt durch die großzügige Weißraumverteilung in und zwischen den Buchstaben, sowie durch kontrastarme Formen. Die Antiqua ist sehr präzise gezeichnet, mit scharfen Serifen ohne Kehlung. Buchstaben mit Bögen wie a, c, f, j und r besitzen tropfenartige Serifen. Im Vergleich zu Zeitungsschriften wie Century oder Excelsior wirkt die FF Hertz weniger organisch. Aufgrund der formalen Nähe schwingt eine leichte anglo­amerikanische Anmutung mit. Das Schriftbild ist nüchtern, zurückhaltend und wirkt in größeren Schriftgraden sehr luftig und etwas unterkühlt.

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Die FF Hertz ist mit 12 Schnitten sehr gut ausgebaut und fühlt sich überall dort wohl, wo informierendes Lesen gefragt ist. Eine praktische Eigenschaft ist das laufweitengleiche Design aller Strichstärken und die feinen Abstufungen der Schnitte, insbesondere zwischen Light, Regular und Book. Man kann das Textbild gezielt an Papier- und Druckbedingungen anpassen, ohne den Grauwert allzu stark zu verändern.

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Die Laufweite bleibt beim Wechsel der Schnitte erhalten, weshalb es zu keinen Umbruch­änderungen kommt. Das ist von Vorteil, wenn man etwa spät im Prozess von der Book zur Medium wechseln muss. Auch online ergeben sich spezielle Möglichkeiten. So können z.B. Links beim Überfahren fett hervorgehoben werden, ohne dass der ganze Text springt.

Durch die robuste Zeichnung eignet sich die FF Hertz zudem gut für Texte in digitalen Medien, beispielsweise für das E-Ink-Display. Besonders reizvoll sind die vielfältigen Möglichkeiten bei der Textdifferenzierung. Integrierte Hervorhebungen im Text werden durch die etwas schmaler gehaltene Kursive betont. Neben herkömmlichen Kapitälchen – Small Caps – bietet die Schrift ein besonderes Schmankerl: Petite Caps. Diese sind nur einen Hauch höher als die x-Höhe der Kleinbuchstaben und eignen sich gut für Titelsatz oder bei Abkürzungen im Versalsatz.

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Petite Caps sind kleiner als Small Caps, aber etwas höher als die x-Höhe. Sie stehen deshalb optisch stabil im Fließtext.

Ein Blick in den Zeichenkoffer lässt das Typografen-Her(t)z höher schlagen – in der Pro-Ausführung zählt er 1063 Glyphen bei den geraden Schnitten und 829 Glyphen bei den kursiven Schnitten (Small und Petite Caps fehlen in den letzteren). Jeder Font beinhaltet Mediävalziffern und Versalziffern in proportionaler und gleichbreiter Ausführung, Bruchziffern, Ziffern für die wissenschaftliche Hoch- und Tiefstellung, sowie Ziffern in Klammern und Kreisen. Über die Glyphenpalette oder das OpenType-Menü Formsatz werden alternative Buchstaben und Ziffern ausgewählt. Unter der Rubrik Ornamente findet man Figuren aus der Kartographie. Ein Set unter­schiedlicher Pfeile rundet die Palette ab.

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Besonders gut ausgebaut sind die Ziffernsets. Kritikwürdig sind die eigenwilligen Mediävalziffern, weil sie im Fließtext besonders auffallen.

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Die FF Hertz bietet mehrere alternative Glyphen. Hier werden die Einflüsse der Melior (rechtwinklige Serifen) und der Mergenthaler Antiqua (stärker gekehlte und eingekerbte Serifen) gut sichtbar. Die eigenwillige Wahlform für das kursive w lässt sich als Referenz an Kartenschriften als auch an das Werk Hermann Zapfs lesen. Zapf hatte eine solche Form u.a. in der Comenius, der URW Antiqua und der ersten Version der Melior verwendet.

Die FF Hertz ist ein echtes Arbeitstier, das sich flexibel dem Ausgabe-Medium anpassen lässt. Sie bietet viele Möglichkeiten für reizvolle Textdifferenzierungen. Wegen des laufweitengleichen Designs kann man komfortabel Schriftschnitte wechseln, ohne dass sich der Umbruch ändert.

Die Schrift kann in zwei Ausführungen lizenziert werden: Die Pro-Version zeichnet sich durch einen größeren Zeichensatz aus und unterstützt Türkisch sowie baltische und mittel- und osteuropäische Sprachen, darunter Polnisch, Tschechisch und Rumänisch. Wer darauf verzichten kann, fährt mit der OT-Version etwas günstiger. Von beiden Ausführungen sind neben Einzelstilen auch Sparpakete mit 6 Stilen (3 Strichstärken in aufrecht und kursiv) sowie die komplette Familie (»Collection«) mit allen 12 Stilen erhältlich.

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