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	<title>MyFonts.de &#187; Creative Characters</title>
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	<description>Die deutsche Dependance von MyFonts.com</description>
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		<title>Creative Characters: Melle Diete</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Dec 2011 10:56:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan Middendorp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Creative Characters]]></category>

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		<description><![CDATA[Creative Characters ist MyFonts’ beliebte Reihe monatlicher Interviews mit herausragenden Schriftgestaltern. Zum vierten Mal erscheint eine deutschsprachige Version: diesen Monat präsentieren wir Melle Diete. Foto: Christoph Bartholomäus Ihre Schrift Mary Read war eine von Typographicas Favorite Typefaces Of 2008; in den drei Jahren seit diesem ersten Erfolg hat sie weitere Schriften veröffentlicht, die gleichzeitig witzig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://new.myfonts.com/newsletters/cc/?refby=mfde"><em>Creative Characters</em></a> ist MyFonts’ beliebte Reihe monatlicher Interviews mit herausragenden Schriftgestaltern. Zum vierten Mal erscheint eine <a href="http://www.myfonts.de/category/creative-characters/">deutschsprachige Version</a>: diesen Monat präsentieren wir Melle Diete.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-2184" title="Melle Diete Porträt" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/12/mfd_Melle.png" alt="" width="504" height="336" /></p>
<p class="caption" style="text-align: right;">Foto: Christoph Bartholomäus</p>
<p><em>Ihre Schrift Mary Read war eine von Typographicas <a href="http://www.myfonts.de/2009/05/typographica-2009/">Favorite Typefaces Of 2008</a>; in den drei Jahren seit diesem ersten Erfolg hat sie weitere Schriften veröffentlicht, die gleichzeitig witzig und brauchbar sind. Darüber hinaus ist sie eine talentierte Illustratorin und arbeitet außerdem als Schriftgestalterin für LucasFonts, dem Berliner Studio von Luc(as) de Groot. Nach einer Reihe von Schriften, die eine schöne Mischung aus frivol und gut gemacht darstellen, brachte sie vor kurzem die klare, robuste Gingar-Familie heraus, die in den letzten Wochen langsam aber sicher unsere Liste der <a href="http://new.myfonts.com/hotnewfonts/?refby=mfde">Hot New Fonts</a> erklimmt. Dürfen wir vorstellen: <a href="http://new.myfonts.com/foundry/Melle_Diete/?refby=mfde">Melle Diete</a> aus Berlin. Erfrischend anders.</em></p>
<p class="caption"><a href="http://new.myfonts.com/newsletters/cc/201112.html?refby=mfde">English version | Zur englischen Version …</a></p>
<p><span id="more-2173"></span></p>
<p><strong>Du hast in Potsdam Visuelle Kommunikation studiert. Was hast Du Dir erhofft, dort zu lernen? Und hast Du gefunden, was Du suchtest?</strong></p>
<p>Vor dem Studium habe ich in einer kleinen Kreativagentur als Mediengestalterin gearbeitet. Typografie war mein Steckenpferd. Die Arbeit dort war sehr angenehm, ich hatte sehr tolle Kollegen und war mit den typografischen Aufgaben in der Agentur betraut. Doch nach ein paar Jahren hatte ich das Gefühl, ich müsste mich mal wieder weiterentwickeln, der Kokon war zu eng geworden. Also habe ich mich für das Designstudium an der <a href="http://design.fh-potsdam.de/"><span class="caps">FH</span> Potsdam</a> eingeschrieben – und tatsächlich gelang es den Professoren und Professorinnen dort, mich aufzubrechen. Ganz neue, kreative Welten eröffneten sich: <em>back to the roots</em> – zurück zu Stift, Pinsel, Kreide usw.</p>
<p><strong>Seit Deinem Abschluss hast Du in kurzer Zeit mehrere beachtliche Schriften veröffentlicht. Gleichzeitig bist Du aber auch eine Illustratorin mit einem ganz eigenen Stil. Was kam zuerst, und wie bist Du vom einen zum anderen gelangt?</strong></p>
<p>Eigentlich kam die Illustration zuerst. Ich zeichnete Menschen, Situationen und Träume – und irgendwann auch Buchstaben. Und aus diesen machte ich dann ganze Alphabete. Ich brauchte genau ein Jahr, bevor ich mich traute, den Typedesign-Kurs von <a href="http://design.fh-potsdam.de/fachbereich/personen/portrait/groot-prof-lucas-de.html">Luc(as) de Groot</a> zu besuchen. Um mich zu qualifizieren, entwickelte ich im Vorfeld eine eigene Schrift, die <a href="http://new.myfonts.com/fonts/mellediete/mortelle/?refby=mfde">Mortelle</a>. Im Laufe des Kurses hab ich dann gleich drei Schriften gemacht, statt nur der einen geforderten. Ja, ja, ich war sehr eifrig …</p>
<p><img src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/12/melle-gouache-504x211.png" alt="" title="melle-gouache" width="504" height="211" class="aligncenter size-medium wp-image-2191" /></p>
<p class="caption">Drei Gouache-Zeichnungen von Melle Diete: <em>Bird, See</em> und <em>The Big L</em>.</p>
<p><strong>Als freie Mitarbeiterin von LucasFonts arbeitest Du jetzt regelmäßig mit Deinem ehemaligen Professor Luc(as) de Groot zusammen. Was sind die wichtigsten Dinge, die Du von ihm gelernt hast, und was macht es für Dich interessant, dort zu arbeiten?</strong></p>
<p>Luc hat mich von Anfang an begleitet, er war sogar schon in meiner Eignungsprüfung. Von ihm habe ich im Laufe meines Studiums unglaublich viel gelernt, ich danke ihm sehr dafür. Er hat mich mit den Lehren von <a href="http://www.letterror.com/noordzij/">Gerrit Noordzij</a> und <a href="http://new.myfonts.com/person/Rosemary_Sassoon/?refby=mfde">Rosemary Sassoon</a> bekannt gemacht. Er half mir, mein Auge zu schulen und Buchstabenformen nach der holländischen Art zu analysieren. Auch heute habe ich noch nicht ausgelernt – es ist eine ewige Reise.</p>
<p>Besonders interessant an der Arbeit bei <a href="http://new.myfonts.com/foundry/LucasFonts/?refby=mfde">LucasFonts</a> ist der Austausch. Einerseits mit Luc(as): Manchmal spielen wir eine Art Ping Pong und wechseln uns ab. Andererseits mit meinen lieben Kollegen, <a href="http://new.myfonts.com/foundry/Jan_Fromm/?refby=mfde">Jan Fromm</a>, <a href="http://new.myfonts.com/person/Elena_Albertoni/?refby=mfde">Elena Albertoni</a> und <a href="http://www.marmouzet.net/">Sylvain Mazas</a>. Wir zeigen uns neue Arbeiten und beraten uns. Aber auch die Art der Jobs ist interessant. Eine Zeit lang habe ich an der Logoschrift für die Taz gearbeitet und neulich hab ich Obst- und Gemüsesymbole für Miele mitgestaltet. Das war sehr angenehm, weil ich neben den Kurven für Buchstaben auch mal meine illustrative Ader einbringen konnte.</p>
<p><img src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/12/melle_2012-504x237.png" alt="" title="Kalender 2012" width="504" height="237" class="aligncenter size-medium wp-image-2198" /></p>
<p class="caption">Drei Seiten aus Melle Dietes Kalender für 2012.</p>
<p><strong>Lass mich auf die erwähnte holländische Art des Schriften-Analysierens zurückkommen. Diese »holländische Art« ist fast zu einer Art Mythos geworden. Viele haben keine Ahnung, um was es dabei eigentlich geht. Kannst Du darauf etwas ausführlicher eingehen?</strong></p>
<p>Die Niederländer sind ganz allgemein betrachtet erstmal sehr weit, was das Verständnis um die Notwendigkeit von Grafikdesign betrifft. Wenn man durch die Niederlande fährt, sieht man kaum so etwas wie eine schlechte Beschriftung, nahezu alles ist durchgestaltet – sehr angenehm. Und in dieser Designlandschaft spielen Schriften natürlich eine ganz besondere Rolle. Daneben sind die Niederländer recht weltoffen. Bei LucasFonts im Büro spiegelt sich diese Internationalität wieder: Es gibt eine Italienerin, einen Franzosen, einen Russen, einen Estländer, eine Argentinierin und drei Deutsche. Mit Buchstaben und Kurven werden hier sozusagen Sprachen miteinander verbunden.</p>
<p>Doch um die Frage ganz genau zu beantworten, komme ich auf die Art zu sprechen, wie Schriften klassifiziert werden. Eigentlich unterteilt man Schriften in viele verschiedene Kategorien, die mit Stil und Merkmalen der jeweiligen Zeit zu tun haben, in der sie entstanden sind: <a href="http://new.myfonts.com/search/tag%3Agaralde/fonts/?refby=mfde">humanistische Antiqua</a>, <a href="http://new.myfonts.com/search/tag%3Adidone/fonts/?refby=mfde">klassizistische Antiqua</a> usw. Luc hat bei mir mit dieser herkömmlichen Formengeschichte aufgeräumt, von dem Prinzip ausgehend, das sein Lehrer <a href="http://books.google.de/books?id=sR9g5xPPJVQC&amp;hl=de&amp;pg=PA152#v=onepage&amp;q&amp;f=false">Gerrit Noordzij</a> ersonnen hat. Sämtliche Schriftarten werden ausschließlich nach ihrer <a href="http://www.typedu.org/dynamic/lessons/article/contrast/">Kontrastart</a> unterschieden: Expansion (basierend auf der Spitzfeder) oder Translation (der Breitfeder). Damit lässt sich eigentlich alles problemlos einordnen. Das ist sehr praktisch und, in der Weise, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, erscheint es mir als typisch holländisch.</p>
<p><strong>Was magst Du an den Schriften von Luc(as) besonders?</strong></p>
<p>Sie sind formvollendet, die Kurven sitzen perfekt. Auf die Einheit genau. Außerdem sind die Fonts sehr gut produziert. Eigentlich gibt es so etwas wie eine perfekte Schrift nicht, es gibt immer noch etwas zu verbessern. Doch <a href="http://new.myfonts.com/person/Lucas_de_Groot/?refby=mfde">die von Luc(as)</a> sind sehr, sehr nah dran. Außerdem mag ich die feminine Seite an ihnen und natürlich den typischen d-Bogen. Lovely.</p>
<p><img src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/12/mfd_maryread.png" alt="" title="Mary Read" width="504" height="252" class="aligncenter size-full wp-image-2190" /></p>
<p class="caption">Die neue Version von Mary Read heißt <a href="http://new.myfonts.com/fonts/mellediete/mary-read-italic/?refby=mfde">Mary Read Italic</a>, hat aber die gleichen Grundformen der <a href="http://new.myfonts.com/fonts/mellediete/mary-read/?refby=mfde">Original-Mary</a>. Nur die Versalien sind neu und Melle hat mehr Strichstärken und schnörkelige Wahlformen hinzugefügt.</p>
<p><strong>Als Du Dich mehr auf Schriftgestaltung konzentriert hast, hast Du in diesem Bereich bestimmt auch Helden oder Vorbilder gefunden. Wen bewunderst Du?</strong></p>
<p><a href="http://new.myfonts.com/foundry/Emigre/?refby=mfde">Emigre</a> und <a href="http://new.myfonts.com/foundry/Underware/?refby=mfde">Underware</a> sind meine absoluten Helden. Ich liebe die jüngeren Sachen von <a href="http://new.myfonts.com/person/Zuzana_Licko/?sort=new&refby=mfde">Zuzana Licko</a>, <a href="http://new.myfonts.com/fonts/emigre/filosofia-ot/?refby=mfde">Filosofia</a> ist mir heilig. Und bei Underware sind neben ihren Fonts ihre <a href="http://www.typeworkshop.com/">Workshops</a> sehr spannend, da entstehen immer tolle Dinge. Pioniere im Typedesign! Sie schaffen es, ganze Klassen mitzureißen und zu begeistern. Was mich an ihren Workshops fasziniert, ist die Kombination von Alltag und Schrift. Dort werden Buchstaben aus Büchern und Einkaufswägen gebaut oder mit Schattenwürfen gemacht. Anschließend werden sie dann auf höchstem Niveau digitalisiert – berauschend. Besonders spannend an Underware finde ich das Teamwork, welches es erst ermöglicht, solche wahnsinnig tollen Schriften zu schaffen.</p>
<p><img src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/12/AnneBonny-weights1.png" alt="" title="AnneBonny-weights" width="504" height="550" class="aligncenter size-full wp-image-2204" /></p>
<p><strong>Vor einigen Monaten präsentierten zwei Berliner Designerinnen, die beide in Potsdam studiert haben, am selben Tag ihre phantasiereichen, von Bodoni inspirierten Schriften auf MyFonts: Du Deine Anne Bonny, Ulrike Wilhelm ihre LiebeDoni. Warst Du überrascht? Meinst Du, es gibt eine gewisse Logik hinter dieser gemeinsamen Inspirationsquelle?</strong></p>
<p>Das war tatsächlich ein große Überraschung. Doch andererseits: Sowas passiert ganz einfach und eigentlich wundert es mich auch nicht. Ich habe mehrere Jahre intensiv an der <a href="http://new.myfonts.com/fonts/mellediete/anne-bonny/?refby=mfde">Anne Bonny</a> gearbeitet und kreative Gedanken in den Äther fließen lassen. <a href="http://new.myfonts.com/person/Ulrike_Wilhelm/?refby=mfde">Ulrike Wilhelm</a> hat das Gleiche mit ihrer <a href="http://new.myfonts.com/fonts/liebe-fonts/liebe-doni/?refby=mfde">LiebeDoni</a> getan. Ich glaube an die geistige Welt, an Energien, das Unsichtbare. Auch wenn wir nicht aus der gleichen Stadt kommen würden, hätte das passieren können – Über­schneidungen im Äther. Und ich behaupte, dass <a href="http://new.myfonts.com/person/Giambattista_Bodoni/?refby=mfde">Bodoni</a> ein großes Vorbild für quasi jeden Schriftgestalter ist. Ist halt zum Klassiker avanciert. Es liegt also besonders nahe, damit etwas Neues zu probieren. Und man wird feststellen, dass beide Arbeiten doch sehr unterschiedlich aufgefasst und umgesetzt wurden. Mein Interpretation ist etwas schmaler ausgefallen. Bei ihr gibt es noch eine lichte Variante – ich mag die verspielte Leichtigkeit der LiebeDoni. Ich bin schon auf Ulrikes nächstes Projekt gespannt.</p>
<p><strong>Es gibt Schriftgestalter, die nur Fonts machen mit sauberen, klaren Linien; andere sind auf Schriften spezialisiert, die spontan und handgemacht aussehen. Du machst beides. Braucht man zum Gestalten einer Schrift wie der Gingar eine andere, erwachsenere Einstellung oder Geisteshaltung als für die Mary Read?</strong></p>
<p><a href="http://new.myfonts.com/fonts/mellediete/mary-read/?refby=mfde">Mary Read</a> war eine meiner ersten Schriften. Damals war ich noch ganz frisch im Typedesign unterwegs, ungezügelt, sehr frei und vielleicht ein bisschen naiv, was nicht negativ gemeint ist. Mary Read ist meine junge Wilde. <a href="http://new.myfonts.com/fonts/mellediete/gingar/?refby=mfde">Gingar</a>, mein neues Baby, trägt dagegen die Erfahrung von nun acht Jahren Typedesign in sich. Ich hab viel gelernt in dieser Zeit. Und ja, es braucht ein gewisses Maß an Erfahrung, um eine Schrift wie die Gingar zu entwickeln. Bei dieser Schrift hat mich was ganz Neues gereizt: Ich wollte ausprobieren, wie groß die Spannweite zwischen einer Extralight und einer Ultrablack sein kann. Kontrast mal auf eine ganz andere Weise angehen. Das Weibliche und das Männliche vereinen. Die Gingar wird übrigens Teil eines Vortrags sein, zu dem mich die <a href="http://www.tgm-online.de/">Typographische Gesellschaft München</a> eingeladen hat.</p>
<p><img src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/12/Gingar_blau_504.png" alt="" title="Gingar weights" width="504" height="252" class="aligncenter size-full wp-image-2189" /></p>
<p class="caption">Die frisch erschienene <a href="http://new.myfonts.com/fonts/mellediete/gingar/?refby=mfde">Gingar</a>: eine klare Egyptienne-Variante in einer extremen Bandbreite von Strichstärken, von federleicht bis elefantös.</p>
<p><strong>Eine Deiner aufwändigsten Veröffentlichungen ist die Schreibschrift Fidelia. Wie ist sie zustande gekommen?</strong></p>
<p>An der <a href="http://new.myfonts.com/fonts/mellediete/fidelia-script/?refby=mfde">Fidelia Script</a> habe ich fünf Jahre gearbeitet. Sie entstand, wie fast alle meine Schriften, im Skizzenbuch mit schwarzem Fineliner. Meine Hauptabsicht bestand darin, viel Schwung und Lebendigkeit in die Kurven zu bringen. Und sie sollte eine Spielwiese bieten, mit vielen typografischen Features. Es steckt viel Liebe zum Detail drin, was man auch an den zahlreichen Ornamenten erkennen kann. Eine passende Antiqua dazu ist in Arbeit.</p>
<p><img src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/12/Fidelia2.png" alt="" title="Fidelia" width="504" height="592" class="aligncenter size-full wp-image-2206" /></p>
<p class="caption">Fidelia, Melle Dietes flamboyante Kursive, bekommt bald einen Tanzpartner: Die aufrechte Antiqua ist schon in Arbeit.</p>
<p><strong>Als freie Illustratorin warst Du bereits für verschiedene Auftraggeber tätig. Was für Aufgaben hattest Du in der letzten Zeit, neben Deiner Arbeit für LucasFonts und Deinen eigenen Schriften?</strong></p>
<p>Meine letzte Arbeit war für Scholz &amp; Friends, Berlin. Sie brauchten neue Et-Zeichen (&amp;) für die kursiven Schnitte der <a href="http://myfonts.us/td-HNKbXq"><span class="caps">ITC</span> Legacy</a>. Die vorhandenen waren ihnen zu illustrativ. Außerdem habe ich gerade Illustrationen für eine Filmtitelsequenz erstellt, im Auftrag von <span class="caps">PAQT</span>, Berlin.</p>
<p><strong>Du lebst und arbeitest in Berlin, momentan wahrscheinlich europaweit die Stadt mit den meisten aktiven Schriftgestaltern pro Kopf. Es gibt eine aktive Szene, Kongresse, einen Typostammtisch. Ist es wichtig für Dich, daran teilnehmen zu können? Ist diese Typowelt für Dich überhaupt stimulierend?</strong></p>
<p>Ich schätze diese Typowelt und nehme sie auch gelegentlich wahr, aber wirkliche Inspiration ziehe ich aus meinem Alltag und den kleinen Dingen um mich herum. Der Alltag kann ziemlich bunt sein in Berlin. Inspirationsquelle ist es für mich, durch die Straßen zu ziehen oder im Café zu sitzen, mit dem Skizzenbuch in der einen Hand, den Milchkaffee in der anderen. Ich mag Hintergrundgeräusche, die haben etwas Beruhigendes. Und ich mag die emsige Geschäftigkeit von Menschen. Ab und zu lerne ich Leute kennen, die ebenso am Fenster des Cafés sitzen und skizzieren, das verbindet und ist sehr spannend. Denn es gibt viele Kreative in Berlin, und es ist immer wieder schön zu sehen, was manche so auf die Beine stellen. Austausch begünstigt Wachstum. Viele Freunde von mir haben Gleiches oder Ähnliches studiert, auch hier finden regelmäßige Updates statt. Oder mehr: Eine Freundin und liebe Kollegin von mir, Antonia Offizier Pereira, wohnt im gleichen Haus wie ich. Wir haben einen besonders schönen kreativen Alltag zusammen und rockten schon so manchen Job. Sie ist eher auf Plakate spezialisiert und freut sich natürlich immer, wenn sie als erste meine neuen Schriften probieren kann. Wir leben in so einer Art Hausgemeinschaft in Schöneberg, alle kennen sich, wir kochen zusammen, sitzen in unserem Garten: Musiker, Schauspieler, Designer, Sportler usw.</p>
<p>Ich finde übrigens, dass es bei MyFonts eine Sparte für jede Schrift geben müsste, in der die Leute eigene Arbeiten mit den Schriften hochladen könnten. Mich würde zum Beispiel brennend interessieren, was jemand in Japan mit Schriften wie <a href="http://new.myfonts.com/fonts/mellediete/mary-read-italic/?refby=mfde">Mary Read</a> oder <a href="http://new.myfonts.com/fonts/mellediete/anne-bonny/?refby=mfde">Anne Bonny</a> gestaltet. Aber auch die anderen Länder sind spannend. Ich liebe es zu reisen, und so tun es auch meine Schriften.</p>
<p><strong>Schrift machen ist in den letzten Jahren eine sehr beliebte Aktivität geworden: Tausende von jungen Leuten präsentieren auf Blogs und Websites ihre neuen Fonts, Schriftzüge und Buchstabenbilder. Was hältst Du von dieser Entwicklung: spannend, oder des Guten zuviel?</strong></p>
<p>Allgemein gesagt finden ich eine gute Ausbildung immer wichtig, egal in welchem Beruf, ebenso wie eine Leidenschaft für das, was man tut. Man erkennt da schon Qualitätsunterschiede. Ich kann den Wettbewerb, die Kreativität und das Interesse für diesen doch oftmals unterschätzten Berufszweig grundsätzlich nur willkommen heißen, ich freue mich über Dich diese gesteigerte Aufmerksamkeit. Allerdings gehört zum langfristigen Erfolg und Bestehen auf dem Markt viel Schweiß, ein tadelloses Handwerk sowie eine gute Portion Professionalität – das sind letztlich die entscheidenden Erfolgsfaktoren.</p>
<p><strong>Es gibt in der Grafikwelt viele talentierte Leute wie du, die irgendwie von Schriftvirus befallen sind, die aber noch nichts veröffentlicht haben (und die sich vielleicht gerade fragen, ob sie sich spezialisieren sollten). Was würdest du ihnen raten?</strong></p>
<p>Ich habe auch eine Freundin, die wahnsinnig tolle Schriften macht, die bisher aber noch nicht veröffentlicht wurden. Leider. Es liegt daran, dass das Schriftenmachen sehr viel Zeit schluckt und der Anspruch natürlich hoch ist. Ausdauer ist da wichtig. Was rate ich? Weiter machen!</p>
<p><img src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/12/maryread-plexi-504x346.png" alt="" title="maryread-plexi" width="504" height="346" class="aligncenter size-medium wp-image-2196" /></p>
<p class="caption">Mehrere Melle-Diete-Schriften wurden vom Berliner Kollektiv <a href="http://lettersaremyfriends.com/">Letters Are My Friends</a> als Plexiglas-Deko-Alphabete produziert.</p>
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		<title>Creative Characters: Ludwig Übele</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Jul 2011 17:12:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan Middendorp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Creative Characters]]></category>
		<category><![CDATA[Empfehlungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Creative Characters ist MyFonts’ beliebte Reihe monatlicher Interviews mit herausragenden Schriftgestaltern. Zum dritten Mal erscheint eine deutschsprachige Version: diesen Monat präsentieren wir Ludwig Übele. Viele Leser der Serie zeigen sich erstaunt, wie unterschiedlich all diese Designer doch sind. Auch unser aktueller Gesprächspartner geht seinen ganz eigenen Weg. In einer Zeit, in der pragmatische Groteskfonts und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://new.myfonts.com/newsletters/cc/?refby=mfde"><em>Creative Characters</em></a> ist MyFonts’ beliebte Reihe monatlicher Interviews mit herausragenden Schriftgestaltern. Zum <a href="http://www.myfonts.de/category/creative-characters/">dritten Mal</a> erscheint eine deutschsprachige Version: diesen Monat präsentieren wir Ludwig Übele.<br />
<img class="alignnone size-full wp-image-1888" title="Ludwig" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/07/Ludwig.jpg" alt="" width="504" height="391" /></p>
<p><em>Viele Leser der Serie zeigen sich erstaunt, wie unterschiedlich <a href="http://www.amazon.de/Creative-Characters-Interviews-Font-Designers/dp/9063692242/ref=nosim?tag=myfode-21">all diese Designer</a> doch sind. Auch unser aktueller Gesprächspartner geht seinen ganz eigenen Weg. In einer Zeit, in der pragmatische Groteskfonts und pompöse Schreibschriften Hochkonjunktur haben, zieht er es vor, ausgefallene Textschrift-Familien zu entwerfen: raffiniert im Detail, ruhig und angenehm lesbar in kleinen Größen. Bei aller Hingabe zu fantasievollen Feinheiten verliert der Designer nie das große Ganze aus den Augen – Texte lesbar darbieten und sie gleichzeitig mit einer besonderen Stimme ausstatten. Wenn man dann noch seine ausgesprochen originellen Displayschriften sieht, steht fest: <a href="http://new.myfonts.com/person/Ludwig_%C3%9Cbele/?refby=mfde">Ludwig Übele</a> ist ein typografischer Tausendsassa.</em></p>
<p class="caption"><a href="http://new.myfonts.com/newsletters/cc/201107.html?refby=mfde">English version | Zur englischen Version …</a></p>
<p><span id="more-1879"></span></p>
<p><strong>Ludwig, Du hast nach Deinem Studium in mehreren Designagenturen gearbeitet. War das für Dich befriedigend? Wie bist Du zur Spezialisierung auf Schrift gekommen?</strong></p>
<p>Schon während meines Grafik-Design-Studiums an der <a href="http://www2.hs-augsburg.de/gestaltung/">Augsburger Hochschule</a> habe ich mich in erster Linie für Schrift und Typografie interessiert. Ich hatte immer das Gefühl, dass Schrift mehr Substanz bietet, weil sie solch ein wesentlicher Bestandteil unserer Kultur ist, mit einer jahrtausendelangen Geschichte. Und obwohl jeder ständig und überall Schrift benutzt, beschäftigt sich doch kaum jemand bewusst mit der Form von Schrift an sich. Mir hat auch die Beschränkung auf einfache Formen gefallen: Schwarz und Weiß, Form und Gegenform. Vor allem während meiner Arbeit in Agenturen habe ich gemerkt, dass mich die Jobs, die wesentlich mit Typografie und Schrift zu tun hatten, am meisten interessierten.</p>
<p><strong>Du hast Dich dann entschieden, in Den Haag den berühmten <a href="http://new.typemedia.org/">Typedesign-Kurs</a> der <span class="caps">KABK</span> zu machen. Ist das eine wichtige Entscheidung gewesen? Wie hat der Unterricht dort Deine Herangehensweise beeinflusst? Hat sie auch Deinen Stil geprägt?<br />
</strong></p>
<p>Den Haag war eine sehr wichtige Wende in meinem Berufsleben. Ich konnte mich erst nach dem Kurs voll und ganz auf Schrift konzentrieren. Es war eine sehr fruchtbare Zeit, in der ich unheimlich viel über Schriftentwurf gelernt habe. Zum Beispiel eine Schrift als Ganzes zu sehen und am ganzen Alphabet gleichzeitig zu arbeiten, um sich nicht in Details zu verlieren. Eine Schrift, die nur aus interessanten Details besteht, ist meiner Meinung nach noch keine gute Schrift. Oft stören diese Details sogar, die man anfangs für originell hält.</p>
<p>Ich weiß nicht, ob ich einen eigenen Stil habe. Ich habe versucht, mir – in Den Haag und auch später – eine eigene Sichtweise auf Schrift anzueignen. Einen typischen »Den-Haag-Stil« habe ich von Anfang an versucht zu vermeiden. Wenn man sich meine <a href="http://www.myfonts.de/2009/06/marat/">Marat</a> ansieht, die ja größtenteils dort entstanden ist, erkennt man – glaube ich –, dass mir etwas Eigenes gelungen ist.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1891" title="Jenson und Augustin" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/07/Jenson-und-Augustin.jpg" alt="" width="504" height="410" /></p>
<p class="caption">Die Schrift, die Nicolas Jenson um 1470 in Venedig geschnitten hatte (oben), inspirierte Ludwig Übele zu seiner ersten Serifen-Textschrift, <a href="http://new.myfonts.com/fonts/ludwiguebele/augustin/?refby=mfde">Augustin</a> (unten).</p>
<p><strong>Deine Schriftformen sind tatsächlich oft sehr originell. Hast Du Beispiele oder Helden im Bereich Schrift und Lettering?</strong></p>
<p>Ich liebe die Schriften von <a href="http://books.google.de/books?id=sR9g5xPPJVQC&amp;pg=PA158">Bram de Does</a> und <a href="http://new.myfonts.com/person/Roger_Excoffon/?refby=mfde">Roger Excoffon</a>. Bram de Does’ <a href="http://www.teff.nl/fonts/trinite/trinite.html">Trinité</a> und <a href="http://www.teff.nl/fonts/lexicon/">Lexicon</a> gehören zu den schönsten Antiquas, die ich kenne. Ihr kalligrafischer Charakter erzeugt solch ein warmes und äußerst angenehmes Textbild. Was Harmonie und Gleichmäßigkeit anbelangt, hat De Does den Schriftentwurf perfektioniert. Kein Zeichen steht im Vordergrund, aber als Ganzes bilden seine Schriften ein völlig eigenständiges, lebendiges und charaktervolles Bild.</p>
<p>Excoffons Schriften sind experimentierfreudiger, auch härter. <a href="http://new.myfonts.com/fonts/urw/antique-olive/?refby=mfde">Antique Olive</a> beispielsweise ist ja im Detail eine völlig schräge Schrift, und trotzdem funktioniert sie hervorragend. <a href="http://new.myfonts.com/fonts/urw/vendome/?refby=mfde">Vendôme</a>, die zusammen mit François Ganeau entstanden ist, hat mich schon immer wegen ihrer ausgeprägten und selbstbewussten Formen fasziniert.</p>
<p>Auch <a href="http://new.myfonts.com/person/Gerard_Unger/?refby=mfde">Gerard Ungers Schriften</a> haben mich sehr beeinflusst. Ich mag die Klarheit und Sachlichkeit in seinen Entwürfen. Die Idee ist in Ungers Schriften stärker sichtbar. Und sie sind in gewisser Weise technischer, auch in der Art, wie sie gezeichnet sind.</p>
<p>Die Serifenlosen von <a href="http://www.typemanufactur.com/">Georg Salden</a> halte ich für mit die Besten, die in der digitalen Ära entstanden sind.</p>
<p><strong>Georg Salden gilt als Ausnahmedesigner in der deutschen Typografie; höchst originell, und dabei ein Einzelgänger, der zum Beispiel nie mit Vertriebspartnern arbeiten wollte. Du betreust seinen Webshop, <a href="http://www.typemanufactur.com/">TypeManufactur</a>. Kannst Du etwas über die Zusammenarbeit erzählen?</strong></p>
<p>Die Zusammenarbeit kam zufällig zustande. Ich sollte anfangs nur eine OTF-Version der <a href="http://www.typemanufactur.com/de/fonts/polo/overview.html">Polo</a>, seiner erfolgreichsten Schrift, erstellen. Damals wusste Salden sicher nicht, dass ich seine Schriften bereits seit meiner Studienzeit bewundere. Wir haben uns gleich sehr gut verstanden, und er fragte mich, ob ich nicht den Vertrieb all seiner Schriften übernehmen wolle. Ich produziere die OTF-Fonts, und digitalisiere Schriften, die es bislang nur analog gibt. Salden entwirft ja seit über 50 Jahren Schriften und hat in dieser Zeit mehr als 40 Schriftfamilien entworfen, und dabei alle Einzelschnitte von Hand gezeichnet. Da habe ich noch lange zu tun …</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1887" title="Ludwig am Polarkreis" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/07/Ludwig-am-Polarkreis.jpg" alt="" width="504" height="300" /><br />
<img class="alignnone size-full wp-image-1889" title="Besonderheit der finnischen Schilderschrift" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/07/Besonderheit-der-finnischen-Schilderschrift.jpg" alt="" width="504" height="215" /></p>
<p class="caption">In seiner Studienzeit in Finnland bemerkte Ludwig Übele die eigenartigen Formen der dortigen Verkehrsschilder-Schrift: Die Bögenansätze waren außen gerade gezeichnet, innen jedoch gerundet (wie das <em>n</em> ganz rechts). Unter dem Namen <a href="http://new.myfonts.com/fonts/ludwiguebele/helsinki/?refby=mfde">Helsinki</a> hat er seine Variation dieser schrägen »Finn-DIN« veröffentlicht – als Familie mit 7 Strichstärken von Hairline bis Fat.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1886" title="Helsinki" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/07/Helsinki.jpg" alt="" width="504" height="404" /></p>
<p><strong>Viele qualitätsbewusste Schriftdesigner sehen eine gut ausgebaute Textfamilie als höchstes Ziel. Du hast ernsthafte Textfamilien wie <a href="http://www.myfonts.de/2009/06/marat/">Marat</a> und <a href="http://new.myfonts.com/fonts/ludwiguebele/augustin/?refby=mfde">Augustin</a> erfolgreich mit verspielten Schriften wie <a href="http://new.myfonts.com/fonts/ludwiguebele/daisy/?refby=mfde">Daisy</a> kombiniert. Wie gelingt Dir dieser Spagat?</strong></p>
<p>Ich versuche, neue, lebendige und lesbare Buchstaben zu entwerfen. Dabei spielt es für mich am Anfang keine Rolle, ob es eine Textschrift oder eine Displayschrift wird. Allerdings finde ich sogenannte Textschriften interessanter, da sie für umfangreiche Texte entworfen werden und auch in kleinen Größen funktionieren müssen. Mich interessiert, wie eine Schrift als Ganzes (nicht einzelne Buchstaben) ein bestimmtes Textbild erzeugt, wie sie interessant und angenehm lesbar wird. Der Rahmen für die Gestaltung von Textschriften ist sehr viel enger als für experimentelle Schriften. Um im Kopf frei zu werden oder auch um auf neue Ideen zu kommen – für mich ist es wichtig, einfach drauf los zu skizzieren, ohne bereits an den späteren Gebrauch der Schrift zu denken. Erst in der weiteren Entwurfsphase entscheidet sich, ob es für eine Textschrift taugt. Oder ob es eine experimentelle Schrift wird.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1881" title="c – Skizze zur  Daisy" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/07/c-Daisy.jpg" alt="" width="131" height="129" /> An der Schrift <a href="http://new.myfonts.com/fonts/ludwiguebele/daisy/?refby=mfde">Daisy</a> kann man übrigens gut den Entwurfsprozess aufzeigen. Meine erste Idee war das <em>c</em>. Mir gefiel die Idee, dass der Innenraum des Buchstabens lediglich aus einer feinen weißen Linie gebildet wird, die eigentlich nur die Tropfenserife begrenzt. Diese weiße Linie musste nun Maßgabe für alle anderen Binnenräume sein. Zunächst waren die Innenräume wesentlich feiner als in der finalen Version, und man hätte sie sicherlich bis ins kaum mehr Wahrnehmbare verfeinern können. Ich wollte jedoch, dass die Schrift auch in kleineren Größen immer noch angenehm erscheint, und die weißen Linien nicht völlig wegbrechen. Später hat sich dann die Form des <em>c</em> nochmals verändert, damit es besser zu den andern Buchstaben passt.<br />
<img class="alignnone size-full wp-image-1880" title="Daisy" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/07/Daisy.png" alt="" width="504" height="360" /></p>
<p><strong>Ist es für Deine Tätigkeit als Schriftdesigner wichtig, längere Zeit als »Schriftanwender« in Designagenturen gearbeitet zu haben?</strong></p>
<p>Eigentlich nicht. Wichtiger ist es, während und nach dem Entwurfsprozess mit der Schrift zu arbeiten. Oft entdeckt man erst im Gebrauch Ungereimtheiten, die man auf Testausdrucken nicht erkennt. Noch interessanter wäre es natürlich, wenn ein Typograf bereits im Entwicklungsstadium die Schrift benutzen könnte, und man Rückmeldung bekommen würde.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1893" title="Skizzen zur Marat Kursiv" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/07/Skizzen.jpg" alt="" width="504" height="462" /></p>
<p><strong>Kannst Du den Arbeitsprozess beschreiben, wenn Du eine Textschrift so wie Marat gestaltest?</strong></p>
<p>Am Anfang steht immer einer Idee. Bei <a href="http://www.myfonts.de/2009/06/marat/">Marat</a> waren es sogar zwei. Einerseits sollte es eher eine Schrift für Magazine, Broschüren oder den Corporate-Gebrauch werden, als eine für Romane. Im Unterschied zu Büchern enthalten Zeitschriften meist viele unterschiedliche Elemente (von langen, linearen Texten bis hin zu sehr fragmentarischen Informationen). Verschiedene Strichstärken, Stile und Größen erscheinen auf einer Seite. Marat sollte diesen unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden: offen und leserlich für kleine Schriftgrößen, kompakt für Headlines und schmale Kolumnen.<br />
<img class="alignnone size-full wp-image-1883" title="Interpolation" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/07/Interpolation.png" alt="" width="504" height="342" /></p>
<p>Andererseits waren einige Formmerkmale der Marat das Ergebnis eines Experiments mit Erik van Bloklands <a href="http://superpolator.com/">Superpolator</a>. Ich habe einen sogenannten <a href="http://www.typografie.info/2/wiki.php?title=Ink_Trap"><em>ink trap</em></a> stufenweise von rechts nach links und von oben nach unten bewegt, und mich aus der Vielzahl der Ergebnisse für eines entschieden. Marat war übrigens von Anfang an auch als Serifenlose gedacht. Tatsächlich waren die allerersten Entwürfe ohne Serifen. Deshalb wird es wohl bald auch eine Marat Sans geben.<br />
<img class="alignnone size-full wp-image-1884" title="Marat-Einschntte" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/07/Marat-Einschntte.png" alt="" width="504" height="327" /><br />
<img class="alignnone size-full wp-image-1885" title="Marat Fat" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/07/Marat-Fat.png" alt="" width="504" height="370" /><br />
<strong>Spielen die neuen Font-Tools etwa von <a href="http://letterror.com/">Erik van Blokland</a> oder <a href="http://remix-tools.com/">Tim Ahrens</a> eine wichtige Rolle in Deinen Entwurfprozessen?</strong></p>
<p>Nein, beim Entwurf spielen sie eigentlich gar keine Rolle. Egal, ob ich mit Bleistift oder direkt am Rechner entwerfe – anfangs automatisiere ich nicht. Es soll ja Designer geben, die sogar Serifen oder Balkenstärken automatisieren, mit dem Ergebnis, dass sie in jedem Buchstaben gleich sind. Das ist nicht meine Arbeitsweise, im Gegenteil, ich denke, das führt zu einer leblosen Monotonie. Allerdings spielen diese Tools natürlich eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, eine Schriftfamilie umfassend auszubauen, z.B. beim Erstellen von Akzentfiguren oder mehreren Strichstärken.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1890" title="Zeichenübersicht der Mokka" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/07/Mokka-Zeichenuebersicht.jpg" alt="" width="504" height="355" /></p>
<p class="caption">Ist das ganze Alphabet von <em>A</em> bis <em>Z</em> und von <em>a</em> bis <em>z</em> fertig gezeichnet, geht die Arbeit des Schriftgestalters erst richtig los: Ein Font umfasst eine Menge mehr Glyphen – neben Ziffern, Satzzeichen und Ligaturen vor allem Akzentbuchstaben für verschiedene Sprachen. Hier eine Übersicht aller Zeichen der <a href="http://new.myfonts.com/fonts/ludwiguebele/mokka/?refby=mfde">Mokka Regular</a>. Die ebenfalls erhältlichen Kapitälchen sind gar nicht abgebildet, von den kursiven, fetten und fettkursiven Schnitten ganz zu schweigen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1903" title="Mokka" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/07/Mokka.png" alt="" width="504" height="170" /></p>
<p class="caption">Einige Schlüsselglyphen der ausdrucksstarken <a href="http://new.myfonts.com/fonts/ludwiguebele/mokka/?refby=mfde">Mokka</a></p>
<p>Ich versuche, möglichst viel von Hand zu machen, inzwischen sogar wieder mehr als früher. Nicht unbedingt, weil ich es für besser halte, sondern weil es mir mehr Spaß macht, mit dem Bleistift zu skizzieren, als nur am Rechner zu sitzen. Aber natürlich haben die digitalen Outlines unschlagbare Vorteile – beispielsweise, dass ich sofort einen Text in verschiedenen Größen ausdrucken und unmittelbar sehen kann, wie die Schrift wirkt. Ich würde jedoch niemals versuchen, »Handgemachtes« am Rechner zu imitieren. Ich habe nie verstanden, warum man digitale Fonts benutzt, die wie handgemacht aussehen. Das würde ich dann lieber gleich mit der Hand zeichnen.</p>
<p><strong>Deine erste Schrift hast Du mit einem <a href="http://new.myfonts.com/foundry/Ludwig_Type/?refby=mfde">eigenen Schriftverlag</a> selbst herausgebracht, statt sie bei einer der größeren Type-Foundries anzubieten. Warum hast Du entschlossen, es im Alleingang zu versuchen?</strong></p>
<p>Weil es so einfach war. Man braucht ja heute eigentlich keine große Foundry mehr. Vollendete Fonts kann man völlig alleine machen. Und für den Verkauf braucht man nur eine Website. Fertig! Allerdings habe ich nicht bedacht, wie schwierig es ist, auf mich und meine Schriften aufmerksam zu machen. Das war dann auch der Grund, warum ich meine Schriften auch bei MyFonts anbiete, um einen größeren Kreis von Interessierten zu erreichen. Meine neueste Schrift, <a href="http://tdc.org/tdc22011/t5_full2.jpg">Tundra</a>, die ebenfalls wie Daisy beim <a href="http://tdc.org/tdc/tdc2-2011-winners">diesjährigen TDC² gewonnen</a> hat, wird demnächst bei <a href="https://www.fontfont.com/fonts/tundra">FontFont</a> erscheinen – ebenfalls ein Versuch, ein neues Klientel zu erreichen.</p>
<p><strong>Du machst nicht nur Fonts für den Handel, sondern arbeitest auch im Auftrag. Für welche Art von Kunden arbeitest Du, und wie sieht Deine Arbeitswoche aus?</strong></p>
<p>Es gibt ein paar CI- und Packaging-Firmen, für die ich regelmäßig arbeite. Es handelt sich fast immer um schriftbezogene Sachen, meist <a href="http://www.ludwiguebele.de/page.php/brands/">Schriftzüge</a> (Logotypes), oder selten auch <a href="http://www.ludwiguebele.de/index.php/Typefaces/Custom/">Hausschriften</a>. Die meiste Zeit verbringe ich allerdings mit meinen eigenen Entwürfen. Ich arbeite in der Regel an mehreren Schriften gleichzeitig. Viele bleiben dann letztendlich in der Schublade liegen, weil ich sie nicht für gut genug halte. Oder ich arbeite später daran weiter.<br />
<img class="alignnone size-full wp-image-1892" title="Walhalla" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/07/Walhalla.jpg" alt="" width="504" height="251" /></p>
<p class="caption"><a href="http://new.myfonts.com/fonts/ludwiguebele/walhalla/?refby=mfde">Walhalla</a>, ein an mittelalterliche Handschriften erinnerndes Unzial-Pärchen; einmal mit und einmal ohne Serifen.</p>
<p><strong>Bekommst Du oft zu sehen, was andere mit Deinen Schriften machen?</strong></p>
<p>Nein, ich bekomme selten Anwendungen zu sehen. Ich freue mich, wenn meine Schriften Teil eines schönen Projektes geworden sind, ein schönes Buch oder Plakat beispielsweise.</p>
<p><strong>Momentan ist Berlin, wo wir beide wohnen, eine der prominentesten Typo-Städte der Welt, mit zahlreichen erfolgreichen jungen Gestaltern, darunter <a href="http://www.myfonts.de/2010/07/hannes-von-doehren/">Hannes van Döhren</a>, <a href="http://new.myfonts.com/person/Verena_Gerlach/?refby=mfde">Verena Gerlach</a>, <a href="http://new.myfonts.com/foundry/LiebeFonts/?refby=mfde">Ulrike Wilhelm</a>, <a href="http://www.myfonts.de/2010/10/rooney/">Jan Fromm</a>, <a href="http://new.myfonts.com/person/Dan_Reynolds/?refby=mfde">Dan Reynolds</a> und <a href="http://new.myfonts.com/search/Berlin/people/?view=gallery&refby=mfde">viele mehr</a>. Woran liegt das, meinst Du? Und was heißt es für Dich, in dieser Stadt zu arbeiten?</strong></p>
<p>Berlin ist ja allgemein für Kreative anziehend. Die Kosten sind gering, das Umfeld und die Umgebung inspirierend. Meine Arbeit beeinflusst es jedoch nicht wirklich. Nur vielleicht in der Weise, dass ich gelassener arbeiten kann, da ich weniger Unkosten habe.</p>
<p><strong>Was ist Dein Traumprojekt, im Typobereich?</strong></p>
<p>Ich habe einige Träume, die haben aber alle nun wirklich nichts mit Schrift zu tun. Ich könnte jedoch sagen, dass ich gerne eine spezielle Schrift für eine wichtige Institution, z.B. ein berühmtes Museum oder einen bekannten Verlag oder eine große Zeitung machen möchte. Und das stimmt sicherlich. Aber eigentlich möchte ich lediglich eine Schrift entwerfen, die eine gewisse Relevanz für das typografische Schaffen allgemein hat und andere Schriftdesigner inspiriert.<br />
<img class="alignnone size-full wp-image-1901" title="Wolkenschriften" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/07/Wolkenschriften.png" alt="" width="504" height="367" /></p>
<p class="caption">Himmlische Schriften: Ergebnisse eines Experiments mit mathematisch generierten, sich überlagernden Kreisflächen</p>
<p><strong>Was ist der Albtraum eines Schriftgestalters?</strong></p>
<p>Festplatte und Backup im Eimer und alle Daten weg. Aber zum Glück sind ja alle Schriftdateien noch auf dem MyFonts-Server! :)</p>
<p><strong>Es gibt immer mehr Grafik-Design-Studenten, die überlegen, sich auf Schrift und Lettering zu spezialisieren. Was möchtest Du ihnen raten?</strong></p>
<p>Ich würde ihnen raten, es sich sehr genau zu überlegen. Schriftentwurf ist ein Handwerk, das man sich nur mit sehr viel Mühe und Arbeit aneignen kann. Wie in jedem Handwerk braucht es sehr viel Erfahrung, um ein Meister zu werden. Ich selber entwerfe seit über 10 Jahren und würde mich noch immer als Lehrling bezeichnen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1882" title="Korrekturen" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2011/07/Korrekturen.jpg" alt="" width="504" height="346" /></p>
<p class="caption">»Zu mager, zu fett, zu spitz, zu eckig« – aus den Anfängen von Ludwigs Lehrlingszeit: Korrekturvorschläge seines Augsburger Professors <a href="http://new.myfonts.com/person/Hans_Heitmann/?refby=mfde">Hans Heitmann</a> zu einem frühen Schriftversuch (1997)</p>
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		<title>Creative Characters: Hannes von Döhren</title>
		<link>http://www.myfonts.de/2010/07/hannes-von-doehren/</link>
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		<pubDate>Mon, 26 Jul 2010 19:58:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan Middendorp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Creative Characters]]></category>

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		<description><![CDATA[Creative Characters ist MyFonts’ beliebte Reihe monatlicher Interviews mit herausragenden Schriftgestaltern. Zum zweiten Mal erscheint eine deutschsprachige Version: diesen Monat präsentieren wir Hannes von Döhren. Würde man den Erfolg, der Hannes von Döhren in der letzten Zeit auf MyFonts zuteil wurde, als ›beachtlich‹ bezeichnen, wäre das eine glatte Untertreibung. In nicht mal einem Jahr hat [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="http://new.myfonts.com/newsletters/cc/?refby=mfde">Creative Characters</a> </em>ist MyFonts’ beliebte Reihe monatlicher Interviews mit herausragenden Schriftgestaltern. Zum zweiten Mal erscheint eine deutschsprachige Version: diesen Monat präsentieren wir Hannes von Döhren.</p>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-1060" title="HVD_DE" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2010/07/HVD_DE-503x336.png" alt="" width="503" height="336" /></p>
<p><em>Würde man den Erfolg, der <a href="http://new.myfonts.com/person/Hannes_von_Döhren/?refby=mfde">Hannes von Döhren</a> in der letzten Zeit auf MyFonts zuteil wurde, als ›beachtlich‹ bezeichnen, wäre das eine glatte Untertreibung. In nicht mal einem Jahr hat der Berliner Designer eine ganze Reihe beeindruckender, origineller Fonts herausgebracht. Sein Repertoire reicht von der gewitzten Pseudo-Wildwest-Slab <a href="http://www.myfonts.de/2009/10/cowboyslang/">Cowboyslang</a> bis zur eben erschienenen, von Renaissance-Schriften inspirierten <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/livory/?refby=mfde">Livory</a>. Die nostalgisch angehauchten <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/brandon-grotesque/?refby=mfde">Brandon Grotesque</a> und <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/reklame-script/?refby=mfde">Reklame Script</a> haben es beide in die aktuellen Top-10 der <a href="http://new.myfonts.com/bestsellers/?refby=mfde">Bestsellerliste</a> geschafft. Seine Schriften erlauben es Hannes mittlerweile, das zu tun, von dem er nicht genug kriegen kann – noch mehr Schriften zu entwerfen.</em></p>
<p><span id="more-1053"></span></p>
<p><span class="caption"><a href="http://new.myfonts.com/newsletters/cc/201007.html?refby=mfde">English version | Zur englischen Version …</a></span></p>
<p><strong>Bevor Du Dich der Schriftgestaltung zugewendet hast, warst Du Art Director in einer Werbeagentur. Wie hast Du Deine Leidenschaft für Fonts entdeckt? Helfen Dir Deine Erfahrungen als ehemaliger Werber beim Gestalten von Schriften?</strong></p>
<p>Wie viele Typedesigner hat mich Schrift und der Umgang mit Schrift schon immer begeistert. Deshalb habe ich auch mit Grafikdesign angefangen und bin meiner Liebe zur Typografie zunehmend verfallen. Nachdem ich mich sehr viel mit der Schönheit und Ästhetik der einzelnen Formen auseinandergesetzt hatte, fing ich an, mich immer mehr für Wirkung von Schrift und Bild auf andere Menschen zu interessieren. Warum hat man bestimmte Empfindungen, wenn man Dinge betrachtet, welche grafischen Mittel sind mit welchen Emotionen verknüpft? Mich faszinierte, wie viel man durch gestalterische Bewusstheit beeinflussen kann. Das war ein Grund, weshalb ich dann vom Grafikdesign zur Werbung kam: Botschaften vermitteln, die auch ankommen. Die Liebe zur Schrift hat mich dabei immer begleitet. Schrift ist für mich auch ein Basis­bestandteil von Grafik und Werbung, sie wird oft unterschätzt und kann dabei so viel.</p>
<p><img title="HVD_World" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2010/07/HVD_World-504x300.png" alt="" width="504" height="300" /></p>
<p class="caption">Ein Einblick in Hannes von Döhrens Typo-Welt</p>
<p><strong>Wie hast Du gelernt, Fonts zu machen?</strong></p>
<p>Ich begann damit aus Spaß, in meiner Freizeit – neben meinem Job als Art Director. Ich zeichnete experimentelle Schriften, stellte diese als Freefonts ins Netz und verwendete sie für eigene Projekte. Diese Spielereien machten mir so viel Freude, dass ich mich immer mehr für Fonts und deren Technik, Regeln und Hintergründe interessierte.</p>
<p>Daraus ergaben sich dann größere Projekte, die auf klassische Schriftgestaltung abzielten. Ich schaute mir sehr viele andere Schriften an und versuchte nachzuempfinden, warum welche Schriften wie gemacht wurden. Ich interessierte mich für alles, was mit Typedesign und Fonterstellung zu tun hatte. Stück für Stück näherte ich mich dann durch all die kleinen Informations­bausteine, die ich überall aufnahm und in meiner Arbeit umsetzte, professionellen Ergebnissen. Es ist verrückt, wie sehr man über die Jahre sein Auge schult, und wie man an bestimmte Dinge ganz anders herangeht als am Anfang. Dennoch ist jedes Schriftprojekt wieder eine neue Herausforderung und eine spannende Sache, bei der man auf stets neue Probleme stößt, die es zu lösen gilt.</p>
<p><strong>Apropos Freefonts – Du hast zwischen 2005 und 2007 über ein Dutzend kostenloser Fonts veröffentlicht. Wie siehst Du diese Entwürfe heute? Behagt es Dir, dass sie nach wie vor über viele Freefont-Websites verfügbar sind?</strong></p>
<p>Ja, auch wenn ich heute total anders arbeite – für mich sind diese Schriften eine Momentaufnahme jener Zeit, in der ich sie gemacht habe. Das ist eine Art Dokumentation meines Lernprozesses. Mit jedem dieser Freefonts habe ich ein neues Experiment ausprobiert und viele Dinge dazu gelernt, und sie haben mir alle richtig Spaß gemacht.</p>
<p>Ich finde diese Freefonts auch nicht schlecht und da sie umsonst sind, ist der Verbreitungsgrad entsprechend hoch. Es freut mich immer wieder, wenn ich sie auf der Straße – zum Beispiel auf Plakatwänden – sehe. Das ist ein schönes Gefühl, da man die kommerziellen Schriften nicht so häufig irgendwo sieht.</p>
<p><a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/brandon-grotesque/?refby=mfde"><img class="aligncenter size-medium wp-image-1071" title="Brandon2" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2010/07/Brandon2-503x251.png" alt="" width="503" height="251" /></a></p>
<p class="caption"><strong>Über <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/brandon-grotesque/?refby=mfde">Brandon Grotesque</a>: </strong>Mein Vater schenkte mir einige alte Zeitschriften aus den 1920er und 30er Jahren, die er bei meinem Opa gefunden hatte und meinte, ich solle mir mal die handgezeichneten Schriften der Anzeigen anschauen. Ich war fasziniert von der Haptik und der gesamten Aura, die diese Magazine ausstrahlten – wie die Fließtexte gesetzt wurden und welche Schriftmischungen verwendet wurden! Ich wollte unbedingt auch eine Schrift mit dieser Anmutung machen. Eine geometrische Schrift, die dennoch eine gewisse Weichheit und Wärme besitzt. Durch den ›schlechten‹ Druck waren die Ecken der Textschriften leicht abgerundet – ein Gefühl, welches in der heutigen Zeit mit gestochen scharfen Druckbildern nicht mehr aufkommmt. Ich entschied mich, die Brandon mit sehr leicht abgerundeten Ecken zu versehen &#8211; sie sollte trotz ihrer Geometrie und Klarheit etwas Wärme ausstrahlen. Obwohl die Brandon mit 12 Schnitten eine relativ große Familie ist, hat jeder Schnitt seine eigene Ästhetik: die Schnitte basieren zwar aufeinander, wurden aber alle einzeln gezeichnet. So konnte ich jedem Schnitt seine eigenen Details geben.</p>
<p><strong>Im vergangenen Jahr warst Du unglaublich produktiv und hast beinahe jeden Monat eine neue Schriftfamilie herausgebracht. Wie machst Du das?</strong></p>
<p>Das alles macht mir einfach unglaublich viel Spaß, und wenn man mit Leidenschaft an Dingen arbeitet, merkt man oft gar nicht, wie viele Stunden man da sitzt. So etwas ist kein 9-to-5-Job – für mich ist es einfach eine Lebenseinstellung. So entstehen die meisten Schriften einfach ohne große Planung, ohne vorher lange darüber nachzudenken. Klar ist eine Schrift auch viel Arbeit und beinhaltet eine Menge Dinge, auf die man achten muss. Aber die Begeisterung zu sehen, wie die Schrift immer runder und vollständiger wird, treibt mich voran. Meistens kann ich es kaum erwarten, meine – bald – fertige Schrift selbst zu benutzen. Eines der besten Gefühle im Typedesign-Prozess für mich ist, das erste Mal die Schrift zu installieren und damit zu gestalten.</p>
<p>Nun bin ich seit ungefähr drei Jahren zu hundert Prozent Typedesigner, habe <a href="http://new.myfonts.com/foundry/HVD_Fonts/?refby=mfde">meine eigene Foundry</a> und arbeite jeden Tag an neuen Fonts, mache Präsentationen und Werbung für meine Schriften und erledige anfallende Büroarbeiten. Ich bin froh, diesen Weg gefunden zu haben, da mich diese Arbeit genau in den Bereichen fordert, die ich schon immer faszinierend fand: Schrift, Grafik und Werbung.</p>
<p><strong>Deine bisherigen Entwürfe sind stilistisch breit gefächert. Wie entscheidest Du, was Du als nächstes angehen willst? Hast Du schon mal eine Schrift nach einer konkreten Aufgabenstellung, einem Briefing entwickelt?</strong></p>
<p>Ich lasse mich bei meinem Schriften einfach nur davon leiten, worauf ich Lust habe und folge dem, was ich schön finde. Ich gehe einerseits gerne komplett neue Wege; experimentiere und entwickle, aber andererseits macht es mir auch Spaß, mich gestalterisch in einem engen Korridor zu bewegen und daraus dennoch etwas neues, eigenes zu entwickeln. Ich empfinde gerne nach, warum die alten Meister etwas machten, entdecke ihre genialen, manchmal verblüffenden Lösungen, freue mich darüber und lerne dazu.</p>
<p>Wenn man <a href="http://new.myfonts.com/search/tag%3ADisplay+foundry%3A%28HVD+Fonts%29/fonts/?refby=mfde">Displayschriften</a> gestaltet, ist man sehr frei, die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. <a href="http://new.myfonts.com/search/tag%3AText+foundry%3A%28HVD+Fonts%29/fonts/?refby=mfde">Textschriften</a> sind eine besondere Herausforderung, da es sehr viele Regeln zu beachten gilt und man ein geübtes Auge für Proportion und Rhythmus haben muss.</p>
<p><a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/reklame-script/?refby=mfde"><a href="http://www.myfonts.de/?attachment_id=1108"><img class="aligncenter size-full wp-image-1108" title="ReklameScript1" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2010/07/ReklameScript11.png" alt="" width="503" height="252" /></a></a></p>
<p class="caption">Die Pinsel-Schrift <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/reklame-script/?refby=mfde">Reklame Script</a> basiert auf von Hand gezeichneten Schreibschriften in Zeitschriftenanzeigen aus den 1940er und 50er Jahren</p>
<p>So genieße ich es, zwischen der Leichtigkeit und Freiheit einer Displayschrift und der Strenge und Beschränktheit einer Textschrift hin und her zu wechseln und möchte mir keines der beiden Felder nehmen lassen. Nach der langen Arbeit an einer Textschrift kann es mitunter einfach nur befreiend sein, mit einer gewissen Lockerheit mal eben eine Displayschrift zu machen.</p>
<p>Manchmal ist es auch nur ein Bild im Kopf, davon, wie die Schrift, die ich da gerade beginne, im Einsatz aussehen wird – und schon stecke ich wieder in einem neuen spannenden Projekt.</p>
<p><strong>Welche Schriftgestalter oder Grafikdesigner aus Geschichte und Gegenwart sind Deine Helden – und weshalb?</strong></p>
<p>Oh, es gibt eine ganze Menge Typedesigner, die wirklich tolle Schriften gemacht haben: zum einen die alten Klassiker wie <a href="http://new.myfonts.com/person/Claude_Garamond/?refby=mfde">Claude Garamond</a>, <a href="http://new.myfonts.com/person/William_Caslon_I/?refby=mfde">William Caslon</a>, <a href="http://new.myfonts.com/person/Giambattista_Bodoni/?refby=mfde">Giambattista Bodoni</a>, <a href="http://new.myfonts.com/person/Frederic_W._Goudy/?refby=mfde">Frederic Goudy</a> etc. Aber auch <a href="http://new.myfonts.com/person/Adrian_Frutiger/?refby=mfde">Adrian Frutiger</a> – diese Personen sind für mich die Meister, die Wege geebnet und grundsätzliche Sichtweisen festgelegt haben. Und dann gibt es die ›digitale‹ neue Generation der Typedesigner, unter denen es für mich ebenfalls herausragende Namen gibt: <a href="http://new.myfonts.com/person/Zuzana_Licko/?refby=mfde">Zuzana Licko</a>, <a href="http://new.myfonts.com/person/Xavier_Dupré/?refby=mfde">Xavier Dupré</a>, <a href="http://new.myfonts.com/foundry/Underware/?refby=mfde">Underware</a>, <a href="http://new.myfonts.com/person/Kris_Sowersby/?refby=mfde">Kris Sowersby</a> – um nur einige zu nennen, die mir gerade so einfallen. Es gibt aber noch weitaus mehr, die ich für ihre sehr guten Schriften schätze.</p>
<p><strong>Du bist als Typedesigner Autodidakt – wie denkst Du darüber, dass immer mehr Schulen eine spezielle schriftgestalterische Ausbildung anbieten? </strong></p>
<p>Das finde ich auf jeden Fall gut, junge Designer werden für das Thema Schrift sensibilisiert und erkennen die Unterschiede und Wirkung von Schriften. Wer einmal selbst versucht hat, eine Schrift zu zeichnen, der weiß, wie schwer das ist und wie viele Regeln es zu beachten gibt. Man schult sein Auge für Details. Dies alles hilft einem auch dann weiter, wenn man nicht als Typedesigner ›endet‹, sondern ins Grafikdesign oder in die Werbung geht. Schrift ist ein wichtiges Werkzeug in all diesen Bereichen. Man sollte sich stets bewusst sein über das Potential und die Bedeutung von Schriftwahl und Typografie.</p>
<p>Der Weg, sich selbst alles beizubringen, ist sicherlich komplizierter und auch schwieriger, es braucht einen langen Atem und viel Geduld. Man tritt eben schneller in Fettnäpfchen und muss sich seinen Weg selbst suchen. Der Vorteil ist vielleicht, dass man dadurch mehr seinen eigenen Stil entwickelt, da man ja keinen bestimmten Lehrer hat, der einen formt.</p>
<p><em><a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/brevia/?refby=mfde"><img class="aligncenter size-medium wp-image-1072" title="Brevia1" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2010/07/Brevia1-503x251.png" alt="" width="503" height="251" /></a></em></p>
<p class="caption"><strong>Über <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/brevia/?refby=mfde">Brevia</a>: </strong>Ich hatte in der Werbung mit vielen Unternehmen zu tun, die die Attribute <em>sympathisch, freundlich aber dennoch professionell und klar</em> vermitteln wollen. Zum Beispiel im Dienstleistungssektor, oder aber auch im Bereich des Package Designs. Eine Schrift ist ein gutes Medium, um eine solche Stimmung oder Eigenschaft zu transportieren. Mir fiel auf, dass es wenige Schriften gibt, die dieses sympathisch-freundliche mit einer gewissen Klarheit vereinen können. Pinselschriften sind oft einladend, persönlich und freundlich &#8211; ihnen fehlt aber die Seriösität, auch sind sie nicht für Mengentexte geeignet. Ich wollte mit der Brevia eine an eine Pinselschrift angelehnte Familie entwickeln, die durch ihre klare Architektur eine gewisse Seriösität besitzt. Da eine Leseschrift in ihren Gestaltungselementen sehr zurückhaltend sein sollte, war meine Herasuforderung, genau die richtige Intensität des Pinselcharakters zu finden. Man sollte ihn in Texten gerade noch fühlen &#8211; in großen Graden dagegen deutlich sehen. So war mein Gedanke, diesen Pinselcharakter je mehr zu betonen, desto fetter die Schnitte werden. Denn fettere Schnitte werden oft auch größer eingesetzt, der Charakter kann stärker betont werden.</p>
<p><strong>Als Du in der Werbung tätig warst, hast Du in Hamburg gelebt, einer der großen Businessmetropolen in Deutschland. Jetzt bist Du selbständiger Designer in Berlin – einer Stadt mit einer lebendigen Typo-Szene und unbegrenzten Ausgehmöglichkeiten, aber einer prekären wirtschaftlichen Situation. Was macht Berlin zum aktuellen Ort Deiner Wahl?</strong></p>
<p>Ich komme ursprünglich aus Berlin und habe zwei Jahre lang in Hamburg gelebt, um dort in einer Agentur zu arbeiten. Das hat mir wirklich viel Spaß gemacht und ich habe in der Zeit viel gelernt. Ich hatte allerdings oft etwas Heimweh nach Berlin, da ich die Stadt immer als mein Zuhause empfunden habe. So kam es, dass ich wieder zurückgekehrt bin in diese wirklich sehr große und vielseitige Stadt, in der ich alles haben kann was ich will, und wo auch meine Freunde zuhause sind.</p>
<p>Der Schritt in die selbständige Arbeit war für mich nicht so leicht, da es doch eine ganze Menge Unsicherheiten gab, vor allem um das Wissen alles selbst organisieren zu müssen. Allerdings muss ich heute sagen, war das eine meiner besten Entscheidungen. Es gibt mir sehr viel, selbst die Verantwortung zu übernehmen, zu entscheiden was gut und was schlecht ist und mir meine Kräfte und Zeiten selbst einzuteilen.</p>
<p><strong>Die Entscheidung, mit MyFonts zusammenzuarbeiten, hat sich für Dich ausgezahlt. Hast Du gehofft oder erwartet, dass es so kommt?</strong></p>
<p>Natürlich habe ich damit niemals gerechnet. Ich habe mit Typedesign angefangen, weil es einfach eine Leidenschaft von mir ist, Schriften anzuschauen und sie zu gestalten. Ich habe mich in den ersten Jahren mit ein paar Verkäufen meiner Displayschriften und Grafikjobs über Wasser gehalten. Nach dem Erfolg der <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/brandon-grotesque/?refby=mfde">Brandon Grotesque</a> habe ich das große Glück, mich nun mehr ausschließlich mit Typedesign zu beschäftigen. Es ist schön für mich zu sehen, dass eine Vision – ›irgendwann mal von seinen Schriften leben zu können‹ – wirklich machbar ist. Ich wusste vorher nicht, worauf ich mich einlasse und ob das funktioniert, was ich da vorhabe, aber im Moment bin ich einfach glücklich, dass ich damit weitermachen kann.</p>
<p><a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/livory/?refby=mfde"><img class="aligncenter size-medium wp-image-1063" title="Livory1" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2010/07/Livory11-503x251.png" alt="" width="503" height="251" /></a></p>
<p class="caption">Livory, eine Antiqua in vier Schnitten, mit Kapitälchen und zahlreichen Ligaturen und Ornamenten</p>
<p><strong>Die neueste HVD-Schrift heißt Livory, sie entstand als Kooperation. Wie lief das?</strong></p>
<p>An der <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/livory/?refby=mfde">Livory</a> arbeiteten <a href="http://new.myfonts.com/person/Livius_Dietzel/?refby=mfde">Livius Dietzel</a> und ich rund fünf Jahre. Natürlich nicht durchgängig, aber bereits 2005 fingen wir mit den ersten Skizzen dafür an. Wir wollten die Proportionen einer klassischen <a href="http://new.myfonts.com/tags/Garalde/?refby=mfde">Renaissance-Antiqua</a> nachempfinden und dabei eine unverkennbare Weichheit durch schwungvolle Formen und das ›Schmelzen‹ der Glyphen erreichen. Wir begannen mit dem Projekt, als ich noch in Hamburg war. Fast täglich schickten wir uns neue bzw. geänderte Buchstaben über E-Mail hin und her. Nachdem die erste Version dann Ende 2006 fertig war, wanderte sie erst einmal in die Schublade – weil wir nicht wussten, was wir damit machen wollten. Zwei Jahre später – ich war bereits wieder in Berlin – holten wir sie wieder hervor und mussten feststellen, dass sich unser Level und Anspruch in den Jahren doch ganz schön geändert hatte. Wir zeichneten fast alle Buchstaben neu, es entstand eine neue Livory. Diese musste dann noch einmal circa ein Jahr in der Schublade reifen, um dann 2010 in ihrer finalen Version veröffentlicht zu werden. Dafür wurde die Livory erneut überarbeitet und zu einem Pro-Font ausgebaut; inklusive Kapitälchen, 50 Ligaturen und 25 Ornamenten – das macht insgesamt <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/livory/regular/characters.html?refby=mfde">780 Glyphen pro Schnitt</a>. Sie ist durch ihren Rhythmus und ihre Proportion zu einer idealen Leseschrift gereift. Für größere Grade stehen eine Menge besonderer Ligaturen zur Verfügung.</p>
<p>Mehr HVD-Fonts auf MyFonts.de:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.myfonts.de/2009/10/cowboyslang/">Cowboyslang</a></li>
<li><a href="http://www.myfonts.de/2010/01/aktion-hvd-bumper/">Bumper</a> (Die Aktion wurde bereits beendet)</li>
</ul>
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		<title>Creative Characters: Hubert Jocham</title>
		<link>http://www.myfonts.de/2009/11/hubert-jocham/</link>
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		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 15:08:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan Middendorp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Creative Characters]]></category>

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		<description><![CDATA[Creative Characters ist MyFonts’ beliebte Reihe monatlicher Interviews mit herausragenden Schriftgestaltern. Diesen Monat präsentieren wir zum ersten Mal eine deutschsprachige Version des Interviews – und es ist kein Zufall, dass wir die Ausgabe mit Hubert Jocham dafür ausgewählt haben: Er ist einer der produktivsten deutschen Schriftgestalter und hat einige der hierzulande bekanntesten Logos entworfen. Seine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-medium wp-image-601" title="cc-hubert-jocham-portrait" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2009/11/cc-hubert-jocham-portrait-504x387.jpg" alt="cc-hubert-jocham-portrait" width="504" height="387" /></p>
<p><em><a href="http://new.myfonts.com/newsletters/cc/?refby=mfde">Creative Characters</a> </em>ist MyFonts’ beliebte Reihe monatlicher Interviews mit herausragenden Schriftgestaltern. Diesen Monat präsentieren wir zum ersten Mal eine deutschsprachige Version des Interviews – und es ist kein Zufall, dass wir die Ausgabe mit Hubert Jocham dafür ausgewählt haben:</p>
<p><em>Er ist einer der produktivsten deutschen Schriftgestalter und hat einige der hierzulande bekanntesten Logos entworfen. Seine eleganten Buchstabenformen zieren Zeitschriften in aller Welt. Bei <a href="http://new.myfonts.com/?refby=mfde">MyFonts</a> werden <a href="http://new.myfonts.com/foundry/Hubert_Jocham_Type/?refby=mfde">seine Schriften</a> ständig erfolgreicher. Dennoch bleibt er bescheiden  – Ruhm und Ehre sind ihm nicht so wichtig. Lernen Sie <a href="http://new.myfonts.com/foundry/Hubert_Jocham_Type/?refby=mfde">Hubert Jocham</a> kennen …</em></p>
<p><span id="more-596"></span></p>
<p><span class="caption"><a href="http://new.myfonts.com/newsletters/cc/200911.html?refby=mfde">English version | Zur englischen Version …</a></span></p>
<p><strong>Hubert, Du warst einer der letzten in Deutschland, die noch eine Setzerlehre durchlaufen haben. Selbst den Handsatz mit Bleilettern hast Du noch erlernt. War das eine bewusste Entscheidung – und hat Dir das in Deiner späteren Karriere geholfen?</strong></p>
<p>Damals war es alles andere als glorreich, sich als der letzte in einer veralteten Technik ausbilden zu lassen. Alle anderen arbeiteten auf den Satzsystemen von <em>Linotype</em> und <em>Berthold</em>. Und natürlich habe ich das so nicht geplant. Ich hatte mit 17 wenig Ahnung worauf ich mich einließ. Nach der Ausbildung habe ich den Beruf des Bleisetzers, aufgrund des folgenden Studiums in Grafik-Design, nicht mehr lange ausgeübt. Nach und nach erkannte ich, wie umfassend und nachhaltig mich der Beruf des Schwarzkünstlers prägte. Und da gibt es wohl wenige in meinem Alter, die das noch erfahren konnten.</p>
<p><strong>Beim Abschlussprojekt Deines Studiums hast Du Dich mit den Kursivschriften der Renaissance beschäftigt. Was hast Du dabei gelernt?</strong></p>
<p>Während meines Designstudiums hatte ich viel über Schrift gelernt und die <a href="http://www.hs-augsburg.de/gestaltung/">Augsburger Schule</a> hat da bis heute vergleichsweise sehr viel zu bieten. Ich hatte jedoch nie eine Schrift entworfen. Die Beschäftigung mit der Kursive der Renaissance war ein Glücksgriff. Denn man muss die Kursive immer im Verhältnis zur Aufrechten betrachten. So lernte ich neben all den geschichtlichen Analysen sehr viel über das Verhältnis von Druckschrift und Handschrift, Statik und Dynamik, und – ganz wichtig – über Konvention und Formwille. Viele Erkenntnisse von damals prägen noch heute meine Arbeit.</p>
<p><strong>Du hast recht bald eine internationale Karriere als Lettering-Künstler und Gestalter von maßgeschneiderten Satzschriften gestartet. Wie kam es dazu?</strong></p>
<p>Nach meinem Abschluss arbeitete ich für verschiedene Design- und Werbeagenturen in Deutschland, und in meiner Freizeit fing ich an, Schriften zu zeichnen. 1996 ging ich dann für einen Monat nach London und versuchte, mit den berühmten Designern in Kontakt zu kommen, um ihnen meine Dienste anzubieten. Es kam zu ein paar Gesprächen, aber die meisten riefen nie zurück. Nur <a href="http://www.hdk.gu.se/sv/personal/martin-farran-lee">Martin Farran Lee</a>, ein Editorial Designer, der später Art Director für das Magazin <em>Arena</em> wurde. Er brauchte einen Extralight-Schnitt einer Schrift für eine Publikation, an der er gerade arbeitete. Also zog ich mein altes PowerBook aus der Tasche und begann mit ein paar Skizzen. Es beeindruckte ihn, wie rasch die Dinge Form annahmen, und die nächsten Tage verbrachte ich damit, den Font fertigzustellen. Alle Kontakte, die ich später in der Magazinbranche knüpfen konnte, ergaben sich im Grunde aus diesem einen Treffen. (Heute ist Martin Professor in Göteborg, im Februar werde ich dort einen Logo-Workshop geben.)</p>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-604" title="BArenaB" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2009/11/BArenaB-504x354.jpg" alt="BArenaB" width="504" height="354" /></p>
<p class="caption">Buchstaben von Hubert Jocham in der Londoner Zeitschrift <em>Arena</em></p>
<p>Ein Jahr später wollte ich aus persönlichen Gründen für eine Weile raus aus Deutschland und beschloss, mein Glück erneut in London zu versuchen. Ich sprach mit <a href="http://new.myfonts.com/person/G%C3%BCnter_Gerhard_Lange/?refby=mfde">Günter Gerhard Lange</a>, dem Type Director bei <a href="http://new.myfonts.com/foundry/H._Berthold_AG/?refby=mfde"><em>Berthold</em></a>. Er sagte, ich müsse mich entscheiden, was ich sein will: entweder Schriftgestalter oder Grafikdesigner. Er riet mir, zu <em>Henrion Ludlow &amp; Schmidt</em> in London zu gehen, um dort im Corporate Branding zu arbeiten. Langes Empfehlung öffnete mir die Türen zum Branding-Geschäft, und ich arbeitete ein Jahr lang bei <em>Henrion</em>. Glücklicherweise entdeckte man dort, dass ich gut in der Entwicklung von Schriftzügen, Symbolen und Piktogrammen war, was mich vor der Arbeit an Corporate-Identity-Handbüchern bewahrt hat. Allerdings war ich gegen Langes Rat parallel für die Zeitschriften <em>Frank</em> und <a href="http://www.arenamagazine.co.uk/"><em>Arena</em></a> tätig und gestaltete Text- und Displayschriften.</p>
<p>Durch die Beziehungen, die ich in London knüpfte, war ich bald auch für Magazine in den USA und anderen Ländern tätig. Auf der anderen Seite bauten sich auch die Kontakte im Branding immer mehr aus. So verbringe ich bis heute bestimmt die Hälfte meiner Arbeitszeit mit der Gestaltung von Produkt- und Unternehmensmarkenzeichen für große Netzwerkagenturen wie <a href="http://interbrand.com/"><em>Interbrand</em></a>, <a href="http://www.landor.com/"><em>Landor</em></a> oder <a href="http://www.thebrandunion.com/"><em>The Brand Union</em></a> (früher <em>Enterprise IG</em>). Die Erfahrung im Publishing und Branding ist für meinen Schriftentwurf sehr wertvoll. Ich weiß recht genau, welche Schriften die Designer brauchen.</p>
<p><strong>Innerhalb der Typoszene Deutschlands bist Du eher ein Außenseiter. Findest Du das auch?</strong></p>
<p>Ja, auf jeden Fall. <a href="http://new.myfonts.com/foundry/FontFont/?refby=mfde"><em>FontShop</em></a> und das Umfeld von <a href="http://new.myfonts.com/person/Erik_Spiekermann/?refby=mfde">Erik Spiekermann</a> okkupierten lange Zeit einen großen Teil dessen, was international als deutsches Schriftdesign galt. Wie schon erwähnt, bin ich für fast alle Branding-Netzwerke tätig – war es aber noch nie für Agenturen aus eben genanntem Umfeld.<br />
Dann lebe ich auch noch in Bayern, weit weg von Berlin. Es gibt da einfach bisher wenig Berührungspunkte.</p>
<p><strong>Hast Du Helden im deutschen oder internationalen Schriftdesign, oder gibt es Bewegungen, denen Du Dich besonders verbunden fühlst?</strong></p>
<p>Ich habe da leider keine Helden. Ich schätze die Arbeit von vielen. Ich mag es, wenn eine Schrift Charakter und Kraft hat, ohne allzu originell zu sein. Ich arbeite mich gerne in fremde Traditionen ein und versuche sie neu zu interpretieren. Ich sammle Regeln, wie <a href="http://new.myfonts.com/person/William_Addison_Dwiggins/?refby=mfde">Dwiggins</a>’ <a href="http://typophile.com/node/18643">Marionettenprinzip</a> oder <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Tschichold">Tschicholds</a> Ansichten über das, was schön und hässlich ist. Ein gewisses Maß an Humor braucht man da schon, denn Schriftdesigner sind in der Tendenz schon recht schräge Vögel, die schnell mal alles nur schwarz oder weiß sehen. Alles was mir hilft zu verstehen, wie Schriften funktionieren, ist gut.</p>
<p><strong>Deine Lettering-Entwürfe für Markenzeichen und Magazine haben oft einen kalligraphischen Touch, viele Deiner Satzschriften ebenso. Wieviel davon ist tatsächlich von Hand geschrieben oder mit Tusche auf Papier gezeichnet? Kannst Du beschreiben, in welchen Schritten Du von einer ersten Idee zu einem fertigen digitalen Produkt gelangst?</strong></p>
<p>Es ist eigentlich kaum etwas geschrieben. Gerade die <a href="http://www.hubertjocham.de/page.php/brands/">Markenzeichen</a> wie <em>Hertie</em> sind skizziert.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-629" title="hubert-jocham-hertie" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2009/11/hubert-jocham-hertie1.gif" alt="hubert-jocham-hertie" width="504" height="140" /></p>
<p class="caption">Das <em>Hertie</em>-Logo</p>
<p>Im Englischen würde man es als Lettering bezeichnen. Ich skizziere nach dem Prinzip von <a href="http://books.google.com/books?id=sR9g5xPPJVQC&amp;pg=PA150&amp;dq=acclaimed+%27Haagse&amp;ei=wzQES5SLCKDAzQSZk5jNBw&amp;#v=onepage&amp;q=acclaimed%20'Haagse&amp;f=false">Gerrit Noordzij</a>. Erst mit dem Bleistift im Winkel der Feder, um die Strichstärken zu erreichen und danach ergänze ich die Kontur. Wenn man dies schnell macht, ist es fast schreiben.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-608" title="hubert-jocham-scribble" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2009/11/hubert-jocham-scribble.jpg" alt="hubert-jocham-scribble" width="504" height="504" /></p>
<p class="caption">Skizzen nach der Gerrit-Noordzij-Methode</p>
<p>Bei einer Serifenlosen oder selbst bei einer Antiqua skizziere ich fast nie. Da arbeite ich fast immer gleich in <a href="http://www.fontlab.com/font-editor/fontlab-studio/">FontLab</a>. Diesen kalligraphischen Touch gibt es auch nicht immer in meinen Schriften. Die <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/new-libris/?refby=mfde">NewLibris</a> beispielsweise hat davon nicht sehr viel. Auch andere Schriften wie die <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/granat/?refby=mfde">Granat</a> wirken eher konstruiert als kalligraphisch.</p>
<p><strong>Viele Deiner über MyFonts erhältlichen Schriften sind Schreibschriften, die sich gut für Verpackungsdesign eignen. Ist das ein besonderes Interessengebiet von Dir?</strong></p>
<p>Das interessiert mich sehr, weil ich sehr oft an Produktmarkenzeichen arbeite und viele Packaging Designer kenne. Dabei sprechen wir oft darüber, dass auf einer Packung selbstbewusste Pinselschriften benötigt werden. Vor ein paar Jahren gab es da kaum ein Angebot. Alle benutzten die <a href="http://new.myfonts.com/fonts/apple/textile/?refby=mfde">Textile</a>. Mittlerweile habe ich schon <a href="http://new.myfonts.com/search/designer%3A%22Hubert+Jocham%22+tag%3Abrush/fonts/?refby=mfde">7 verschiedene Pinselschriften entworfen</a>, die alle bei <a href="http://new.myfonts.com/search/designer%3A%22Hubert+Jocham%22+tag%3Abrush/fonts/?refby=mfde">MyFonts</a> erhältlich sind.</p>
<p><strong>Seit kurzem bietest Du auf MyFonts auch vermehrt textorientierte Schriftfamilien an, und in einer Deiner Beschreibungen offenbarst Du, dass Deine wahre Liebe den Textschriften gilt. Was macht das Gestalten solcher Schriften so reizvoll?</strong></p>
<p>Textschriften sind konzentrierte Kultur. Schrift ist immer noch das wichtigste Medium. Viele Menschen gehen damit um. Bei einer Textschrift geht es um so weniger um die einzelnen Elemente, je kleiner sie wird. Das ist bei einer Serifenlosen noch vergleichsweise einfach. Eine klassische Antiqua hingegen muss sehr komplex komponiert werden. Es ist eine sehr reizvolle Aufgabe. Dabei liegt es mir immer am Herzen, mit meinen Textschriften auf die Anforderungen moderner Gestaltung einzugehen.</p>
<p><strong>Du deckst eine breite Stilpalette ab und bist den Trends offenbar immer dicht auf den Fersen. Gefällt Dir der modische Aspekt von Typografie? Ist es Dir wichtig, schnell auf das zu reagieren, wonach der Markt momentan zu verlangen scheint?</strong></p>
<p>Oh, das ist interessant. Eigentlich versuche ich immer zu vermeiden, jedem Trend zu folgen. Allerdings arbeite ich sehr viel für Magazine – vor allem Modemagazine – und gestalte spezielle Displayfonts. Die <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/mommie/?refby=mfde">Mommie</a> hatte ich ja zuerst für die französische Zeitschrift <em>L’Officiel</em> gestaltet.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-605" title="hubert-jocham-LOfficiel" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2009/11/hubert-jocham-LOfficiel.jpg" alt="hubert-jocham-LOfficiel" width="394" height="501" /></p>
<p class="caption">Aus diesem Titel für <em>L’Officiel</em> entstand später die <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/mommie/?refby=mfde">Mommie</a></p>
<p>Auch die <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/narziss/?refby=mfde">Narziss</a> war ursprünglich zuerst für ein Modemagazin vorgesehen, das jedoch nie produziert wurde. Zeitschriften sind einfach ein wunderbares Medium, um Schriften auszuprobieren. Und dann beschäftigt man sich plötzlich mit Dingen, auf die man sonst nie gekommen wäre. Gerade das tut mir sehr gut als Schriftdesigner, der ja sonst langsam zum schrulligen Eremiten mutiert, wenn er nicht ab und zu gezwungen ist, über seinen Tellerrand rauszusehen.</p>
<p><strong>Du hast einige der bekanntesten deutschen Logos gestaltet. Wie kommt man zu einem erfolgreichem Logo?</strong></p>
<p>Erfolgreich ist ein gutes Stichwort. Das <a href="http://hertie.de/"><em>Hertie</em></a>-Logo, eines meiner Lieblinge, <a href="https://einzelhandel.verdi.de/unternehmen/hertie/hertie-aktion-27-08.09">wurde gerade erst symbolisch in der Spree versenkt</a>. Das tut weh. <span class="caption">[Anm. d. Redaktion: Der <em>Hertie</em>-Schriftzug wurde – dank des <a href="http://www.buchstabenmuseum.de/">Berliner Buchstabenmuseums</a> – nach der symbolischen Seebestattung in der Spree mit Hilfe der Gewerkschaft <em>ver.di</em> und der <em>Hertie</em>-Mitarbeiter wieder ins Trockene gebracht und in die Sammlung des Museums aufgenommen.]</span> Man hat als Designer einfach wenig Einfluss auf den Erfolg eines Unternehmens. Es gibt da so viele andere Faktoren. Wenn ich an einer Markenzeichenentwicklung arbeite, mache ich mir über den möglichen Erfolg wenig Gedanken. Es geht meist darum, eine Marke angemessen zu modernisieren oder in verschiedenen Anmutungsrichtungen, ausgehend von einer Positionierung, zu entwickeln. Dabei schaffe ich für den Kunden zuerst eine Palette von Optionen in Form einer Evolution vom bestehenden Markenzeichen bis zu revolutionären Neuansätzen. Durch die Zwischenschritte merkt der Kunde dann sehr genau, wo er steht, und kann entscheiden, wo es hin gehen soll.<br />
Viele Kunden sind für diese Vorgehensweise sehr dankbar, denn sie fühlen sich in ihrem Entscheidungsprozess ernst genommen. Es geht nicht darum, dem Kunden was schönes anzudrehen, sondern ihm einen maßgeschneiderten Anzug zu verkaufen, in dem er sich wohlfühlt und dann hoffentlich erfolgreich ist.</p>
<p><strong>Gibt es für Dich als Schriftkünstler und Typedesigner eine Art Wunsch oder Traum – eine Errungenschaft, die sozusagen das i-Tüpfelchen darstellen würde?</strong></p>
<p>Das Gestalten von Schriften fällt mir mittlerweile sehr leicht. Es ist eine Leidenschaft. Und es bedeutet, dass ich eine Schrift, die ich mir erträume zu machen, einfach mache. Wünschen tut man sich ja meinst Dinge, die man entweder nicht selbst bestimmen kann, oder zu denen man sein Leben ändern muss. Was die Dinge angeht, die ich nicht selbst bestimmen kann: dazu gehört z. B., bei großen Branding-Projekten nicht nur die Markenzeichen zu gestalten, sondern immer mehr auch die Corporate-Design-Schriften zu entwerfen.<br />
Dinge, zu denen ich mein Leben ändern müsste – es klingt vielleicht paradox, aber ich wünsche mir ein paar Schriften weniger zu entwerfen, und mehr zu lernen, über verschiedene Schrift-Themen zu reden und zu schreiben, Workshops abzuhalten oder ein Buch über die unterschiedlichen Herangehensweisen im Schriftdesign zu schreiben. Wie oben schon erwähnt, die gesammelten losen Regeln verschiedener Schriftdesigner zu sammeln und Interessierten als Basis zur Verfügung zu stellen.</p>
<p><strong>Das klingt nach einem interessanten Vorhaben. Wir hoffen, dass Du es bald angehen kannst. Vielen Dank!</strong></p>
<p>~</p>
<h2>Schriften von Hubert Jocham</h2>
<p><a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/flavour/?refby=mfde"><img class="alignnone size-full wp-image-631" title="hubert-jocham-Flavour2" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2009/11/hubert-jocham-Flavour21.png" alt="hubert-jocham-Flavour2" width="504" height="103" /></a></p>
<p>Die <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/flavour/?refby=mfde">Flavour</a> ist eine kräftig-köstliche Pinselschrift. Ihr Alleinstellungsmerkmal: fünf Stärken, von <em>Light</em> bis <em>Bold</em>. Die Strichstärken-Stufen liegen dicht beieinander, was von Vorteil ist, wenn man großen und kleinen Text optisch ähnlich erscheinen lassen will. Hervorragend geeignet für Verpackungen und Produkt-Branding.</p>
<p><a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/schoko/?refby=mfde"><img class="alignnone size-full wp-image-632" title="hubert-jocham-Schoko2" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2009/11/hubert-jocham-Schoko2.png" alt="hubert-jocham-Schoko2" width="504" height="97" /></a></p>
<p>Wie der Name schon verrät, ist auch die <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/schoko/?refby=mfde">Schoko</a> eine großartige Schrift für Lebensmittel-Verpackungen. Sie ist spontan und dabei doch klar und lesbar; ein energiegeladener, fröhlicher Font, der einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt.</p>
<p><a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/mommie/?refby=mfde"><img class="alignnone size-full wp-image-618" title="hubert-jocham-mommie" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2009/11/hubert-jocham-mommie.png" alt="hubert-jocham-mommie" width="504" height="145" /></a></p>
<p>Zu Beginn seiner Laufbahn in den frühen 1980ern war Jocham fasziniert von Schwellzugschriften im <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Spencerian_Script"><em>Spencerian Style</em></a>. Das üppig-kurvenreiche Alphabet, das er für <a href="http://www.jaloufashion.com/magazines_leseditionsjalou.php?fl=en"><em>L’Officiel</em></a> (Paris) zeichnete, stellt eine freie Variation dieses Themas dar. Später wurde daraus die <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/mommie/?refby=mfde">Mommie</a>, eine schräge und gleichzeitig schicke Titelschrift. Der <em>Regular</em>-Schnitt weist extrem feine Haarlinien auf – daher immer groß einsetzen (aber nie in VERSALIEN!).</p>
<p><a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/narziss/?refby=mfde"><img class="alignnone size-full wp-image-633" title="hubert-jocham-Narziss2" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2009/11/hubert-jocham-Narziss2.png" alt="hubert-jocham-Narziss2" width="504" height="187" /></a></p>
<p>Nach der <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/mommie/?refby=mfde">Mommie</a> interessierte sich Jocham verstärkt für Schnörkel und Ornamente. Aus dieser Begeisterung heraus entstand die <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/narziss/?refby=mfde">Narziss</a>, eine neoklassizistische Headline-Schrift mit kugelförmigen Abschlüssen und Kringeln.<br />
Die Grundidee hatte ausreichend Potential, um daraus eine <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/narziss-text/?refby=mfde">Textversion</a> abzuleiten: eine eigenwillige <em>Didone</em>, die jeder Buch- oder Magazinseite eine prachtvolle Note verleiht.</p>
<p><a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/new-libris/?refby=mfde"><img class="alignnone size-full wp-image-634" title="hubert-jocham-NwLibris2" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2009/11/hubert-jocham-NwLibris2.png" alt="hubert-jocham-NwLibris2" width="504" height="180" /></a></p>
<p>Die Libris wurde ursprünglich 1997 für das Londoner Magazin <em>Frank</em> entworfen und kam später als Hausschrift für <a href="http://www.bally.ch/"><em>Bally Switzerland</em></a> zum Einsatz. <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/new-libris/?refby=mfde">NewLibris</a> ist die Retail-Version – eine klare zeitgenössische Serifenlose für Text und Headlines. Mit ihren gut lesbaren Formen und der breiten Strichstärkenpalette ist die prägnante Grotesk ideal geeignet für Editorial und Corporate Design.</p>
<p><a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/new-june/?refby=mfde"><img class="alignnone size-full wp-image-635" title="hubert-jocham-NwJune2" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2009/11/hubert-jocham-NwJune2.png" alt="hubert-jocham-NwJune2" width="504" height="171" /></a></p>
<p>Die <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/new-june/?refby=mfde">NewJune</a> hat mit ihren offenen und einfachen Formen einiges mit der <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/new-libris/?refby=mfde">NewLibris</a> gemein. Insgesamt ist das Konzept hier jedoch radikaler. Die Übergänge von Balken zu Bögen, bei denen alle überstehenden Enden gekappt wurden, ergeben ein sehr charakteristisches Bild. <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/new-june/?refby=mfde">NewJune</a> wird weltweit in Magazinen verwendet, so z.B. von <em>Harvey Nichols</em> (London) und <em>W</em> (New York).</p>
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