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	<title>MyFonts.de &#187; Creative Characters</title>
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	<description>Die deutsche Dependance von MyFonts.com</description>
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		<title>Creative Characters: Hannes von Döhren</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Jul 2010 19:58:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan Middendorp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Creative Characters]]></category>

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		<description><![CDATA[Creative Characters ist MyFonts’ beliebte Reihe monatlicher Interviews mit herausragenden Schriftgestaltern. Zum zweiten Mal erscheint eine deutschsprachige Version: diesen Monat präsentieren wir Hannes von Döhren.

Würde man den Erfolg, der Hannes von Döhren in der letzten Zeit auf MyFonts zuteil wurde, als ›beachtlich‹ bezeichnen, wäre das eine glatte Untertreibung. In nicht mal einem Jahr hat der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="http://new.myfonts.com/newsletters/cc/?refby=mfde">Creative Characters</a> </em>ist MyFonts’ beliebte Reihe monatlicher Interviews mit herausragenden Schriftgestaltern. Zum zweiten Mal erscheint eine deutschsprachige Version: diesen Monat präsentieren wir Hannes von Döhren.</p>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-1060" title="HVD_DE" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2010/07/HVD_DE-503x336.png" alt="" width="503" height="336" /></p>
<p><em>Würde man den Erfolg, der <a href="http://new.myfonts.com/person/Hannes_von_Döhren/?refby=mfde">Hannes von Döhren</a> in der letzten Zeit auf MyFonts zuteil wurde, als ›beachtlich‹ bezeichnen, wäre das eine glatte Untertreibung. In nicht mal einem Jahr hat der Berliner Designer eine ganze Reihe beeindruckender, origineller Fonts herausgebracht. Sein Repertoire reicht von der gewitzten Pseudo-Wildwest-Slab <a href="http://www.myfonts.de/2009/10/cowboyslang/">Cowboyslang</a> bis zur eben erschienenen, von Renaissance-Schriften inspirierten <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/livory/?refby=mfde">Livory</a>. Die nostalgisch angehauchten <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/brandon-grotesque/?refby=mfde">Brandon Grotesque</a> und <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/reklame-script/?refby=mfde">Reklame Script</a> haben es beide in die aktuellen Top-10 der <a href="http://new.myfonts.com/bestsellers/?refby=mfde">Bestsellerliste</a> geschafft. Seine Schriften erlauben es Hannes mittlerweile, das zu tun, von dem er nicht genug kriegen kann – noch mehr Schriften zu entwerfen.</em></p>
<p><span id="more-1053"></span></p>
<p><span class="caption"><a href="http://new.myfonts.com/newsletters/cc/201007.html?refby=mfde">English version | Zur englischen Version …</a></span></p>
<p><strong>Bevor Du Dich der Schriftgestaltung zugewendet hast, warst Du Art Director in einer Werbeagentur. Wie hast Du Deine Leidenschaft für Fonts entdeckt? Helfen Dir Deine Erfahrungen als ehemaliger Werber beim Gestalten von Schriften?</strong></p>
<p>Wie viele Typedesigner hat mich Schrift und der Umgang mit Schrift schon immer begeistert. Deshalb habe ich auch mit Grafikdesign angefangen und bin meiner Liebe zur Typografie zunehmend verfallen. Nachdem ich mich sehr viel mit der Schönheit und Ästhetik der einzelnen Formen auseinandergesetzt hatte, fing ich an, mich immer mehr für Wirkung von Schrift und Bild auf andere Menschen zu interessieren. Warum hat man bestimmte Empfindungen, wenn man Dinge betrachtet, welche grafischen Mittel sind mit welchen Emotionen verknüpft? Mich faszinierte, wie viel man durch gestalterische Bewusstheit beeinflussen kann. Das war ein Grund, weshalb ich dann vom Grafikdesign zur Werbung kam: Botschaften vermitteln, die auch ankommen. Die Liebe zur Schrift hat mich dabei immer begleitet. Schrift ist für mich auch ein Basis­bestandteil von Grafik und Werbung, sie wird oft unterschätzt und kann dabei so viel.</p>
<p><img title="HVD_World" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2010/07/HVD_World-504x300.png" alt="" width="504" height="300" /></p>
<p class="caption">Ein Einblick in Hannes von Döhrens Typo-Welt</p>
<p><strong>Wie hast Du gelernt, Fonts zu machen?</strong></p>
<p>Ich begann damit aus Spaß, in meiner Freizeit – neben meinem Job als Art Director. Ich zeichnete experimentelle Schriften, stellte diese als Freefonts ins Netz und verwendete sie für eigene Projekte. Diese Spielereien machten mir so viel Freude, dass ich mich immer mehr für Fonts und deren Technik, Regeln und Hintergründe interessierte.</p>
<p>Daraus ergaben sich dann größere Projekte, die auf klassische Schriftgestaltung abzielten. Ich schaute mir sehr viele andere Schriften an und versuchte nachzuempfinden, warum welche Schriften wie gemacht wurden. Ich interessierte mich für alles, was mit Typedesign und Fonterstellung zu tun hatte. Stück für Stück näherte ich mich dann durch all die kleinen Informations­bausteine, die ich überall aufnahm und in meiner Arbeit umsetzte, professionellen Ergebnissen. Es ist verrückt, wie sehr man über die Jahre sein Auge schult, und wie man an bestimmte Dinge ganz anders herangeht als am Anfang. Dennoch ist jedes Schriftprojekt wieder eine neue Herausforderung und eine spannende Sache, bei der man auf stets neue Probleme stößt, die es zu lösen gilt.</p>
<p><strong>Apropos Freefonts – Du hast zwischen 2005 und 2007 über ein Dutzend kostenloser Fonts veröffentlicht. Wie siehst Du diese Entwürfe heute? Behagt es Dir, dass sie nach wie vor über viele Freefont-Websites verfügbar sind?</strong></p>
<p>Ja, auch wenn ich heute total anders arbeite – für mich sind diese Schriften eine Momentaufnahme jener Zeit, in der ich sie gemacht habe. Das ist eine Art Dokumentation meines Lernprozesses. Mit jedem dieser Freefonts habe ich ein neues Experiment ausprobiert und viele Dinge dazu gelernt, und sie haben mir alle richtig Spaß gemacht.</p>
<p>Ich finde diese Freefonts auch nicht schlecht und da sie umsonst sind, ist der Verbreitungsgrad entsprechend hoch. Es freut mich immer wieder, wenn ich sie auf der Straße – zum Beispiel auf Plakatwänden – sehe. Das ist ein schönes Gefühl, da man die kommerziellen Schriften nicht so häufig irgendwo sieht.</p>
<p><a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/brandon-grotesque/?refby=mfde"><img class="aligncenter size-medium wp-image-1071" title="Brandon2" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2010/07/Brandon2-503x251.png" alt="" width="503" height="251" /></a></p>
<p class="caption"><strong>Über <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/brandon-grotesque/?refby=mfde">Brandon Grotesque</a>: </strong>Mein Vater schenkte mir einige alte Zeitschriften aus den 1920er und 30er Jahren, die er bei meinem Opa gefunden hatte und meinte, ich solle mir mal die handgezeichneten Schriften der Anzeigen anschauen. Ich war fasziniert von der Haptik und der gesamten Aura, die diese Magazine ausstrahlten – wie die Fließtexte gesetzt wurden und welche Schriftmischungen verwendet wurden! Ich wollte unbedingt auch eine Schrift mit dieser Anmutung machen. Eine geometrische Schrift, die dennoch eine gewisse Weichheit und Wärme besitzt. Durch den ›schlechten‹ Druck waren die Ecken der Textschriften leicht abgerundet – ein Gefühl, welches in der heutigen Zeit mit gestochen scharfen Druckbildern nicht mehr aufkommmt. Ich entschied mich, die Brandon mit sehr leicht abgerundeten Ecken zu versehen &#8211; sie sollte trotz ihrer Geometrie und Klarheit etwas Wärme ausstrahlen. Obwohl die Brandon mit 12 Schnitten eine relativ große Familie ist, hat jeder Schnitt seine eigene Ästhetik: die Schnitte basieren zwar aufeinander, wurden aber alle einzeln gezeichnet. So konnte ich jedem Schnitt seine eigenen Details geben.</p>
<p><strong>Im vergangenen Jahr warst Du unglaublich produktiv und hast beinahe jeden Monat eine neue Schriftfamilie herausgebracht. Wie machst Du das?</strong></p>
<p>Das alles macht mir einfach unglaublich viel Spaß, und wenn man mit Leidenschaft an Dingen arbeitet, merkt man oft gar nicht, wie viele Stunden man da sitzt. So etwas ist kein 9-to-5-Job – für mich ist es einfach eine Lebenseinstellung. So entstehen die meisten Schriften einfach ohne große Planung, ohne vorher lange darüber nachzudenken. Klar ist eine Schrift auch viel Arbeit und beinhaltet eine Menge Dinge, auf die man achten muss. Aber die Begeisterung zu sehen, wie die Schrift immer runder und vollständiger wird, treibt mich voran. Meistens kann ich es kaum erwarten, meine – bald – fertige Schrift selbst zu benutzen. Eines der besten Gefühle im Typedesign-Prozess für mich ist, das erste Mal die Schrift zu installieren und damit zu gestalten.</p>
<p>Nun bin ich seit ungefähr drei Jahren zu hundert Prozent Typedesigner, habe <a href="http://new.myfonts.com/foundry/HVD_Fonts/?refby=mfde">meine eigene Foundry</a> und arbeite jeden Tag an neuen Fonts, mache Präsentationen und Werbung für meine Schriften und erledige anfallende Büroarbeiten. Ich bin froh, diesen Weg gefunden zu haben, da mich diese Arbeit genau in den Bereichen fordert, die ich schon immer faszinierend fand: Schrift, Grafik und Werbung.</p>
<p><strong>Deine bisherigen Entwürfe sind stilistisch breit gefächert. Wie entscheidest Du, was Du als nächstes angehen willst? Hast Du schon mal eine Schrift nach einer konkreten Aufgabenstellung, einem Briefing entwickelt?</strong></p>
<p>Ich lasse mich bei meinem Schriften einfach nur davon leiten, worauf ich Lust habe und folge dem, was ich schön finde. Ich gehe einerseits gerne komplett neue Wege; experimentiere und entwickle, aber andererseits macht es mir auch Spaß, mich gestalterisch in einem engen Korridor zu bewegen und daraus dennoch etwas neues, eigenes zu entwickeln. Ich empfinde gerne nach, warum die alten Meister etwas machten, entdecke ihre genialen, manchmal verblüffenden Lösungen, freue mich darüber und lerne dazu.</p>
<p>Wenn man <a href="http://new.myfonts.com/search/tag%3ADisplay+foundry%3A%28HVD+Fonts%29/fonts/?refby=mfde">Displayschriften</a> gestaltet, ist man sehr frei, die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. <a href="http://new.myfonts.com/search/tag%3AText+foundry%3A%28HVD+Fonts%29/fonts/?refby=mfde">Textschriften</a> sind eine besondere Herausforderung, da es sehr viele Regeln zu beachten gilt und man ein geübtes Auge für Proportion und Rhythmus haben muss.</p>
<p><a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/reklame-script/?refby=mfde"><a href="http://www.myfonts.de/?attachment_id=1108"><img class="aligncenter size-full wp-image-1108" title="ReklameScript1" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2010/07/ReklameScript11.png" alt="" width="503" height="252" /></a></a></p>
<p class="caption">Die Pinsel-Schrift <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/reklame-script/?refby=mfde">Reklame Script</a> basiert auf von Hand gezeichneten Schreibschriften in Zeitschriftenanzeigen aus den 1940er und 50er Jahren</p>
<p>So genieße ich es, zwischen der Leichtigkeit und Freiheit einer Displayschrift und der Strenge und Beschränktheit einer Textschrift hin und her zu wechseln und möchte mir keines der beiden Felder nehmen lassen. Nach der langen Arbeit an einer Textschrift kann es mitunter einfach nur befreiend sein, mit einer gewissen Lockerheit mal eben eine Displayschrift zu machen.</p>
<p>Manchmal ist es auch nur ein Bild im Kopf, davon, wie die Schrift, die ich da gerade beginne, im Einsatz aussehen wird – und schon stecke ich wieder in einem neuen spannenden Projekt.</p>
<p><strong>Welche Schriftgestalter oder Grafikdesigner aus Geschichte und Gegenwart sind Deine Helden – und weshalb?</strong></p>
<p>Oh, es gibt eine ganze Menge Typedesigner, die wirklich tolle Schriften gemacht haben: zum einen die alten Klassiker wie <a href="http://new.myfonts.com/person/Claude_Garamond/?refby=mfde">Claude Garamond</a>, <a href="http://new.myfonts.com/person/William_Caslon_I/?refby=mfde">William Caslon</a>, <a href="http://new.myfonts.com/person/Giambattista_Bodoni/?refby=mfde">Giambattista Bodoni</a>, <a href="http://new.myfonts.com/person/Frederic_W._Goudy/?refby=mfde">Frederic Goudy</a> etc. Aber auch <a href="http://new.myfonts.com/person/Adrian_Frutiger/?refby=mfde">Adrian Frutiger</a> – diese Personen sind für mich die Meister, die Wege geebnet und grundsätzliche Sichtweisen festgelegt haben. Und dann gibt es die ›digitale‹ neue Generation der Typedesigner, unter denen es für mich ebenfalls herausragende Namen gibt: <a href="http://new.myfonts.com/person/Zuzana_Licko/?refby=mfde">Zuzana Licko</a>, <a href="http://new.myfonts.com/person/Xavier_Dupré/?refby=mfde">Xavier Dupré</a>, <a href="http://new.myfonts.com/foundry/Underware/?refby=mfde">Underware</a>, <a href="http://new.myfonts.com/person/Kris_Sowersby/?refby=mfde">Kris Sowersby</a> – um nur einige zu nennen, die mir gerade so einfallen. Es gibt aber noch weitaus mehr, die ich für ihre sehr guten Schriften schätze.</p>
<p><strong>Du bist als Typedesigner Autodidakt – wie denkst Du darüber, dass immer mehr Schulen eine spezielle schriftgestalterische Ausbildung anbieten? </strong></p>
<p>Das finde ich auf jeden Fall gut, junge Designer werden für das Thema Schrift sensibilisiert und erkennen die Unterschiede und Wirkung von Schriften. Wer einmal selbst versucht hat, eine Schrift zu zeichnen, der weiß, wie schwer das ist und wie viele Regeln es zu beachten gibt. Man schult sein Auge für Details. Dies alles hilft einem auch dann weiter, wenn man nicht als Typedesigner ›endet‹, sondern ins Grafikdesign oder in die Werbung geht. Schrift ist ein wichtiges Werkzeug in all diesen Bereichen. Man sollte sich stets bewusst sein über das Potential und die Bedeutung von Schriftwahl und Typografie.</p>
<p>Der Weg, sich selbst alles beizubringen, ist sicherlich komplizierter und auch schwieriger, es braucht einen langen Atem und viel Geduld. Man tritt eben schneller in Fettnäpfchen und muss sich seinen Weg selbst suchen. Der Vorteil ist vielleicht, dass man dadurch mehr seinen eigenen Stil entwickelt, da man ja keinen bestimmten Lehrer hat, der einen formt.</p>
<p><em><a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/brevia/?refby=mfde"><img class="aligncenter size-medium wp-image-1072" title="Brevia1" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2010/07/Brevia1-503x251.png" alt="" width="503" height="251" /></a></em></p>
<p class="caption"><strong>Über <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/brevia/?refby=mfde">Brevia</a>: </strong>Ich hatte in der Werbung mit vielen Unternehmen zu tun, die die Attribute <em>sympathisch, freundlich aber dennoch professionell und klar</em> vermitteln wollen. Zum Beispiel im Dienstleistungssektor, oder aber auch im Bereich des Package Designs. Eine Schrift ist ein gutes Medium, um eine solche Stimmung oder Eigenschaft zu transportieren. Mir fiel auf, dass es wenige Schriften gibt, die dieses sympathisch-freundliche mit einer gewissen Klarheit vereinen können. Pinselschriften sind oft einladend, persönlich und freundlich &#8211; ihnen fehlt aber die Seriösität, auch sind sie nicht für Mengentexte geeignet. Ich wollte mit der Brevia eine an eine Pinselschrift angelehnte Familie entwickeln, die durch ihre klare Architektur eine gewisse Seriösität besitzt. Da eine Leseschrift in ihren Gestaltungselementen sehr zurückhaltend sein sollte, war meine Herasuforderung, genau die richtige Intensität des Pinselcharakters zu finden. Man sollte ihn in Texten gerade noch fühlen &#8211; in großen Graden dagegen deutlich sehen. So war mein Gedanke, diesen Pinselcharakter je mehr zu betonen, desto fetter die Schnitte werden. Denn fettere Schnitte werden oft auch größer eingesetzt, der Charakter kann stärker betont werden.</p>
<p><strong>Als Du in der Werbung tätig warst, hast Du in Hamburg gelebt, einer der großen Businessmetropolen in Deutschland. Jetzt bist Du selbständiger Designer in Berlin – einer Stadt mit einer lebendigen Typo-Szene und unbegrenzten Ausgehmöglichkeiten, aber einer prekären wirtschaftlichen Situation. Was macht Berlin zum aktuellen Ort Deiner Wahl?</strong></p>
<p>Ich komme ursprünglich aus Berlin und habe zwei Jahre lang in Hamburg gelebt, um dort in einer Agentur zu arbeiten. Das hat mir wirklich viel Spaß gemacht und ich habe in der Zeit viel gelernt. Ich hatte allerdings oft etwas Heimweh nach Berlin, da ich die Stadt immer als mein Zuhause empfunden habe. So kam es, dass ich wieder zurückgekehrt bin in diese wirklich sehr große und vielseitige Stadt, in der ich alles haben kann was ich will, und wo auch meine Freunde zuhause sind.</p>
<p>Der Schritt in die selbständige Arbeit war für mich nicht so leicht, da es doch eine ganze Menge Unsicherheiten gab, vor allem um das Wissen alles selbst organisieren zu müssen. Allerdings muss ich heute sagen, war das eine meiner besten Entscheidungen. Es gibt mir sehr viel, selbst die Verantwortung zu übernehmen, zu entscheiden was gut und was schlecht ist und mir meine Kräfte und Zeiten selbst einzuteilen.</p>
<p><strong>Die Entscheidung, mit MyFonts zusammenzuarbeiten, hat sich für Dich ausgezahlt. Hast Du gehofft oder erwartet, dass es so kommt?</strong></p>
<p>Natürlich habe ich damit niemals gerechnet. Ich habe mit Typedesign angefangen, weil es einfach eine Leidenschaft von mir ist, Schriften anzuschauen und sie zu gestalten. Ich habe mich in den ersten Jahren mit ein paar Verkäufen meiner Displayschriften und Grafikjobs über Wasser gehalten. Nach dem Erfolg der <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/brandon-grotesque/?refby=mfde">Brandon Grotesque</a> habe ich das große Glück, mich nun mehr ausschließlich mit Typedesign zu beschäftigen. Es ist schön für mich zu sehen, dass eine Vision – ›irgendwann mal von seinen Schriften leben zu können‹ – wirklich machbar ist. Ich wusste vorher nicht, worauf ich mich einlasse und ob das funktioniert, was ich da vorhabe, aber im Moment bin ich einfach glücklich, dass ich damit weitermachen kann.</p>
<p><a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/livory/?refby=mfde"><img class="aligncenter size-medium wp-image-1063" title="Livory1" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2010/07/Livory11-503x251.png" alt="" width="503" height="251" /></a></p>
<p class="caption">Livory, eine Antiqua in vier Schnitten, mit Kapitälchen und zahlreichen Ligaturen und Ornamenten</p>
<p><strong>Die neueste HVD-Schrift heißt Livory, sie entstand als Kooperation. Wie lief das?</strong></p>
<p>An der <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/livory/?refby=mfde">Livory</a> arbeiteten <a href="http://new.myfonts.com/person/Livius_Dietzel/?refby=mfde">Livius Dietzel</a> und ich rund fünf Jahre. Natürlich nicht durchgängig, aber bereits 2005 fingen wir mit den ersten Skizzen dafür an. Wir wollten die Proportionen einer klassischen <a href="http://new.myfonts.com/tags/Garalde/?refby=mfde">Renaissance-Antiqua</a> nachempfinden und dabei eine unverkennbare Weichheit durch schwungvolle Formen und das ›Schmelzen‹ der Glyphen erreichen. Wir begannen mit dem Projekt, als ich noch in Hamburg war. Fast täglich schickten wir uns neue bzw. geänderte Buchstaben über E-Mail hin und her. Nachdem die erste Version dann Ende 2006 fertig war, wanderte sie erst einmal in die Schublade – weil wir nicht wussten, was wir damit machen wollten. Zwei Jahre später – ich war bereits wieder in Berlin – holten wir sie wieder hervor und mussten feststellen, dass sich unser Level und Anspruch in den Jahren doch ganz schön geändert hatte. Wir zeichneten fast alle Buchstaben neu, es entstand eine neue Livory. Diese musste dann noch einmal circa ein Jahr in der Schublade reifen, um dann 2010 in ihrer finalen Version veröffentlicht zu werden. Dafür wurde die Livory erneut überarbeitet und zu einem Pro-Font ausgebaut; inklusive Kapitälchen, 50 Ligaturen und 25 Ornamenten – das macht insgesamt <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hvdfonts/livory/regular/characters.html?refby=mfde">780 Glyphen pro Schnitt</a>. Sie ist durch ihren Rhythmus und ihre Proportion zu einer idealen Leseschrift gereift. Für größere Grade stehen eine Menge besonderer Ligaturen zur Verfügung.</p>
<p>Mehr HVD-Fonts auf MyFonts.de:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.myfonts.de/2009/10/cowboyslang/">Cowboyslang</a></li>
<li><a href="http://www.myfonts.de/2010/01/aktion-hvd-bumper/">Bumper</a> (Die Aktion wurde bereits beendet)</li>
</ul>
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		<title>Creative Characters: Hubert Jocham</title>
		<link>http://www.myfonts.de/2009/11/hubert-jocham/</link>
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		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 15:08:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan Middendorp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Creative Characters]]></category>

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		<description><![CDATA[
Creative Characters ist MyFonts’ beliebte Reihe monatlicher Interviews mit herausragenden Schriftgestaltern. Diesen Monat präsentieren wir zum ersten Mal eine deutschsprachige Version des Interviews – und es ist kein Zufall, dass wir die Ausgabe mit Hubert Jocham dafür ausgewählt haben:
Er ist einer der produktivsten deutschen Schriftgestalter und hat einige der hierzulande bekanntesten Logos entworfen. Seine eleganten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-medium wp-image-601" title="cc-hubert-jocham-portrait" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2009/11/cc-hubert-jocham-portrait-504x387.jpg" alt="cc-hubert-jocham-portrait" width="504" height="387" /></p>
<p><em><a href="http://new.myfonts.com/newsletters/cc/?refby=mfde">Creative Characters</a> </em>ist MyFonts’ beliebte Reihe monatlicher Interviews mit herausragenden Schriftgestaltern. Diesen Monat präsentieren wir zum ersten Mal eine deutschsprachige Version des Interviews – und es ist kein Zufall, dass wir die Ausgabe mit Hubert Jocham dafür ausgewählt haben:</p>
<p><em>Er ist einer der produktivsten deutschen Schriftgestalter und hat einige der hierzulande bekanntesten Logos entworfen. Seine eleganten Buchstabenformen zieren Zeitschriften in aller Welt. Bei <a href="http://new.myfonts.com/?refby=mfde">MyFonts</a> werden <a href="http://new.myfonts.com/foundry/Hubert_Jocham_Type/?refby=mfde">seine Schriften</a> ständig erfolgreicher. Dennoch bleibt er bescheiden  – Ruhm und Ehre sind ihm nicht so wichtig. Lernen Sie <a href="http://new.myfonts.com/foundry/Hubert_Jocham_Type/?refby=mfde">Hubert Jocham</a> kennen …</em></p>
<p><span id="more-596"></span></p>
<p><span class="caption"><a href="http://new.myfonts.com/newsletters/cc/200911.html?refby=mfde">English version | Zur englischen Version …</a></span></p>
<p><strong>Hubert, Du warst einer der letzten in Deutschland, die noch eine Setzerlehre durchlaufen haben. Selbst den Handsatz mit Bleilettern hast Du noch erlernt. War das eine bewusste Entscheidung – und hat Dir das in Deiner späteren Karriere geholfen?</strong></p>
<p>Damals war es alles andere als glorreich, sich als der letzte in einer veralteten Technik ausbilden zu lassen. Alle anderen arbeiteten auf den Satzsystemen von <em>Linotype</em> und <em>Berthold</em>. Und natürlich habe ich das so nicht geplant. Ich hatte mit 17 wenig Ahnung worauf ich mich einließ. Nach der Ausbildung habe ich den Beruf des Bleisetzers, aufgrund des folgenden Studiums in Grafik-Design, nicht mehr lange ausgeübt. Nach und nach erkannte ich, wie umfassend und nachhaltig mich der Beruf des Schwarzkünstlers prägte. Und da gibt es wohl wenige in meinem Alter, die das noch erfahren konnten.</p>
<p><strong>Beim Abschlussprojekt Deines Studiums hast Du Dich mit den Kursivschriften der Renaissance beschäftigt. Was hast Du dabei gelernt?</strong></p>
<p>Während meines Designstudiums hatte ich viel über Schrift gelernt und die <a href="http://www.hs-augsburg.de/gestaltung/">Augsburger Schule</a> hat da bis heute vergleichsweise sehr viel zu bieten. Ich hatte jedoch nie eine Schrift entworfen. Die Beschäftigung mit der Kursive der Renaissance war ein Glücksgriff. Denn man muss die Kursive immer im Verhältnis zur Aufrechten betrachten. So lernte ich neben all den geschichtlichen Analysen sehr viel über das Verhältnis von Druckschrift und Handschrift, Statik und Dynamik, und – ganz wichtig – über Konvention und Formwille. Viele Erkenntnisse von damals prägen noch heute meine Arbeit.</p>
<p><strong>Du hast recht bald eine internationale Karriere als Lettering-Künstler und Gestalter von maßgeschneiderten Satzschriften gestartet. Wie kam es dazu?</strong></p>
<p>Nach meinem Abschluss arbeitete ich für verschiedene Design- und Werbeagenturen in Deutschland, und in meiner Freizeit fing ich an, Schriften zu zeichnen. 1996 ging ich dann für einen Monat nach London und versuchte, mit den berühmten Designern in Kontakt zu kommen, um ihnen meine Dienste anzubieten. Es kam zu ein paar Gesprächen, aber die meisten riefen nie zurück. Nur <a href="http://www.hdk.gu.se/sv/personal/martin-farran-lee">Martin Farran Lee</a>, ein Editorial Designer, der später Art Director für das Magazin <em>Arena</em> wurde. Er brauchte einen Extralight-Schnitt einer Schrift für eine Publikation, an der er gerade arbeitete. Also zog ich mein altes PowerBook aus der Tasche und begann mit ein paar Skizzen. Es beeindruckte ihn, wie rasch die Dinge Form annahmen, und die nächsten Tage verbrachte ich damit, den Font fertigzustellen. Alle Kontakte, die ich später in der Magazinbranche knüpfen konnte, ergaben sich im Grunde aus diesem einen Treffen. (Heute ist Martin Professor in Göteborg, im Februar werde ich dort einen Logo-Workshop geben.)</p>
<p><img class="alignnone size-medium wp-image-604" title="BArenaB" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2009/11/BArenaB-504x354.jpg" alt="BArenaB" width="504" height="354" /></p>
<p class="caption">Buchstaben von Hubert Jocham in der Londoner Zeitschrift <em>Arena</em></p>
<p>Ein Jahr später wollte ich aus persönlichen Gründen für eine Weile raus aus Deutschland und beschloss, mein Glück erneut in London zu versuchen. Ich sprach mit <a href="http://new.myfonts.com/person/G%C3%BCnter_Gerhard_Lange/?refby=mfde">Günter Gerhard Lange</a>, dem Type Director bei <a href="http://new.myfonts.com/foundry/H._Berthold_AG/?refby=mfde"><em>Berthold</em></a>. Er sagte, ich müsse mich entscheiden, was ich sein will: entweder Schriftgestalter oder Grafikdesigner. Er riet mir, zu <em>Henrion Ludlow &amp; Schmidt</em> in London zu gehen, um dort im Corporate Branding zu arbeiten. Langes Empfehlung öffnete mir die Türen zum Branding-Geschäft, und ich arbeitete ein Jahr lang bei <em>Henrion</em>. Glücklicherweise entdeckte man dort, dass ich gut in der Entwicklung von Schriftzügen, Symbolen und Piktogrammen war, was mich vor der Arbeit an Corporate-Identity-Handbüchern bewahrt hat. Allerdings war ich gegen Langes Rat parallel für die Zeitschriften <em>Frank</em> und <a href="http://www.arenamagazine.co.uk/"><em>Arena</em></a> tätig und gestaltete Text- und Displayschriften.</p>
<p>Durch die Beziehungen, die ich in London knüpfte, war ich bald auch für Magazine in den USA und anderen Ländern tätig. Auf der anderen Seite bauten sich auch die Kontakte im Branding immer mehr aus. So verbringe ich bis heute bestimmt die Hälfte meiner Arbeitszeit mit der Gestaltung von Produkt- und Unternehmensmarkenzeichen für große Netzwerkagenturen wie <a href="http://interbrand.com/"><em>Interbrand</em></a>, <a href="http://www.landor.com/"><em>Landor</em></a> oder <a href="http://www.thebrandunion.com/"><em>The Brand Union</em></a> (früher <em>Enterprise IG</em>). Die Erfahrung im Publishing und Branding ist für meinen Schriftentwurf sehr wertvoll. Ich weiß recht genau, welche Schriften die Designer brauchen.</p>
<p><strong>Innerhalb der Typoszene Deutschlands bist Du eher ein Außenseiter. Findest Du das auch?</strong></p>
<p>Ja, auf jeden Fall. <a href="http://new.myfonts.com/foundry/FontFont/?refby=mfde"><em>FontShop</em></a> und das Umfeld von <a href="http://new.myfonts.com/person/Erik_Spiekermann/?refby=mfde">Erik Spiekermann</a> okkupierten lange Zeit einen großen Teil dessen, was international als deutsches Schriftdesign galt. Wie schon erwähnt, bin ich für fast alle Branding-Netzwerke tätig – war es aber noch nie für Agenturen aus eben genanntem Umfeld.<br />
Dann lebe ich auch noch in Bayern, weit weg von Berlin. Es gibt da einfach bisher wenig Berührungspunkte.</p>
<p><strong>Hast Du Helden im deutschen oder internationalen Schriftdesign, oder gibt es Bewegungen, denen Du Dich besonders verbunden fühlst?</strong></p>
<p>Ich habe da leider keine Helden. Ich schätze die Arbeit von vielen. Ich mag es, wenn eine Schrift Charakter und Kraft hat, ohne allzu originell zu sein. Ich arbeite mich gerne in fremde Traditionen ein und versuche sie neu zu interpretieren. Ich sammle Regeln, wie <a href="http://new.myfonts.com/person/William_Addison_Dwiggins/?refby=mfde">Dwiggins</a>’ <a href="http://typophile.com/node/18643">Marionettenprinzip</a> oder <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Tschichold">Tschicholds</a> Ansichten über das, was schön und hässlich ist. Ein gewisses Maß an Humor braucht man da schon, denn Schriftdesigner sind in der Tendenz schon recht schräge Vögel, die schnell mal alles nur schwarz oder weiß sehen. Alles was mir hilft zu verstehen, wie Schriften funktionieren, ist gut.</p>
<p><strong>Deine Lettering-Entwürfe für Markenzeichen und Magazine haben oft einen kalligraphischen Touch, viele Deiner Satzschriften ebenso. Wieviel davon ist tatsächlich von Hand geschrieben oder mit Tusche auf Papier gezeichnet? Kannst Du beschreiben, in welchen Schritten Du von einer ersten Idee zu einem fertigen digitalen Produkt gelangst?</strong></p>
<p>Es ist eigentlich kaum etwas geschrieben. Gerade die <a href="http://www.hubertjocham.de/page.php/brands/">Markenzeichen</a> wie <em>Hertie</em> sind skizziert.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-629" title="hubert-jocham-hertie" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2009/11/hubert-jocham-hertie1.gif" alt="hubert-jocham-hertie" width="504" height="140" /></p>
<p class="caption">Das <em>Hertie</em>-Logo</p>
<p>Im Englischen würde man es als Lettering bezeichnen. Ich skizziere nach dem Prinzip von <a href="http://books.google.com/books?id=sR9g5xPPJVQC&amp;pg=PA150&amp;dq=acclaimed+%27Haagse&amp;ei=wzQES5SLCKDAzQSZk5jNBw&amp;#v=onepage&amp;q=acclaimed%20'Haagse&amp;f=false">Gerrit Noordzij</a>. Erst mit dem Bleistift im Winkel der Feder, um die Strichstärken zu erreichen und danach ergänze ich die Kontur. Wenn man dies schnell macht, ist es fast schreiben.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-608" title="hubert-jocham-scribble" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2009/11/hubert-jocham-scribble.jpg" alt="hubert-jocham-scribble" width="504" height="504" /></p>
<p class="caption">Skizzen nach der Gerrit-Noordzij-Methode</p>
<p>Bei einer Serifenlosen oder selbst bei einer Antiqua skizziere ich fast nie. Da arbeite ich fast immer gleich in <a href="http://www.fontlab.com/font-editor/fontlab-studio/">FontLab</a>. Diesen kalligraphischen Touch gibt es auch nicht immer in meinen Schriften. Die <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/new-libris/?refby=mfde">NewLibris</a> beispielsweise hat davon nicht sehr viel. Auch andere Schriften wie die <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/granat/?refby=mfde">Granat</a> wirken eher konstruiert als kalligraphisch.</p>
<p><strong>Viele Deiner über MyFonts erhältlichen Schriften sind Schreibschriften, die sich gut für Verpackungsdesign eignen. Ist das ein besonderes Interessengebiet von Dir?</strong></p>
<p>Das interessiert mich sehr, weil ich sehr oft an Produktmarkenzeichen arbeite und viele Packaging Designer kenne. Dabei sprechen wir oft darüber, dass auf einer Packung selbstbewusste Pinselschriften benötigt werden. Vor ein paar Jahren gab es da kaum ein Angebot. Alle benutzten die <a href="http://new.myfonts.com/fonts/apple/textile/?refby=mfde">Textile</a>. Mittlerweile habe ich schon <a href="http://new.myfonts.com/search/designer%3A%22Hubert+Jocham%22+tag%3Abrush/fonts/?refby=mfde">7 verschiedene Pinselschriften entworfen</a>, die alle bei <a href="http://new.myfonts.com/search/designer%3A%22Hubert+Jocham%22+tag%3Abrush/fonts/?refby=mfde">MyFonts</a> erhältlich sind.</p>
<p><strong>Seit kurzem bietest Du auf MyFonts auch vermehrt textorientierte Schriftfamilien an, und in einer Deiner Beschreibungen offenbarst Du, dass Deine wahre Liebe den Textschriften gilt. Was macht das Gestalten solcher Schriften so reizvoll?</strong></p>
<p>Textschriften sind konzentrierte Kultur. Schrift ist immer noch das wichtigste Medium. Viele Menschen gehen damit um. Bei einer Textschrift geht es um so weniger um die einzelnen Elemente, je kleiner sie wird. Das ist bei einer Serifenlosen noch vergleichsweise einfach. Eine klassische Antiqua hingegen muss sehr komplex komponiert werden. Es ist eine sehr reizvolle Aufgabe. Dabei liegt es mir immer am Herzen, mit meinen Textschriften auf die Anforderungen moderner Gestaltung einzugehen.</p>
<p><strong>Du deckst eine breite Stilpalette ab und bist den Trends offenbar immer dicht auf den Fersen. Gefällt Dir der modische Aspekt von Typografie? Ist es Dir wichtig, schnell auf das zu reagieren, wonach der Markt momentan zu verlangen scheint?</strong></p>
<p>Oh, das ist interessant. Eigentlich versuche ich immer zu vermeiden, jedem Trend zu folgen. Allerdings arbeite ich sehr viel für Magazine – vor allem Modemagazine – und gestalte spezielle Displayfonts. Die <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/mommie/?refby=mfde">Mommie</a> hatte ich ja zuerst für die französische Zeitschrift <em>L’Officiel</em> gestaltet.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-605" title="hubert-jocham-LOfficiel" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2009/11/hubert-jocham-LOfficiel.jpg" alt="hubert-jocham-LOfficiel" width="394" height="501" /></p>
<p class="caption">Aus diesem Titel für <em>L’Officiel</em> entstand später die <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/mommie/?refby=mfde">Mommie</a></p>
<p>Auch die <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/narziss/?refby=mfde">Narziss</a> war ursprünglich zuerst für ein Modemagazin vorgesehen, das jedoch nie produziert wurde. Zeitschriften sind einfach ein wunderbares Medium, um Schriften auszuprobieren. Und dann beschäftigt man sich plötzlich mit Dingen, auf die man sonst nie gekommen wäre. Gerade das tut mir sehr gut als Schriftdesigner, der ja sonst langsam zum schrulligen Eremiten mutiert, wenn er nicht ab und zu gezwungen ist, über seinen Tellerrand rauszusehen.</p>
<p><strong>Du hast einige der bekanntesten deutschen Logos gestaltet. Wie kommt man zu einem erfolgreichem Logo?</strong></p>
<p>Erfolgreich ist ein gutes Stichwort. Das <a href="http://hertie.de/"><em>Hertie</em></a>-Logo, eines meiner Lieblinge, <a href="https://einzelhandel.verdi.de/unternehmen/hertie/hertie-aktion-27-08.09">wurde gerade erst symbolisch in der Spree versenkt</a>. Das tut weh. <span class="caption">[Anm. d. Redaktion: Der <em>Hertie</em>-Schriftzug wurde – dank des <a href="http://www.buchstabenmuseum.de/">Berliner Buchstabenmuseums</a> – nach der symbolischen Seebestattung in der Spree mit Hilfe der Gewerkschaft <em>ver.di</em> und der <em>Hertie</em>-Mitarbeiter wieder ins Trockene gebracht und in die Sammlung des Museums aufgenommen.]</span> Man hat als Designer einfach wenig Einfluss auf den Erfolg eines Unternehmens. Es gibt da so viele andere Faktoren. Wenn ich an einer Markenzeichenentwicklung arbeite, mache ich mir über den möglichen Erfolg wenig Gedanken. Es geht meist darum, eine Marke angemessen zu modernisieren oder in verschiedenen Anmutungsrichtungen, ausgehend von einer Positionierung, zu entwickeln. Dabei schaffe ich für den Kunden zuerst eine Palette von Optionen in Form einer Evolution vom bestehenden Markenzeichen bis zu revolutionären Neuansätzen. Durch die Zwischenschritte merkt der Kunde dann sehr genau, wo er steht, und kann entscheiden, wo es hin gehen soll.<br />
Viele Kunden sind für diese Vorgehensweise sehr dankbar, denn sie fühlen sich in ihrem Entscheidungsprozess ernst genommen. Es geht nicht darum, dem Kunden was schönes anzudrehen, sondern ihm einen maßgeschneiderten Anzug zu verkaufen, in dem er sich wohlfühlt und dann hoffentlich erfolgreich ist.</p>
<p><strong>Gibt es für Dich als Schriftkünstler und Typedesigner eine Art Wunsch oder Traum – eine Errungenschaft, die sozusagen das i-Tüpfelchen darstellen würde?</strong></p>
<p>Das Gestalten von Schriften fällt mir mittlerweile sehr leicht. Es ist eine Leidenschaft. Und es bedeutet, dass ich eine Schrift, die ich mir erträume zu machen, einfach mache. Wünschen tut man sich ja meinst Dinge, die man entweder nicht selbst bestimmen kann, oder zu denen man sein Leben ändern muss. Was die Dinge angeht, die ich nicht selbst bestimmen kann: dazu gehört z. B., bei großen Branding-Projekten nicht nur die Markenzeichen zu gestalten, sondern immer mehr auch die Corporate-Design-Schriften zu entwerfen.<br />
Dinge, zu denen ich mein Leben ändern müsste – es klingt vielleicht paradox, aber ich wünsche mir ein paar Schriften weniger zu entwerfen, und mehr zu lernen, über verschiedene Schrift-Themen zu reden und zu schreiben, Workshops abzuhalten oder ein Buch über die unterschiedlichen Herangehensweisen im Schriftdesign zu schreiben. Wie oben schon erwähnt, die gesammelten losen Regeln verschiedener Schriftdesigner zu sammeln und Interessierten als Basis zur Verfügung zu stellen.</p>
<p><strong>Das klingt nach einem interessanten Vorhaben. Wir hoffen, dass Du es bald angehen kannst. Vielen Dank!</strong></p>
<p>~</p>
<h2>Schriften von Hubert Jocham</h2>
<p><a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/flavour/?refby=mfde"><img class="alignnone size-full wp-image-631" title="hubert-jocham-Flavour2" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2009/11/hubert-jocham-Flavour21.png" alt="hubert-jocham-Flavour2" width="504" height="103" /></a></p>
<p>Die <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/flavour/?refby=mfde">Flavour</a> ist eine kräftig-köstliche Pinselschrift. Ihr Alleinstellungsmerkmal: fünf Stärken, von <em>Light</em> bis <em>Bold</em>. Die Strichstärken-Stufen liegen dicht beieinander, was von Vorteil ist, wenn man großen und kleinen Text optisch ähnlich erscheinen lassen will. Hervorragend geeignet für Verpackungen und Produkt-Branding.</p>
<p><a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/schoko/?refby=mfde"><img class="alignnone size-full wp-image-632" title="hubert-jocham-Schoko2" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2009/11/hubert-jocham-Schoko2.png" alt="hubert-jocham-Schoko2" width="504" height="97" /></a></p>
<p>Wie der Name schon verrät, ist auch die <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/schoko/?refby=mfde">Schoko</a> eine großartige Schrift für Lebensmittel-Verpackungen. Sie ist spontan und dabei doch klar und lesbar; ein energiegeladener, fröhlicher Font, der einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt.</p>
<p><a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/mommie/?refby=mfde"><img class="alignnone size-full wp-image-618" title="hubert-jocham-mommie" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2009/11/hubert-jocham-mommie.png" alt="hubert-jocham-mommie" width="504" height="145" /></a></p>
<p>Zu Beginn seiner Laufbahn in den frühen 1980ern war Jocham fasziniert von Schwellzugschriften im <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Spencerian_Script"><em>Spencerian Style</em></a>. Das üppig-kurvenreiche Alphabet, das er für <a href="http://www.jaloufashion.com/magazines_leseditionsjalou.php?fl=en"><em>L’Officiel</em></a> (Paris) zeichnete, stellt eine freie Variation dieses Themas dar. Später wurde daraus die <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/mommie/?refby=mfde">Mommie</a>, eine schräge und gleichzeitig schicke Titelschrift. Der <em>Regular</em>-Schnitt weist extrem feine Haarlinien auf – daher immer groß einsetzen (aber nie in VERSALIEN!).</p>
<p><a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/narziss/?refby=mfde"><img class="alignnone size-full wp-image-633" title="hubert-jocham-Narziss2" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2009/11/hubert-jocham-Narziss2.png" alt="hubert-jocham-Narziss2" width="504" height="187" /></a></p>
<p>Nach der <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/mommie/?refby=mfde">Mommie</a> interessierte sich Jocham verstärkt für Schnörkel und Ornamente. Aus dieser Begeisterung heraus entstand die <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/narziss/?refby=mfde">Narziss</a>, eine neoklassizistische Headline-Schrift mit kugelförmigen Abschlüssen und Kringeln.<br />
Die Grundidee hatte ausreichend Potential, um daraus eine <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/narziss-text/?refby=mfde">Textversion</a> abzuleiten: eine eigenwillige <em>Didone</em>, die jeder Buch- oder Magazinseite eine prachtvolle Note verleiht.</p>
<p><a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/new-libris/?refby=mfde"><img class="alignnone size-full wp-image-634" title="hubert-jocham-NwLibris2" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2009/11/hubert-jocham-NwLibris2.png" alt="hubert-jocham-NwLibris2" width="504" height="180" /></a></p>
<p>Die Libris wurde ursprünglich 1997 für das Londoner Magazin <em>Frank</em> entworfen und kam später als Hausschrift für <a href="http://www.bally.ch/"><em>Bally Switzerland</em></a> zum Einsatz. <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/new-libris/?refby=mfde">NewLibris</a> ist die Retail-Version – eine klare zeitgenössische Serifenlose für Text und Headlines. Mit ihren gut lesbaren Formen und der breiten Strichstärkenpalette ist die prägnante Grotesk ideal geeignet für Editorial und Corporate Design.</p>
<p><a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/new-june/?refby=mfde"><img class="alignnone size-full wp-image-635" title="hubert-jocham-NwJune2" src="http://www.myfonts.de/wp-content/uploads/2009/11/hubert-jocham-NwJune2.png" alt="hubert-jocham-NwJune2" width="504" height="171" /></a></p>
<p>Die <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/new-june/?refby=mfde">NewJune</a> hat mit ihren offenen und einfachen Formen einiges mit der <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/new-libris/?refby=mfde">NewLibris</a> gemein. Insgesamt ist das Konzept hier jedoch radikaler. Die Übergänge von Balken zu Bögen, bei denen alle überstehenden Enden gekappt wurden, ergeben ein sehr charakteristisches Bild. <a href="http://new.myfonts.com/fonts/hubertjocham/new-june/?refby=mfde">NewJune</a> wird weltweit in Magazinen verwendet, so z.B. von <em>Harvey Nichols</em> (London) und <em>W</em> (New York).</p>
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