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Rosenbaum

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Es war einmal ein Schriftgestalter namens Andreas Stötzner, der hatte sich vorgenommen, eine Familie zu schaffen, die möglichst viele Schriftzeichen stilistisch vereint. Für sein signografisches Endlos-Projekt namens Andron hatte der Sachse bereits viele tausend Glyphen gezeichnet: lateinische, griechische und kyrillische Buchstaben, mittelalterliche Kürzel, Runen und Hieroglyphen, Planetensymbole, Tierkreiszeichen und vieles mehr. Die vor mehr als zehn Jahren begonnene Riesenfamilie wurde immer weiter ergänzt, zuletzt um eine Stilvariation mit Anleihen aus dem Formenschatz der Frakturschriften. Doch um die Andron soll es in dieser Fontschau nicht gehen. Nein, dies ist die Geschichte von der Rosenbaum.



Als Stötzner vor einiger Zeit auf dem Fachforum Typophile.com einen Entwurf für einen serifenlosen Zweig – eine Andron-Sans – präsentierte, entspann sich schnell eine kleine, nicht bierernst geführte Diskussion, welche Erweiterungen denn noch denkbar wären. Unser heutiges typografisches Denkschema ist zweigeteilt: mit oder ohne Serifen. Einst jedoch wurden die Spielarten des lateinischen Alphabets in drei Gruppen unterschieden: Antiqua, Kursive und Gotisch. Wäre da eine Andron-Fraktur nicht naheliegend – eine Variation mit gebrochenen Formen?


Auch nach der Trikameralität wurde gefragt – ein System, das neben den Klein- und Großbuchstaben auch eine Zwischengröße von Mittelbuchstaben kennt (siehe dazu die Fontschau zur Lapidaria). »Soweit so schräg«, kommentiert Stötzner. Noch abwegiger als diese erwähnten Aspekte war ein Gedanke, der ihm dabei nur kurz und mehr oder weniger zusammenhanglos durch den Sinn huschte: eine klassizistische Fraktur-Unziale! Auf die Erwähnung hin schrieb ein Diskutant aus Island: »… wenn ich wieder bei Bewusstsein bin, versuche ich mir vorzustellen, wie das aussehen soll.«

Nun, da der Gedanke im Raum stand, war es an Stötzner, sich vorzustellen, wie dieses schrifthistorische Unding – so authentisch wie ein Wolpertinger – wohl aussehen könnte. »Ich erinnerte mich an mittelalterliche Unzial-Handschriften, die mit fast waagerechter Breitfeder geschrieben sind, so dass sich ein kontrastreicher Duktus ergibt, der fast wie Bodoni wirkt. Diese Entdeckung war im Gehirn irgendwie hängengeblieben.«

Geschriebene Unziale – eine der Inspirationen zur Rosenbaum. Foto: Andreas Stötzner

Und noch eine andere Schrift kam ihm wieder in den Sinn, die fantastisch ornamentale Fleischmann-Gotisch, die ebenfalls einen scharfen klassizistischen Duktus aufweist; sie ist vor einigen Jahren von Ingo Preuß digitalisiert worden. Wohlgemerkt – von Vorbildern möchte Stötzner hier keinesfalls sprechen, vielmehr von Anregungen.

Neben den Buchstaben für alle eurolateinischen Sprachen enthalten beide Fonts Ziffern und Währungszeichen, Satzzeichen, Ligaturen, eine Handvoll Ornamente sowie einige Federzüge, die in direkter Kombination mit den Schriftzeichen anzuwenden sind.

Eine mögliche Anwendung könnten neben Namenszügen, Titelzeilen, Logos und Verpackungen auch Initialen sein, also vergrößerte Anfangsbuchstaben zur Markierung eines Artikel- oder Kapitelbeginns. Wem die gewöhnliche Rosenbaum dafür zu wenig geschmückt sind, kann auf einen zweiten Schnitt zurückgreifen: Rosenbaum Rose enthält blumigere Versalien.

Aus dieser Laune heraus entstanden ein paar erste Glyphen. Die Idee, so abwegig sie auch klingen mochte, bereitete großes Vergnügen. Ende November war die Eskapade bereits soweit fortgeschritten, dass ein erstes Pröbchen gezeigt werden konnte. Dann war Advent und dann kam Weihnachten – »zu Weihnachten darf man auch mal naschen«, sagte sich Stötzner.

Seit Mitte Januar ist die klassizistische Unzial-Fraktur unter dem Namen Rosenbaum bei MyFonts erhältlich. Und wenn sie nicht gelöscht worden ist, so ist sie das noch heute.

Andreas Stötzner fasst seine Rosenbaum als ausdrücklich eklektizistische Konzept-Schrift auf: »In der Biologie nennt man sowas Kreuzung, in der Musik oder beim Kochen cross-over. Dem Puristen mag es die Fußnägel hochrollen, aber für uns, die wir immermal eine neue Idee brauchen, bietet es noch unausgelotete Möglichkeiten, verschiedene Stile und Modelle unbegrenzt miteinander zu kombinieren. Wer weiß, was als nächstes kommt.«

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