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Schwedische Post würdigt Schriftgestaltung mit Sonderbriefmarken


Seit der Erfindung des Postwertzeichens im Jahre 1840 gab es wohl noch keine Briefmarke, die ganz ohne Schrift auskommt. Meist ist darauf zumindest der Frankierwert und die Landesbezeichnung zu lesen, viele Marken sind sogar rein typografisch gestaltet. Dass aber die Schrift selbst im Mittelpunkt steht, war bislang nie der Fall. Die schwedische Post erweist sich nun als wegweisend: Gestern veröffentlichte sie einen Satz Sonderbriefmarken zum Thema Schrift und würdigt damit die Bedeutung von Typedesign für die visuelle Kultur. Die Serie »Typsnitt« stellt das Schaffen schwedischer Schriftgestalter anhand von fünf Beispielen aus verschiedenen Epochen vor.


Die älteste der philatelistisch verewigten Schriftarten ist die Berling Antikva. Sie wurde von Karl-Erik Forsberg entworfen und erschien 1951 für den Bleisatz. Dank ihrer klassischen Proportionen und einer angenehmen Lesbarkeit fand sie eine derart große Verbreitung, dass manche sie gar als die schwedische Schrift schlechthin bezeichnen. 2004 kam mit der Berling Nova eine überarbeitete digitale Version auf den Markt, die optimierte Schnitte für Text- und Displaygrößen umfasst.


Die Sispos kann als das schwedische Gegenstück zur deutschen DIN-Schrift bezeichnet werden. Sie wurde 1973 vom SIS (Swedish Standards Institute) eingeführt und prägte durch ihren landesweiten Einsatz für Beschilderungen das typografische Gesicht Schwedens. Entworfen wurde sie von Bo Berndal. Unter dem Namen Bosis ist eine digitale Variante erhältlich.


Im selben Jahr erschien die Traffic von Tom Hultgren. Die an den ultra-geometrischen Bauhaus-Stil anknüpfende Posterschrift repräsentiert ein Jahrzehnt, in dem die Jugendkultur nach einem adäquaten grafischen Ausdruck für ihre neugewonnene Freiheit suchte. Zahlreiche Flyer und Plattencover wurden mit den von Letraset vertriebenen Rubbelbuchstaben der Traffic gestaltet.


Die Indigo Antiqua wurde 1999 fertiggestellt und im Jahr darauf gleich für eine Bibel-Ausgabe eingesetzt. Johan Ström wollte eine Textschrift schaffen, die sich einerseits auf die Formen des 15. und 16. Jahrhunderts bezieht, andererseits nicht zu fragil für die heutigen Reproduktions­techniken daherkommt. Dabei hatte er nicht eine historische Vorlage vor Augen, sondern ließ verschiedene Quellen miteinfließen, darunter die Schriften von Guillaume le Bé, Christoffel van Dijck, Miklós Kis und Peter de Walpergen. Indigo ist ein echter Geheimtipp unter den Buchschriften. Die Pro-Version im OpenType-Format ist derzeit nur über Elsner+Flake erhältlich.


Für den Ersttagsstempel der Serie wurde die Satura verwendet (siehe auch das Bild ganz oben). Sie ist die jüngste Schrift, der eine Briefmarke gewidmet ist. Satura entsprang einer Kooperation der Designer Göran Söderström und Peter Bruhn. Am Anfang stand die Idee, eine Schrift mit »falschem« Strichstärken­wechsel zu machen: Jene Elemente, die gewöhnlicherweise fein ausfallen, wurden verstärkt – und umgekehrt. Das Ergebnis ist eine einzigartige Suite, deren Einzelschnitte sich untereinander spielerisch kombinieren lassen. Als Entwurf, der direkt am Computer entstand und online vertrieben wird, steht die Satura stellvertretend für aktuelles digitales Typedesign im Allgemeinen und die aktive schwedische Szene im Besonderen.

Die Gestaltung der Briefmarken wurde vom Stockholmer Designer Gustav Mårtensson konzipiert. Als Druckverfahren kam der Stichtiefdruck zum Einsatz, den Stahlstich besorgten Piotr Naszarkowski und Lars Sjööblom. Mit einem Nennwert von 12 Kronen eignen sich die Marken zum Frankieren von Briefen und Grußkarten ins Ausland. Sammler und Schriftliebhaber können sie telefonisch (+46 10 436 68 19) oder über den Webshop der schwedischen Post beziehen (Issues 2012 → Font).

Ob wohl eines Tages auch die Deutsche, die Österreichische oder die Schweizerische Post die kulturelle Relevanz von Schriftgestaltung erkennt und ihr eine Briefmarkenausgabe widmet? Wollen wir es hoffen!

Quelle: Posten Abbildungen: Sveriges Filatelist Förbund

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