MyFonts.de

Menü Twitter

MyFonts.de ist die deutschsprachige Dependence von MyFonts.com, der weltgrößten Bibliothek digitaler Schriften.

Schriften kaufen →

Henriette, Schriftfamilie mit Wiener Blut

Diese Schrift testen …

Wenn eine neue Schrift von den Typejockeys herauskommt, ist das jedes Mal ein Ereignis. Das Trio aus Wien ist nicht eben bekannt dafür, möglichst viel und schnell zu produzieren: Ihre letzte Veröffentlichung, die sympathische Displayschrift Aniuk, ist schon seit zwei Jahren auf dem Markt. Dass die Designer sich für jede Schriftfamilie die nötige Zeit nehmen, zahlt sich jedoch aus. Die Schriften der Typejockeys sind nicht nur funktionell und formschön, sie haben auch Inhalt; sie sind Träger einer typografischen Kultur. Auch ihr neuestes Werk namens Henriette ist ein solcher Fall. Mit ihr ist Michael Hochleitner eine charaktervolle Gebrauchsschrift gelungen, die ihre Herkunft – die Straßen von Wien – nicht auf der Stirn trägt.

Michael Hochleitner und Thomas Gabriel bilden zusammen zwei Drittel der Typejockeys. Komplettiert wird das Trio durch Anna Fahrmaier (nicht im Bild).

In den 1920er Jahren beschloß die Wiener Verwaltung, die Straßenschilder in der ganzen Stadt zu vereinheitlichen. Die rund 7000 Gassen, Straßen und Plätze der österreichischen Hauptstadt erhielten neue emaillierte Schilder mit weißer Schrift auf blauem Grund. Speziell für diesen Zweck wurde eine neue Schrift gestaltet – der Name ihres Schöpfers ist allerdings nicht überliefert.

Ein Straßenschild aus dem 1. Wiener Gemeindebezirk, mit einer eher schmallaufenden Schrift. Das Eszett in der Henriette ist deutlich schöner. Foto: Richard Smith (CC)

Ursprünglich standen zwei Versionen zur Verfügung, die man heutzutage als Heavy und Bold Condensed bezeichnen würde. So konnten sowohl kurze Straßennamen wie Gaußplatz als auch längere wie Wolfgang-Mühlwanger-Straße angemessen dargestellt werden. Ab den 1970er Jahren wurden die Schilder im Fotosatz beschriftet, was den Email-Produzenten erlaubte, die Namen durch Dehnen oder Stauchen auf die perfekte Breite zu bringen – oft zum Leidwesen der Buchstabenformen. Im Laufe der Jahre wurde die Schrift von mehreren Schmelzfabriken angewandt – jede wollte ein Stück vom Kuchen – und dabei jeweils neu gezeichnet. Das Ergebnis: Heute gibt es nicht eine Wiener Straßenschilderschrift, sondern gleich 16 teils sehr unterschiedliche, wie die Typejockeys bei ihrer Recherche herausfinden konnten.

Vergleicht man Buchstaben wie ›a‹ oder ›s‹ auf diesem Schild mit den oben gezeigten, wird klar, dass es sich um zwei verschiedene Varianten handeln muss. Foto: Christian Kadluba (CC)

Henriette ist keine simple Digitalisierung, sondern eine Neuinterpretation, die auf diesen 16 verschiedenen Varianten beruht und dabei weit über die Vorlage hinausgeht. Mit 30 Schnitten verspricht die Schriftfamilie eine Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten. Henriette kann gediegen, elegant und raffiniert wirken, aber ebenso ist sie verspielt, putzig und ein bisschen knubbelig. Sie lässt sich für markante Überschriften und Logos ebenso einsetzen wie für Fließtext.

Alle aufrechten und kursiven Schnitte liegen im gesamten Breitenspektrum vor – Normal, Condensed (schmal), Compressed (eng). Das erlaubt mehr Flexibilität, wenn es darum geht, eine Headline einzupassen oder eine Wortmarke zu setzen. Während die aufrechten Schnitte Kapitälchen besitzen, sind die kursiven mit Schwungversalien ausgestattet. Alle Fonts verfügen über Ligaturen, Wahlformen und unterschiedliche Ziffernarten. Sogar das obskure Interrobang und das Versal-Eszett sind enthalten. Auch die Anzahl der unterstützten Sprachen kann sich sehen lassen: 48 – wie bei allen Typejockeys-Schriften.

Zu jeder erworbenen Henriette-Lizenz gibt es ein Schmankerl gratis dazu: Henriette Frames enthält 90 stilistisch passende Ornamente und Rahmenelemente. Mit diesem Extrafont lassen sich spielend leicht schmückende Bordüren erstellen. Und wer Henriette vor dem Kauf erst einmal testen will, kann sich einen Probeschnitt holen: Die Black ist frei zum Download erhältlich.

Auf dem Typejockeys-Blog ist ein englischsprachiger Artikel zur Henriette erschienen. Diesem Text sind die meisten der hier verwendeten Hintergrund-Informationen entnommen.

Verwandte Artikel

Archiv →
Show Tweets