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Arthur, ein Triplett im Stil des Art déco

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Arthur Cabinet Diamond

Die Goldenen Zwanziger sind zurück: Im Kino läuft Der große Gatsby, Max Raabe füllt die Konzertsäle – und Andreas Stötzner veröffentlicht gleich eine ganze Schriftserie im Stil des Art déco; bestehend aus Arthur Sans, Arthur Cabinet und Arthur Ornaments.

Die Arthur ist kein direktes Revival, vereint aber gleich mehrere charakter­istische Eigenschaften dieser Epoche, die nach dem Ersten Weltkrieg ihren Anfang nahm und in den 30ern und 40ern zur Blüte gelangte: starke Kontraste – sowohl zwischen dick und dünn als auch zwischen hoch und tief, siehe etwa die Querbalken von ›E‹ und ›H‹; stilisierte florale Elemente und strenge Eleganz durch beherrscht-präzise Ausschmückung.

Arthur Sans – Skizze

Erste Skizzen zur Arthur. Weitere Phasen der Entwicklung sind auf Typophile nachzulesen.

Arthur Sans – dekorative Versalschrift

Den Kern der Serie bildet die Arthur Sans, eine in den Breiten stark variierende Serifenlose, deren Schattenstrich linksseitig mit einer feinen Zierlinie akzentuiert wird. Zu jedem der fünf Schnitte gibt es eine Italic mit geneigten Formen. Die Positionen der Kleinbuchstaben sind mit verkleinerten Versalien belegt, es ist also eigentlich eine reine Kapitalis-Schrift.

Arthur Sans – Übersicht

Der Grundschnitt der Arthur Sans liegt preislich über den anderen. Mit 448 statt 367 Glyphen hat er nämlich mehr zu bieten: dreierlei Formen für das Et-Zeichen (&), eine ›7‹ mit und ohne Querstrich, eine längliche und eine runde Null. Vor allem aber enthält dieser Font zusätzlich rund 70 Ornamente und Piktogramme. Diese grafischen Miniaturen entführen einen auch auf der Bildebene in die von Fortschrittsglaube, Technikbegeisterung, Tourismus und Glamour geprägten Zwischenkriegszeit.

Arthur Ornaments – Skizze
Arthur Ornaments – Skizze

Arthur Ornaments – piktografische Ergänzung

Wer eine andere Strichstärke als die Regular wählt, muss auf die Bildzeichen nicht verzichten: Die Arthur Ornaments sind alternativ als gesonderter Einzelfont erhältlich.

Man findet darin die Dampfschiffe und Propellerflugzeuge, welche die Metropolen Europas mit den prosperierenden USA verbanden; eine Skyline mit illuminierten Wolkenkratzern; schnittige Cabriolets und Autobusse im Streamline-Design; daneben opulente Blumenschalen und -gestecke und die Insignien der aufkommenden Luxus- und Freizeitgesellschaft: mondän inszenierter Tabak- und Alkoholkonsum, Golf und Tennis, Skilauf und Paartanz, Yachten und Segelboote. Wie vom Signographen Stötzner nicht anders zu erwarten wurden die Symbolzeichen nach Möglichkeit mit den entsprechenden Unicodes versehen, siehe dazu auch den Artikel über Unicode 6.0 und die piktografische Wende.

Arthur Ornaments

Arthur Cabinet Serif

Arthur Cabinet – sieben auf einen Streich

Als Ableitung von der Arthur Sans gibt es eine zweite Familie, die Arthur Cabinet, mit sieben unterschiedlich ausgeschmückten Varianten. Ihre über die Kleinbuchstaben erreichbaren Kapitälchen sind identisch mit jenen der Sans. Die Großbuchstaben, Ziffern sowie einige Satzzeichen dagegen tragen jeweils ein anderes Dekor: von der dezenten Serif über diverse Musierungen (Diamond, Onyx, Timber, Tabac) und der mit Blüten und Blattwerk gefüllten Garden bis hin zur Celebration, die in ihren flächigen Details ein ganzes Feuerwerk an Art-déco-Mustern abbrennt.

Arthur Cabinet – Übersicht

Sechs der sieben Stile der Arthur Cabinet. Unten: Anwendungsbeispiel mit der Cabinet Garden

Arthur Cabinet Garden

Interview mit Andreas Stötzner

Wir haben die Veröffentlichung der Arthur zum Anlass genommen, mit Andreas Stötzner über seine schriftgestalterische Arbeit zu sprechen.

Inwiefern sehen Sie die Arthur als Revival an? Gibt es direkte oder indirekte Vorlagen, die Sie herangezogen haben

Nein, solche Vorlagen gibt es nicht. Mir ist keine Schrift aus der Art-déco-Periode bewusst, die sich für die Arthur als direktes Vorbild ausmachen ließe. Vielmehr entstammt der Entwurf einem Gefühl für diesen speziellen Stil, das sich über einen längeren Zeitraum entwickelt und dann schließlich in dieser Weise materialisiert hat. Die Arthur ist ein ziemlich spontanes Produkt.

Freilich hat ein solches Projekt auch einen nostalgischen Aspekt. Seien wir ehrlich: wer möchte von sich behaupten, von solchen Empfindungen ganz frei zu sein? Die Arbeit an der Arthur gab mir jedoch auch Gelegenheit, einen Gedanken zu verfolgen, der bei der Realisation von Schriftprojekten nicht gerade üblich ist: die enge Verbindung von Schrift, (Bild-)Zeichen und Ornamenten. In dieser Richtung sehe ich noch interessantes Potential für künftige Entwicklungen, unabhängig vom Stil. 

Arthur Cabinet Tabac

»Serviervorschlag« – die Arthur Cabinet Tabac in Kombination mit dem in Unicode als U+1F6AC gelisteten Smoking Symbol.

Bei den meisten Ihrer Schriftentwürfe setzen Sie sich mit vergangenen Stilepochen auseinander. An dieser Stelle wurde z.B. die Rosenbaum vorgestellt, die Unziale, Fraktur und klassizistischen Kontrast zusammenführt. Wären Sie in einem zweiten Berufsleben gerne Kunsthistoriker oder Geschichtswissenschaftler geworden?

Das eher nicht. Wenn ich für einen Neustart die freie Wahl hätte, dann würden vielmehr Architekt, Privatier oder Pilot in die engere Auswahl kommen. Doch als Schriftschöpfer hat man es, glaube ich, eigentlich immer mit früheren Epochen und Stilen zu tun. Irgendein Bezug ist immer da, es gibt wohl kaum einen Schriftentwurf – und sei er noch so scheinbar ungewöhnlich – der aus dem Nichts käme und ganz allein für sich stünde. Ein Aspekt übrigens, der mich an der Schriftkunst immer fasziniert hat: man schöpft beständig Neues aus dem unermesslichen Reichtum vorangegangener Schöpfungen, die Schriftkultur regeneriert sich unablässig aus sich selbst heraus und bleibt ewig jung und verwurzelt zugleich. Nicht alle Bereiche unseres gestalteten Lebens erfreuen sich dieser organischen Kontinuität.

Arthur Sans – Anwendungsbeispiel

Zwei Strichstärken der Arthur Sans – garniert mit Piktogrammen aus den Ornaments

Welche Rolle spielt Authentizität für Ihr Schaffen?

Wenn man Authentizität als wertende Größe nimmt, dann kann ich die Frage für meine eigene Arbeit kaum beantworten. Das ist dann eine Sache der Kritik durch andere. Nicht alle meine Schriften haben das gleiche Gewicht. Aber in allen Entwürfen steckt ein Impuls, der aus meinem Gestaltungswillen kommt. Den aktuellen Trends zu folgen war dabei nie meine Stärke. Dazu stehe ich. Auch eine wunderbare Seite der Schriftmacherei: du kannst tun und lassen was du willst, du bist absolut frei und niemand ist dir dafür wirklich böse.

Arthur Sans – Skizze

Skizze zur Arthur, inklusive einer bislang noch nicht verwirklichten Griechisch

Verfolgen Sie, wie und für was Ihre Schriften verwendet werden? Welche Rückschlüsse ziehen Sie daraus für Ihre gestalterische Arbeit?

Im Falle der Andron pflege ich einen teilweise sehr engen Kontakt zu meinen Anwendern, auch über längere Zeiträume. Die Rückschlüsse daraus liegen auf der Hand: ich bekomme Belegexemplare, sehe die Schrift im harten Einsatz und bekomme von den Kunden Anregungen für Verbesserungen, die dann in die Aktualisierungen einfließen. Für die Kunden ist da andererseits ein persönlicher Partner, der für Problemlösungen oder spezielle Erweiterungs­wünsche stets ansprechbar ist und weiterhilft. 

Dieses Modell ist indes nicht auf alle Fontprodukte übertragbar. Ich beobachte sehr genau, wohin meine MyFonts-Verkäufe in welchem Umfang gehen und das gibt mir auch wichtige Anhaltspunkte für künftige Veröffentlichungs-Vorhaben. Aber leider hat man in den seltensten Fällen wirklich Gelegenheit, verkaufte Schriften dann auch im Einsatz zu sehen, wenn irgendwo in Australien oder Kalifornien ein Studio mit der Lapidaria oder der Arthur etwas gestaltet hat …

Arthur Ornaments – Skizze

Etwas vereinfacht könnte man behaupten, dass in der DDR Fachwissen und handwerklichem Können ein hohe Bedeutung zugemessen wurde, während sich diese Werte in der BRD oft der Originalität unterzuordnen hatten. Wie sehen Sie das als ostdeutscher Gestalter, der um die Wendezeit in den Beruf gestartet ist?

Ich habe mich selbst nie als »ostdeutsch« gesehen und empfinde diese stereotype Betrachtungsweise – 24 Jahre nach der Wende – nicht als sinnvoll. Hier der erfolgreiche aber oberflächliche Wessi – da der tiefsinnige aber erfolglose Ossi – dieser Schablone kann ich nichts mehr abgewinnen. 

Trotzdem gibt es natürlich Unterschiede, die in den verschiedenen Lebenswelten begründet waren, keine Frage. Meine Lehrzeit als Buchdrucker Anfang der 80er Jahre war im Grunde genommen eingebettet in eine industriell-handwerkliche Kultur, die in der Epoche von 1850 bis 1950 geprägt worden war. Dann kam das Studium im Leipzig der späten 80er, aus heutiger Sicht eine sehr merkwürdige Zeit. Ja, wir hatten ein sehr intensives künstlerisch-handwerkliches Training, das eine wertvolle Basis darstellt und das ich, ehrlich gesagt, nicht missen möchte. Aber die Kehrseite der Medaille war ein Klima der biederen Selbstzufriedenheit und geistigen Schlafmützigkeit, an das ich mich nur ungern erinnere. Mangels echter Zukunftsperspektive machte man es sich auf dem warmen Lümmelbett der üppigen Traditionen bequem – und dann war im November 1989 auf einmal alles vorbei. Da war ich im vierten Studienjahr.

Überhaupt: »Schriftkunst«. Das hatte ja immer so einen gewissen Beiklang von Häkelkreis und Hutzenstube, ziemlich uncool. Doch seit etwa 15 Jahren erlebt dieses Fach weltweit eine unfassbare kreative Explosion, es gab noch nie so viele fantastische Satzschriften wie heute, das Schreiben mit der Hand beflügelt ungezählte Schriftentwürfe hoher und höchster Qualität, an der Hochschule rennen mir die Studenten im Grundlagenfach Schrift die Bude ein. Es ist einfach herrlich, ein Teil dieser Szenerie sein zu können.

Das sehen wir genauso! Besten Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit der Arthur.

Arthur Cabinet – Übersicht

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