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CamingoCode

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Damit sich beim Programmieren ein wohliges Gefühl einstellt, braucht man zwei Zutaten: Einen guten Texteditor und eine gute Monospace-Schrift.

Jan Fromm veröffentlichte kürzlich mit seiner Camingo Mono eine solche nichtproportionale Schrift; eine Verwandte seiner CamingoDos. Spannend ist, dass es zusätzlich eine Variante extra fürs Programmieren gibt: CamingoCode. Bei dieser Spezialversion sind etliche Details auf die Bedürfnisse von Programmierern zugeschnitten.

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Die vier Schnitte Regular, Bold, Italic der CamingoCode.

Wer täglich Programmcode verfasst, für den ist die Qualität der Editor-Schrift von großer Bedeutung. Der alte Brauch, dicktengleiche Schriften für Code-Poesie und Hackereien aller Art zu verwenden, ist wahrscheinlich vor vielen Jahren aus einer technischen Einschränkung heraus entstanden: Grafikkarten hatten früher einen reinen Textmodus, der fernab aufwendiger Layouts lediglich ein festes Raster aus gleich breiten Buchstaben verwaltete.

Abgesehen von aller Tradition spricht auch heute – im Zeitalter von Echtzeit-3D und Retina-Bildschirmen – noch viel dafür, fürs Programmieren den Monospace-Buchstaben treu zu bleiben: Weil jedes Zeichen den identischen Raum einnimmt (wie auf einer Schreibmaschine), herrscht visuelle Gleichberechtigung. Ein W ist genauso breit wie ein i. Dadurch bilden sich vertikale Spalten und ein gleichmäßiger Textteppich, der sich einfach überfliegen und zeichenweise erfassen lässt. Selbst Leerzeichen und Einrückungen können im Programmcode semantisch wichtig sein. Das normalerweise eher schmale Leerzeichen folgt zum Glück in Monospace-Fonts ebenfalls der einheitlichen Buchstabenbreite, sodass doppelte oder fehlende Leerzeichen sofort ins Auge springen.

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So unterschiedlich können Monospace-Schriften aussehen. Von oben nach unten:
Ubuntu Mono, Anonymous Pro und CamingoCode

Monospace ist nicht gleich Monospace – es gibt viele Möglichkeiten bei der Konstruktion und Ausgestaltung des Alphabets, der Zahlen und der sonstigen Zeichen. Gute Leserlichkeit – also eine gute Unterscheidbarkeit der einzelnen Zeichen – ist beim Programmieren noch wichtiger als beim normalen Lesen, da beim Programmieren selbst kleine Tippfehler dafür sorgen können, dass ein komplettes Programm nicht läuft oder abstürzt. Solche Fehler möchte man natürlich schnell finden oder – besser noch – von vornherein vermeiden.

Ein guter Texteditor kennt zwar die Syntax der verwendeten Programmier­sprache und hebt die unterschiedliche Bedeutung der textlichen Fragmente farblich hervor. Die Unverwechsel­barkeit der einzelnen Zeichen jedoch steht und fällt mit der Schriftwahl. Grundsätzlich eignen sich alle Mitglieder der Camingo-Familie sehr gut für die Verwendung am Bildschirm: Ihre offenen Formen sind robust gegenüber Verpixelung und Zusammen­matschen.

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Anonymous Pro, Inconsolata und CamingoCode: Je offener die Buchstabenformen, desto geringer ist das Risiko, dass die Formen bei schlechter Darstellungsqualität oder eingeschränkter Sehkraft an Prägnanz verlieren.

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Die Mac-Systemschrift Monaco, die Ubuntu-Linux-Systemschrift Ubuntu Mono und CamingoCode: Wenn es besonders lesbar werden soll, ist man mit den weniger gleichförmig wirkenden, mehrstöckigen Buchstabenvarianten von a und g gut beraten.

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Droid Sans Mono, Ubuntu Mono, Source Code Pro, CamingoCode:
Mit einem durchgehenden Schrägstrich kann die Verwechslungsgefahr von $, 5 und S gemindert werden. In der CamingoCode hat diese Variante deshalb den Vorzug erhalten. Der Konsistenz halber sollte auch das ¢ diesen Schrägstrich tragen, wenn es beim $ der Fall ist.

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CamingoCode im Vergleich mit der »gewöhnlichen« Schwesterschrift CamingoMono: Bei beiden ist das @ stark vereinfacht. In der CamingoCode ist das % luftiger, das # dünner als in der CamingoMono – alles Maßnahmen, damit auch in kleinen 11px Schriftgröße die Pixel nicht klumpen.

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Droid Sans Mono, Anonymous Pro, Fira Mono OT, CamingoCode: Über die perfekte Ausrichtung und Größe des Sternchens kann man unterschiedlicher Meinung sein.
Nicht überall sitzen die Klammern und (Minus-)Bindestriche so harmonisch wie bei der CamingoCode.

Programmiersprachen verwenden keine typografisch korrekte Notation (×−÷), sondern behelfen sich historisch bedingt mit den Zeichen *-/, die auf der Tastatur und im ASCII-Zeichensatz vorhanden sind. Weil Programmcode natürlich sehr viele Berechnungen enthält, sollte das improvisierte Sternchen-Malzeichen deutlich zu erkennen sein und ein wenig tiefer stehen als man es beim typografischen Satz gerne hätte. Die Tilde (~) sollte immer vertikal mittig stehen.

Klammern werden in den meisten Programmiersprachen häufig verwendet – allen voran Objective-C mit seinen Wäldern aus eckigen Klammern. Da runde, eckige und geschweifte Klammern eine jeweils andere syntaktische Bedeutung haben, sollten Code-optimierte Klammern ausladend, ja fast überzeichnet sein.

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Die Klammern der Anonymous sind so schmal, dass Verwechslungsgefahr zwischen den verschiedenen Klammersorten besteht.

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CamingoMono (links) & CamingoCode

Bei Monospace-Schriften bekommen I und l meist Serifen verpasst, damit links und rechts keine Lücken klaffen. Beim l sollte dabei auf die Serife links unten verzichtet werden, damit es nicht mit der 1 verwechselt wird.

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CamingoMono (links) & CamingoCode

Das Et-Zeichen wird in vielen Programmiersprachen als Operator verwendet. Um die Verwechslungsgefahr mit 8 und B zu bannen, hat das & in der CamingoCode oben rechts eine Öffnung.

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CamingoMono (links) & CamingoCode

O und 0 müssen sich deutlich unterscheiden – meist wird die Null mit einem Strich versehen, manchmal auch mit einem Punkt in der Mitte. Das Q hat wegen der Verwechslungsgefahr mit dem O in der CamingoCode einen deutlicheren Schweif als in der CamingoMono. Alle Ziffern sind in CamingoCode und CamingoMono etwas niedriger als die Großbuchstaben. Eine subtile, sinnvolle Maßnahme, um sie von den Buchstaben abzuheben. Übrigens, auf ähnliche Weise löste Adrian Frutiger in seiner maschinen­lesbaren OCR-B einst das selbe Problem – nur umgekehrt, mit etwas höheren Ziffern.

Alle Buchstaben sind gleich breit – aber wie breit? Bevor er anfing, die Mono-Camingos zu zeichnen, analysierte Jan Fromm zunächst den Wettbewerb: Viele der etablierten Monospace-Schriften setzen auf eine Breite von 600 Font Units (auch bekannt als 12 pitch). Dadurch entsteht ein luftiges Schriftbild und die normalerweise breiten Buchstaben (z.B. m, W) haben immer noch genug Platz. Schmale 500 Units hingegen sind selten, weil man da schon sehr quetschen muss. »CamingoMono und CamingoCode haben 550 Units – das ist die goldene Mitte und der beste Kompromiss aus Ökonomie und Lesbarkeit«, so Jan.

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Die Frage nach dem Zeilenabstand: Manche mögen es vertikal eng, um mehr Zeilen auf eine Bildschirmseite zu quetschen, so wie es bei der in Xcode standardmäßig eingestellten Menlo (links) der Fall ist. Besser lesbar ist ein harmonischer Abstand, wie er bei der CamingoCode eingestellt ist (rechts).

Für Windows muss jeder Qualitäts-Font darüber hinaus mit TrueType-Hinting ausgestattet sein – sonst weiß der Renderer nicht, wie die Kurven der Schrift aufs Pixelraster gerundet werden sollen. Diese mühsame Handarbeit hat Jan allen vier Schnitten der CamingoCode gegönnt.

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Die Strichstärke wirkt sich auf die Darstellungsqualität und somit auf die Lesbarkeit aus. Auf OS X sehen Schriften grundsätzlich fetter aus als unter Windows, was bei negativer Darstellung (hell auf dunklem Grund) noch verstärkt wird.

Da die Schriftgröße keine genaue Aussage über die tatsächlichen Abmessungen der Schrift trifft, sind in der folgenden Abbildung alle auf eine identische x-Höhe normalisiert. So lässt sich gut sehen, wie unterschiedlich ökonomisch die einzelnen Schriften mit dem horizontalen Platz umgehen und wie filigran oder fett ihr Regular-Schnitt wirkt.

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A: Inconsolata, Raph Levien
B: Ubuntu Mono, Dalton Maag
C: CamingoCode, Jan Fromm
D: DejaVu Sans Mono (Weiterentwicklung der Bitstream Vera Sans Mono)
E: Menlo (Systemschrift von OS X, modifizierte DejaVu Sans Mono)
F: Monaco (Systemschrift von Mac OS), Susan Kare & Kris Holmes
G: Droid Sans Mono, Steve Matteson
H: Consolas (Systemschrift von Windows), Luc(as) de Groot
I: Fira Mono OT, Erik Spiekermann & Ralph du Carrois
J: Anonymous Pro, Mark Simonson
K: TheSans Mono, Luc(as) de Groot
L: Source Code Pro, Paul D. Hunt

Trotz der Optimierung auf gute Leserlichkeit und trotz der Monospace-Gleichmacherei der Buchstaben wirkt CamingoCode in sich stimmig und wie aus einem Guss. Eine schicke, praxistaugliche Code-Schrift, die sich auch gut fürs Mailprogramm oder zum Verfassen von Texten eignet. Ich habe CamingoCode schon seit einigen Monaten im Einsatz. Während des Beta-Tests gab es einen regen Austausch zwischen Jan und mir über die kleinen, feinen Details, die eine perfekte Code-Schrift ausmachen. Ich bin vom Ergebnis begeistert.

CamingoCode ist kostenlos auf MyFonts erhältlich.

Für die Verwendung im Corporate Design und ähnlichem empfiehlt sich die zurückhaltendere CamingoMono, die außerdem mehr Zeichen und mehr Schnitte hat und im OTF-Format erhältlich ist. Sie wird bis Jahresende 2013 zum halben Preis angeboten.

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