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Riga – effiziente Serifenlose für alle Fälle

Diese Schrift testen …

Riga-Specimen

Von Ludwig Übele hatten wir an dieser Stelle zuletzt die Marat Sans vorgestellt. Soeben ist eine neue Serifenlose von ihm erschienen, die ebenfalls einen genaueren Blick verdient: Riga ist eine höchst funktionale Schrift, rational und geradeaus, dabei aber nicht blass oder generisch. Ziel war es, eine platzsparende und dennoch gut lesbare Textschrift zu machen.


Riga-Start

Ludwig Übele hat den perfekten Namen für sein Werk gefunden – nach Helsinki (2008/2013) und Tundra (2011) setzt er erneut auf einen Begriff aus dem hohen Norden. Riga ist nicht nur schön kurz und sprachübergreifend gut auszusprechen. Als Wortbild vereint der Name auch mehrere Charakteristika des Entwurfs in sich: das ›R‹ mit dem langen, durchgestreckten Bein, das der Schrift eine gewisse Strenge und Seriösität verleiht. Dann das ›i‹, das mit dem runden Punkt freundlich gegensteuert. Und schließlich ›g‹ und ›a‹ mit den komplexeren, d.h. eindeutiger lesbaren Antiquaformen, die klarstellen, dass es sich hier trotz fehlender Serifen durchaus um eine Schrift für Mengensatz handelt.

Riga-Details

Bei aller zweckdienlichen Zurückhaltung besitzt die Riga eine Reihe markanter Details, die ihren Charakter bestimmen. Da ist zum einen das ›a‹, bei dem sowohl der Einlauf als auch die Oberseite des Bauches horizontal betont sind. Das schmale ›J‹ und das ›K‹, bei dem Schenkel und Stamm in einem Punkt zusammentreffen, sind beides Formen, die schon für Marat und Tundra gewählt wurden. In der Kursiven werden die Bögen von ›h‹, ›m‹, ›n‹ etc. nicht linear durchgezogen, sondern krümmen sich zur Grundlinie hin in Leserichtung. Auffällig sind ferner die Öffnungen bei ›P‹, ›Þ‹ und ›&‹; auch ›†‹ und ›‡‹ sind unterbrochen. Bei den Währungszeichen ›$‹ und ›¢‹ zeigt Ludwig, dass er nicht vor unkonventionellen Lösungen zurückschreckt. In den fetten Schnitten bestechen die kontrastreichen Figuren für ›K‹ und ›R‹.

Neue Schrift für neue Anforderungen

Für den Entwerfer der Riga gehen Buchstabenformen immer Hand in Hand mit der jeweiligen Typografie. »Die frühen gedruckten Texte waren meist einspaltig angelegt, gleichmäßig fortlaufend, in einer einzigen Schrift und in gleicher Schriftgröße.« Zwischenzeitlich wurde die Typografie immer komplexer und fragmentierter, so Ludwig, mit vielen unterschiedlichen Hierarchieebenen und mehreren Lesesträngen nebeneinander, wie man es aus Zeit­schrif­ten und Zeitun­gen kennt. Um die Aufmerksamkeit des Lesers zu lenken, wurden entsprechend vielfältige Schriftformen und ‑­grö­ßen nötig.

Lineares Lesen einst und jetzt:
Inkunabeldruck von Günther Zainer, 1471 (Foto: kladcatCC); Artikel auf Medium.com, 2014.

Im Internetzeitalter sieht der Schriftgestalter eine Rückkehr zu eher linearem statt selektiven Lesen. Noch vor ein paar Jahren hatte man vor allem große Bildschirme und damit oft lange Zeilen. Breitlaufende Schriften wie etwa die Verdana waren hier von Vorteil. »Webseiten waren wieder einspaltig, wie die frühen Bücher. Anstatt zu blättern wurde nun einfach munter nach unten gescrollt.«

Verdana-LucidaGrande-RigaScreen

Von oben nach unten: Verdana, Lucida Grande, Riga. Letzere läuft bei gleicher x-Höhe deutlich schmaler und spart bei vergleichbarer Lesbarkeit viel Platz.

Nun aber »scheint sich interessanterweise in der Webtypografie dieselbe Entwicklung zu wiederholen, die zuvor im Druckbereich stattfand: Die Typografie wird vielfältiger und fragmentierter.« Hinzu kommt, dass heute zunehmend auf Mobilgeräten gelesen wird, auf Bildschirmen, die oft nur eine kleine Lesefläche bieten, dafür aber hochaufgelöst sind. Ludwig Übele: »Schmale Textschriften sind meiner Meinung nach für diese neue Art von Webseiten besser geeignet. Riga sollte eine solche Schrift werden, bestmöglich lesbar für Print und Screen.«

Riga-schnitte

18 plus 4: Riga und Riga Screen

Die Riga-Familie umfasst 6 Strichstärken von Extralight bis Black, jeweils begleitet von einem Kursiv- und einem Kapitälchen-Schnitt. Von kursiven Kapitälchen hält der Gestalter nicht viel und hat darauf folglich verzichtet. Die Italics sind nicht bloß schräggestellt, sondern zeigen echte Kursivformen, was z.B. an ›a‹, ›e‹, ›g‹ und auch ›t‹ gut zu sehen ist. Dabei geraten sie aber nicht zu kalligrafisch-schön, sondern bleiben sachlich. So bekommt etwa das kursive ›f‹ keine nach links schwingende Unterlänge – sie wird lediglich subtil angedeutet.

Riga-Italic

Mit der Entscheidung, die Kapitälchen in gesonderte Fonts auszulagern, reagiert Ludwig Übele auf die schlechte Implementierung solcher OpenType-Features in den gängigen Anwenderprogrammen. Als eigenständige Fonts würden die Kapitälchen für viele Nutzer überhaupt erst sichtbar. Auch könnten die einzelnen Schriftschnitte so billiger angeboten werden: Wer keine Kapitälchen braucht, muss auch nicht dafür bezahlen.

Erfreulicherweise verfügen die Small-Caps-Schnitte neben Mediävalziffern auch über spezielle (gleichhohe) Kapitälchenziffern. Auch Währungssymbole, Anführungszeichen, Interpunktionen sowie das Kaufmannsund nehmen mit dem Befehl »Alles in Kapitälchen« automatisch eine passend verkleinerte Form an. Wer ein Eszett eingibt, erhält nicht wie üblich ein Doppel-S, sondern eine Kapitälchenform. Auch ein Versal-Eszett ist in der Riga enthalten. Wie schon bei der Marat Sans hat sich der Gestalter dafür eine aparte Form mit leichter Unterlänge einfallen lassen.

Riga-OT-Features

Mit über 550 Figuren pro Schnitt bietet die Riga eine sehr ordentliche Sprachenunterstützung. Wie es sich für eine nach der Hauptstadt Lettlands benannte Schrift gehört, sind natürlich auch die für baltische Sprachen nötigen Zeichen enthalten. Wer in der Aufrechten ein einstöckiges ›g‹ bevorzugt, kann auf eine Alternativform zugreifen. Proportionale Versalziffern sind Standard. Selbstverständlich gibt es aber auch Tabellen- und Mediävalziffern. Zu den weiteren Extras zählen hoch- und tiefgestellte Zeichen (Ziffern wie Kleinbuchstaben sowie einige Sonderzeichen), Brüche, eine optionale Null mit Querstrich sowie Pfeile, die einfach als Wahlligaturen einzugeben sind.

Riga-RigaScreen

Riga (oben), Riga Screen (unten)

Neben der normalen Riga gibt es zusätzlich eine Riga Screen, die speziell für das Lesen am Bildschirm angepasst ist. Sie ist etwas breiter gezeichnet und hat ein einäugiges ›g‹, damit sie in kleinen Größen besser bestehen kann. Zum selben Zweck sind die Kerben an Verbindungsstellen stärker eingeschnitten, was sich besonders bei den Diagonalen der Bold Italic zeigt. Außerdem ist die Riga Screen etwas leichter, um dem Verfettungseffekt entgegenzuwirken, der bei der Textdarstellung am Mac auftritt.

RigaScreen-Windows-Mac

Riga Screen auf Windows (links) und Mac (rechts)

Die Screen-Familie umfasst 4 Schnitte: Regular, Italic, Bold und Bold Italic. Alle Schnitte sowohl von Riga Screen als auch Riga sind als Webfonts erhältlich. Beide Familien wurden mit manuellem TrueType-Hinting versehen, damit sie auch auf Windows und Android ordentlich dargestellt werden. So ist es etwa möglich, innerhalb eines Corporate Designs die Riga Screen für Web-Text zu verwenden und mit der normalen Riga für Web-Überschriften und für Drucksachen zu kombinieren. Die Riga macht in beiden Medien eine gute Figur.

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